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Ferrari-Teamchef Mattia Binotto wettert gegen FIA: "Viel Lärm um nichts"

Eine Direktive der FIA stößt bei Ferrari-Teamchef Mattia Binotto sauer auf - Der Hinweis, um das Bouncing in den Griff zu bekommen, hatte keinen Wert

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 und der Automobil-Weltverband (FIA) wollen das Porposing bei den neuen Autos in den Griff bekommen, um die Gesundheit der Fahrer zu schützen. Zahlreiche Piloten hatten sich nach dem Rennen in Baku über gesundheitliche Probleme aufgrund des Bouncings beschwert. In Kanada gab es eine Technische Richtlinie seitens der FIA, doch zur Anwendung kam sie nicht.

Mattia Binotto

Mattia Binotto kritisiert das Vorgehen der FIA in Kanada Zoom

"Das war viel Lärm um nichts!", stellt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto klar, der mit dem Prozess seitens der FIA nicht zufrieden ist. Seitens des Verbands gab es eine erste Direktive, die das Porposing vermindern soll. Die Teams müssen sich darauf einstellen, dass in Zukunft die vertikalen Kräfte im Auto gemessen werden. Bei zu Hohen Messwerten sollen die Teams gezwungen werden, das Bouncing mittels der Fahrzeugeinstellungen zu vermindern.

Zeitgleich bot FIA-Formelchef Nikolas Tombazis den Teams eine Option an, den Unterboden mit einer zweiten Strebe zu verstärken. Diese Strebe wurde in Montreal an den Mercedes-Autos im Freien Training entdeckt. So schnell die neuen Teile angebracht waren, so schnell verschwanden sie auch wieder, da die Konkurrenz damit nicht einverstanden war.

Regeländerung per Direktive nicht möglich

Die technische Direktive galt nicht als Regel, weshalb die Teams allen Grund dazu gehabt hätten, Protest gegen das Mercedes-Auto einzulegen, wäre die Strebe weiter verbaut gewesen. Im Technischen Reglement der Formel-1-Saison 2022, das bisher nicht geändert worden ist, ist nur eine Strebe am Unterboden erlaubt, um diesen zu versteifen.

Die Verwirrung und auch das Vorgehen der FIA prangert Binotto an: "Für uns ist es so, dass die Technischen Richtlinien nicht anwendbar sind." Grund dafür ist, dass eine Direktive dafür da ist, um geltende Regeln zu spezifizieren oder sie durchzusetzen. Eine Regeländerung ist so laut dem Ferrari-Teamchef aber nicht möglich.

Die FIA hat die Möglichkeit, das Technische Reglement der Formel 1 auch ohne die Zustimmung der Rennställe zu ändern, wenn die Sicherheit der Fahrer betroffen ist. Aber selbst dann muss die Regeländerung erst durch den Motorsport-Weltrat ratifiziert werden. Der Rat kommt erst Ende Juni vor dem Großen Preis von Großbritannien in Silverstone wieder zusammen. Eine Regeländerung wäre vor diesem Rennen also theoretisch möglich.

Sollte sich die FIA raushalten?

Daran hat Binotto aber ebenfalls Zweifel: "Selbst wenn es die Sicherheit betrifft, was kann die FIA tun? Es muss erst ein Gespräch mit dem Technischen Beraterkommitee geben und dann kann sie zum Motorsport-Weltrat gehen und die Regeln ohne die Erlaubnis der Teams ändern. Das geht aber nicht mit einer Technischen Richtlinie. Deshalb haben wir der FIA mitgeteilt, dass die Direktive nicht akzeptabel ist."


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Binotto glaubt, dass der Hinweis für die Teams gar nicht mit Absicht in Umlauf gekommen ist. "Das glaube ich deshalb, weil die Messgeräte noch gar nicht angewendet werden", so der Teamchef. "Die zusätzlichen Teile wurden an diesem Wochenende in noch keinem einzigen Auto verbaut. Es war viel Lärm um nichts."

Binotto versteht, warum die Gesundheit der Fahrer im Fokus stehen muss, glaubt aber auch, dass die Teams mit der Entwicklung der Autos selbst Lösungen finden werden. Einen Eingriff seitens der FIA hält er für nicht nötig. Wie die Formel 1 und die FIA das Thema Porpoising in der Saison 2022 lösen werden, steht noch in den Sternen. Sicher ist: Das Thema wird im Fahrerlager weiter für heftige Diskussionen sorgen ...