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FIA steht hinter Hamilton: Warum Vettels Vermutung Unsinn ist

Von wegen "Bremstest": Lewis Hamilton argumentiert schlüssig (und mit FIA-Unterstützung), warum er Sebastian Vettel beim Crash nicht auflaufen hat lassen

(Motorsport-Total.com) - Der Vorwurf von Sebastian Vettel, Lewis Hamilton habe ihn beim Grand Prix von Aserbaidschan in Baku mit einem "Bremstest" auflaufen lassen, ist falsch. Das hat die Auswertung der Telemetriedaten des Mercedes #44 durch den Automobil-Weltverband FIA ergeben. "Die Rennkommissare haben Hamiltons Daten untersucht", erklärt ein FIA-Sprecher. "Dabei stellte sich heraus, dass sich Hamilton korrekt verhalten hat."

Die Daten belegen: Abgesehen von minimalen Abweichungen war Hamilton an der fraglichen Stelle bei allen drei Restarts gleich schnell. Zudem belegen Zuschauer-Handyvideos, die 'Motorsport-Total.com' vorliegen, dass Vettel schon beim ersten Restart von Hamiltons niedriger Geschwindigkeit überrascht wurde und er den Silberpfeil fast überholt hätte. Also hätte er beim zweiten Mal eigentlich darauf vorbereitet sein müssen.

"Ich habe keinen Bremstest gemacht", stellt Hamilton klar, "sondern ich habe genau das Gleiche gemacht wie in den Runden davor. Sobald das Safety-Car das Licht ausmacht, darf ich das Tempo bestimmen. Ich fuhr mit 50 bar Bremsdruck in die Kurve und habe den Bremsdruck nicht erhöht. Ich habe nur nicht aus der Kurve herausbeschleunigt, weil ich Abstand zum Safety-Car nehmen wollte. Nicht anders als beim Restart davor."

Und bei dem wäre Hamilton am Ende der Runde fast zu schnell gewesen, sodass er Bernd Mayländer im Safety-Car um ein Haar überholt hätte. "Das Safety-Car", erklärt Mercedes-Sportchef Toto Wolff, "war keine 150 Meter vor Lewis. Beim Restart davor hätte er es fast vor der Safety-Car-Linie eingeholt. Dass Lewis aus Kurve 15 beschleunigen würde, stand also gar nicht zur Debatte. Niemals. Und die Daten beweisen, dass er nicht gebremst hat."

Vettels Problem: Er wollte sich nicht wie beim ersten Restart, bei dem er um ein Haar von Sergio Perez überholt worden wäre, überrumpeln lassen - und ging daher mutmaßlich noch aggressiver zu Werke. "Sebastian wollte den Restart nicht verschlafen", analysiert Wolff. Gleichzeitig war Hamilton insofern unberechenbar, als er nicht genau gleich agieren wollte wie beim ersten Mal.

"Der Trick, der beim ersten Mal funktioniert hat, funktioniert gegen einen viermaligen Weltmeister kein zweites Mal", sagt er. "Also musste ich mir etwas Neues einfallen lassen, um sicherzustellen, dass ich durch Kurve 1 noch führe." In Kurve 7 wurde Hamilton via Funk informiert, dass das Safety-Car reinkommen würde. Das bedeutet: maximal zehn Längen Abstand auf Bernd Mayländer halten. Aber an dem Punkt, an dem der Mercedes AMG GT S die Lichter ausmacht, darf Hamilton das Tempo bestimmen.

"Da weiß ich, dass ich nicht mehr beschleunigen muss, um den Abstand im Rahmen zu halten", erklärt er. "Von da an war meine Geschwindigkeit konstant. Vielleicht habe ich bis zum Scheitelpunkt noch ein bisschen verlangsamt, aber nach dem Scheitelpunkt wurde ich einfach nicht mehr schneller." Die FIA-Daten belegen: Hamilton war bei allen drei Restarts bis auf drei km/h gleich schnell.

"Ich musste meine Taktik variieren", erinnert er sich, "aber das betraf erst alles nach Kurve 16. Bis Kurve 15 war alles gleich wie davor - ich habe das Safety-Car ziehen lassen. Das hinterherfahrende Auto will so nahe wie möglich am Führenden dranbleiben. Ich glaube ehrlich gesagt, dass er sich einfach verschätzt hat. Aber dem führenden Auto dafür die Schuld zu geben, damit gesteht er sich seinen eigenen Fehler nicht ein." Nachsatz: "Juckt mich nicht wirklich ..."

Vettels "Bremstest"-Theorie ist laut Hamilton sowieso völlig absurd: "Wenn ich in Führung liege, warum sollte ich das tun? Ich hatte vor der Safety-Car-Phase einen komfortablen Vorsprung und absolut keinen Grund für so eine Aktion. Mir fällt nicht einmal wenn ich nachdenke ein Grund dafür ein, der Sinn ergeben würde. Ich hätte davon null. Nichts!"

"Beim Schubser", sagt er, "dachte ich mir noch nicht mal was." Ein Auffahrunfall kann in der Hitze des Gefechts passieren. Aber daran, dass der Rammstoß danach absichtlich war, hat Hamilton nicht den Funken eines Zweifels: "Es gibt sonst keinen Grund, an der Stelle neben den Führenden zu fahren. Es könnte gar nicht klarer sein. Es ist so klar wie ein blauer Himmel."

Auch die Theorie, dass Vettel beim wilden Gestikulieren unabsichtlich das Lenkrad verzogen haben könnte, hält er für nicht zulässig: "Wir sind Weltmeister, wir sind die besten Fahrer der Welt. Vielleicht wenn einer von euch mit dem PKW fährt und die Hand aus dem Fenster hält, vielleicht zieht ihr das Auto dann nach rechts", wendet er sich an die Journalisten. "Aber uns passiert das nicht. Wir fahren seit Jahren Rennen. Das ist ausgeschlossen."

Die FIA stellte sich ohnehin auf Hamiltons Seite. Sie sprach zehn Sekunden Stop & Go gegen Vettel aus. Für viele eine zu milde Strafe - in den sozialen Netzwerken wird vielerorts eine weit härtere Sanktion gefordert, und selbst die FIA-Rennkommissare erhielten auf ihr mildes Urteil hin negative Reaktionen. Dem Vernehmen nach gibt es Stimmen innerhalb der FIA, die auch eine Disqualifikation des Ferrari-Stars als richtig empfunden hätten.

Die droht ihm auch so, zumindest wenn er in den nächsten Rennen nicht vorsichtig ist. Mit den drei Punkten von Baku hat Vettel in den letzten zwölf Monaten neun Punkte auf sein Strafregister gesammelt. Mit dem zehnten Punkt wird er für ein Rennen gesperrt. Das heißt: Beim nächsten Rennen in Spielberg darf sich Vettel keinen Fehler erlauben, sonst muss er in Silverstone zuschauen. Erst in Silverstone werden wieder zwei Punkte aus seinem Register getilgt.

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