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  • 28.05.2006 · 08:59

  • von Fabian Hust

Ferrari stimmt der Entscheidung "absolut nicht zu"

Ferrari-Rennleiter Jean Todt spricht von einem "sehr ernsten Präzedenzfall", der sich negativ auf den Sport auswirkt

(Motorsport-Total.com) - Die drei Renn-Stewards des Großen Preises von Monaco hatten am Samstag keinen leichten Job, als sie entscheiden mussten, ob man Michael Schumacher für seine Aktion in der Qualifikation bestrafen soll oder nicht. Nicht umsonst berieten sich Tony Scott Andrews, Joaquin Verdegay und Christian Calmes rund siebeneinhalb Stunden lang.

Jean Todt und Michael Schumacher

Jean Todt und Michael Schumacher mussten ein hartes Urteil hinnehmen

In den vergangenen Jahren gab es einige Fälle, in denen Ferrari aus umstrittenen Situationen mit einem blauen Auge davongekommen war, viele Konkurrenten und Experten beschwerten sich darüber, dass die Sporthoheit entsprechende Aktionen durch eine rote Brille beurteile.#w1#

Dass man Michael Schumacher vom ersten auf den 22. Startplatz zurückversetzt hat, ist gerade auf einer Strecke wie in Monte Carlo die Höchststrafe, schließlich kann man im engen Leitplanken-Kanal nur sehr schlecht überholen.

Monte Carlo ist in Bezug auf die öffentliche Aufmerksamkeit aber auch wegen der Gegenwart zahlreicher Sponsorenvertreter das wichtigste Rennen des Jahres für die Formel 1. Aus diesem Grund hat die harte Bestrafung von Michael Schumacher eine besondere Tragweite, zumal Teamkollege Felipe Massa sich im Zeitenfahren verbremste und somit gemeinsam mit Schumacher aus der letzten Startreihe ins Rennen gehen wird. So schlecht war der Traditionsrennstall aus Maranello in der Geschichte der Formel 1 noch nie.

Die Rennleitung stellte mit ihrem Urteil klar, dass niemand - auch kein siebenmaliger Weltmeister - ungestraft gegen das Reglement der Formel 1 verstoßen darf. Der große Verlierer ist Michael Schumacher selbst, der ohne sein Manöver wohl im schlimmsten Fall auf dem dritten Startplatz gestanden wäre, somit noch eine Chance auf den Sieg gehabt hätte.

Nun muss er befürchten, dass er am Ende des Rennens noch mehr Rückstand auf Fernando Alonso hat und das Vorhaben, in seiner wohl letzten Formel-1-Saison den achten Titel einzufahren, noch schwieriger zu realisieren sein wird.

Ganz zu Schweigen vom Image-Schaden, der Schumacher entstanden ist, der während seiner Karriere immer wieder in umstrittene Manöver verwickelt gewesen ist. Je nachdem, auf welche Seite man sich stellt, hat entweder die Rennleitung die Situation fehlerhaft beurteilt, oder aber Michael Schumacher hat schlichtweg gelogen, als er meinte, es sei ein Fahrfehler gewesen und er habe nicht mit Absicht gehandelt. Das Problem: Die Stewards können Schumacher nur Absicht unterstellen, sie aber letztendlich trotz aller Daten nicht beweisen.

Letztendlich hatten die Renn-Stewards keine andere Wahl, als dem Deutschen Absicht zu unterstellen, und ihm dementsprechend hart zu bestrafen. Die Daten zeigten, dass Schumacher einen guten ersten Sektor hatte, dann im zweiten Abschnitt der Strecke Zeit verlor. Selbst wenn Michael Schumacher behauptet, dass er nicht wusste, wie seine Zeit im zweiten Sektor war - was er normalerweise an seinem Lenkrad ablesen kann - kann man davon ausgehen, dass ein Ausnahme-Pilot wie der 37-Jährige genau spürt, dass er Zeit verloren hat.

Im letzten Sektor offenbarte die Analyse der Daten, dass Schumacher keinesfalls mit einer übertriebenen Geschwindigkeit in die 'Rascasse'-Kurve einfuhr. Vielmehr hat er mit einem "übertriebenen, übermäßigen und ungewöhnlichen Druck" gebremst, wie es in dem Urteil hieß.

Wenn ein Fahrer zu schnell in eine Kurve einfährt, ist es vielleicht noch erklärbar, dass er die Räder blockiert und dadurch die Kontrolle über das Auto verliert, dass ein siebenmaliger Weltmeister nicht zu schnell in eine Kurve fährt und dann dennoch die Räder blockiert, war nach Ansicht der Rennleitung ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Manöver von Schumacher beabsichtigt war.

Auch die Analyse der TV-Aufnahmen dürfte die Rennleitung in ihrem Urteil deutlich bestärkt haben. Die meisten Experten waren sich einig, dass Schumacher auch nach dem Verbremser in der Lage gewesen wäre, die Kurve zu bekommen und die Strecke damit nicht zu blockieren. Schumacher öffnete die Lenkung, obwohl kein Untersteuern zu erkennen war, ging auch nicht voll auf die Bremse, sondern ließ das Auto in Richtung Leitplanke rollen, sodass er schlussendlich nicht mehr in der Lage war, um die Kurve zu fahren.

Bei Ferrari nahm man das harte Urteil mit großem Entsetzen auf: "Ferrari nimmt die Entscheidung der Renn-Stewards mit großer Unzufriedenheit auf, welche die Streichung der von Michael Schumacher im Qualifying für den Großen Preis von Monaco gefahrenen Zeiten vorsieht", so Teamchef Jean Todt in einer Mitteilung. "Wir stimmen dieser Entscheidung absolut nicht zu. Solch eine Entscheidung erzeugt einen sehr ernsten Präzedenzfall, er schließt die Möglichkeit eines Fahrfehlers aus."

Das Ferrari-Team hatte in der Anhörung vorgetragen, dass Michael Schumacher nicht mit Absicht gehandelt hat, um die Konkurrenz daran zu hindern, eine schnelle Zeit zu fahren, sondern dass es sich um einen Fahrfehler gehandelt hat. Entsprechende Behauptung haben die drei verantwortlichen Renn-Stewards jedoch nicht für voll genommen.

Der Franzose sieht dies hingegen völlig anders: "Michael war auf seiner letzten gezeiteten Runde und versuchte, seinen ersten Platz zu manifestieren, was man anhand der Tatsache gesehen hat, dass seine erste Zwischenzeit die beste war und er eine weitere sehr gute Runde hätte fahren können. Die Stewards haben ihn ohne einen wirklichen Beweis für schuldig erklärt."

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