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  • 27.05.2006 · 22:54

  • von Fabian Hust

Schumacher bestraft: Start in Monaco vom 22. Startplatz

Die Rennleitung hat Michael Schumacher für seine Aktion in den letzten Minuten des Qualifyings in Monte Carlo hart bestraft

(Motorsport-Total.com) - Nach Anhörung von Michael Schumacher, seinem Renningenieur Chris Dyer, Ferraris Technischem Direktor Ross Brawn, Teammanager Stefano Domenicalo, Renndirektor Charlie Whiting und FIA-Software-Experte Alan Prudom, dem Studium der von Ferrari und dem Automobilweltverband FIA vorgelegten Daten und der Video-Beweise haben die drei Renn-Stewards Tony Scott Andrews, Joaquin Verdegay und Christian Calmes in Monte Carlo nach einer rund achtstündigen Beratung die aus Michael Schumachers und Ferraris Sicht harte Entscheidung um kurz vor 23 Uhr bekannt gegeben.

Michael Schumacher

Schumacher wird das Rennen in Monte Carlo als Letzter aufnehmen müssen

Dem siebenmaligen Weltmeister wurden alle Zeiten des Qualifyings gestrichen. Damit verliert er seine Pole Position und muss als 22. in den Großen Preis von Monaco starten. Somit geht der WM-Führende Fernando Alonso von der Pole Position aus ins Rennen und wird den Punktevorsprung auf den in der WM-Wertung zweitplatzierten Deutschen unter normalen Umständen massiv ausbauen können. Neben Alonso startet Williams-Pilot Mark Webber ins Rennen, Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes ist Dritter.#w1#

Schumacher war kurz vor Ende der Qualifikation in der 'Rascasse'-Kurve von der Ideallinie abgekommen und in der engen Straßenschlucht mit seinem Ferrari an der äußeren Leitplanke stehen geblieben. Damit sorgte er für eine gelbe Flagge und behinderte so seine nachfolgenden Konkurrenten, allen voran Weltmeister Fernando Alonso im Renault, entscheidend bei der Jagd nach der Bestzeit.

Die Aktion brachte Schumacher vonseiten der Teamchefs, Piloten und Experten viel Kritik ein. Die Rennkommissare sahen in Schumachers Verhalten einen eindeutigen Regelverstoß nach Paragraf 112 des Sportlichen Reglements.

Der 37-Jährige hat nach Ansicht der Stewards sein Auto absichtlich auf der Strecke gestoppt. Der Fahrer habe im ersten Sektor eine schnelle Zeit gefahren, habe in Sektor zwei Zeit verloren und sei im Vergleich zu seiner schnellsten Runde in Kurve 18 langsamer gewesen "und bremste mit solch einer Kraft, dass seine Vorderräder blockierten, sodass der Fahrer gezwungen war, erneut die Kontrolle über sein Auto zu erlangen", lautet die Begründung.

"Der Fahrer tat dies, ohne die Leitplanken außen in Kurve 18 zu berühren. Der Motor des Autos wurde in der Konsequenz abgewürgt, das Ergebnis war, dass das Auto die Strecke blockierte. Nachdem alle relevanten Daten verglichen waren, konnten die Stewards keinen entschuldbaren Grund für den Fahrer finden, dass er mit einem solch übertriebenen, übermäßigen und ungewöhnlichen Druck für diese Stelle der Strecke gebremst hat und hatten aus diesem Grund keine andere Wahl, als zu dem Schluss zu kommen, dass der Fahrer sein Auto in den letzten Minuten des Qualifyings absichtlich angehalten hat, zu einer Zeit, zu der er die schnellste Rundenzeit inne hatte."

Damit stehen beide Ferrari in der letzten Startreihe. Teamkollege Felipe Massa war im Zeitenfahren in die Leitplanken gekracht und konnte aus diesem Grund keine gezeitete Runde fahren. In der über 50-jährigen Geschichte der Formel 1 ist dies ein sportlich enttäuschender Rekord für die Italiener - noch nie starteten zwei Ferrari aus der letzten Startreihe. Bisher schlechtes Qualifying-Ergebnis für Ferrari waren die Plätze 19 und 23 beim Großen Preis von Großbritannien 1980 in Brands Hatch. Ferrari kann gegen die Entscheidung übrigens keinen Einspruch einlegen.

Auch Renault-Pilot Giancarlo Fisichella wurde von der FIA wegen eines Behinderungsmanövers gegen den Schotten David Coulthard bestraft und verlor nach der Annullierung seiner schnellsten drei Runden in der dritten Quali-Sektion fünf Plätze. Fisichella startet nun am Sonntag von Rang zehn, Nico Rosberg im Williams rückt damit auf den achten Platz vor.

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