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  • 12.02.2024 14:15

  • von Stefan Ehlen, Co-Autor: Jonathan Noble

FIA-Präsident: Social-Hass entzieht dem Motorsport die Grundlage

Mohammed bin Sulayem fürchtet als Präsident des Automobil-Weltverbands (FIA) um freiwillige Helfer im Motorsport, wenn Online-Hass nicht eingedämmt wird

(Motorsport-Total.com) - Schuld ist immer der Schiedsrichter. Oder auf den europäisch geprägten Motorsport übertragen: die Offiziellen des Automobil-Weltverbands (FIA). Und Mohammed bin Sulayem als FIA-Präsident hat einen gewaltigen Anstieg an Online-Hass gegenüber den freiwilligen Helfern festgestellt und spricht von "massiven Belästigungen in den sozialen Netzwerken".

Titel-Bild zur News: Mohammed bin Sulayem

FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem an der Formel-1-Rennstrecke Zoom

Das sei inzwischen zu einem "ernsten Thema" geworden, denn manchen Beteiligten werde mit Vergewaltigung oder Mord gedroht, sagt bin Sulayem. Und das gehe ausdrücklich zu weit.

"Ich bitte hier um Hilfe, denn wenn wir da nichts unternehmen, dann können wir den Schaden, der dadurch verursacht wird, nicht mehr reparieren. Und das können wir uns nicht leisten", meint bin Sulayem.

FIA befürchtet ein Nachwuchsproblem

Er fordert gerade die Medien dazu auf, dem Weltverband in dieser Angelegenheit Aufmerksamkeit zu schenken. "Denn wir als FIA können dieses Problem nicht im Alleingang lösen. Es muss eine gemeinschaftliche Lösung her." Wie genau diese aussehen könnte, dazu sagt bin Sulayem aber nichts.

Er glaubt nur: Gelingt es der Branche nicht, Online-Hass erfolgreich einzudämmen, dann bekommen Verbände wie die FIA ein Nachwuchsproblem, weil sich niemand mehr engagieren will, nur um später im Internet angefeindet zu werden.

Bin Sulayem: "Die Leute haben Angst. Aber ohne freiwillige Helfer können wir keinen Motorsport ausrichten, das kann kein Sport. Und wir wollen es den Leuten ja schmackhaft machen. Deshalb denke ich: Wenn wir zusammenstehen, dann können wir es schaffen. Aber es ist kein einfacher Kampf. Und ohne die Medien geht es nicht."

Formel 1 als schlechtes Vorbild?

Zumindest teilweise gibt die Formel 1 hier ein schlechtes Vorbild ab, wenn Beteiligte gezielt einzelne Verantwortliche kritisieren, und das in aller Öffentlichkeit. 2021 in Katar etwa schimpfte Red-Bull-Teamchef Christian Horner über einen "bösartigen Sportwart", nachdem seinem Fahrer Max Verstappen ein Gelbvergehen zur Last gelegt worden war. Dafür setzte es eine Verwarnung gegen Horner.

Noch prominenter ist der Fall, der wenige Wochen später für weltweites Aufsehen über die Formel-1-Szene hinaus sorgte: Abu Dhabi 2021. Unter anderem Mercedes-Teamchef Toto Wolff kritisierte Rennleiter Michael Masi für dessen Handeln, kanzelte ihn als "Besserwisser" ab, der "immun für Rückmeldungen" sei und sich vor allem "keiner Schuld bewusst". Damit sei Masi zu einer "Belastung für den Sport" geworden.

Äußerungen wie diese dürften dazu beitragen, die Stimmung im Internet und in den sozialen Netzwerken weiter anzufachen. Der frühere McLaren-Teamchef und jetzige Sauber-Geschäftsführer Andreas Seidl meinte jedenfalls schon 2021, der verbale Schlagabtausch im WM-Titelkampf habe Überhand genommen.