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Fernando Alonso: Wollte er mit Giovinazzi etwas beweisen?

Wie Alpine-Fahrer Fernando Alonso die Entscheidungen der Sportkommissare in Austin bewertet und ob Kimi Räikkönen eine Sonderbehandlung erhält

(Motorsport-Total.com) - Fernando Alonso ist nicht gut auf die Sportkommissare der Formel 1 zu sprechen. Wieder mal. Denn beim USA-Grand-Prix 2021 in Austin haben sich gleich mehrere Szenen ereignet, die dem Alpine-Fahrer sauer aufgestoßen sind. Alonso hat den Eindruck: Es gelte nicht gleiches Recht für alle. Konkret: Kimi Räikkönen sei anders behandelt worden.

Antonio Giovinazzi mit Fernando Alonso und Kimi Räikkönen im Formel-1-Rennen in Austin 2021

Fernando Alonso im Duell mit Kimi Räikkönen in der ersten Kurve in Austin Zoom

Alonso hatte sich im Rennen in Runde 16 mit Räikkönen angelegt und war Seite an Seite mit dem Alfa-Romeo-Fahrer in die erste Kurve gefahren. Dabei drückte er Räikkönen über den äußeren Randstein hinaus in die asphaltierte Auslaufzone, wo der Finne aber auf dem Gas blieb und so wieder an Alonso vorbeiging.

Alonso meldete den Vorfall sofort per Funk: "Er hat mich außerhalb von Kurve 1 überholt." Doch es geschah nichts. Drei Runden später gaben die Sportkommissare lediglich bekannt, dass die Situation keine Untersuchung nach sich ziehen würde.

In Runde 21 ereignete sich der nächste Zwischenfall, wieder mit Alonso: Er überholte Räikkönen-Teamkollege Antonio Giovinazzi und kam dabei selbst von der Strecke ab. Drei Runden später informierte ihn das Team, man müsse die Position zurückgeben, sonst würde eine fünfsekündige Zeitstrafe erfolgen. Alonso lenkte ein und ließ sich zurückfallen.

Runde 25 sah den nächsten Angriff Alonsos auf Giovinazzi, wobei Giovinazzi die Position nur hielt, weil er abseits der Strecke zurücküberholte. Wieder hieß es: Zurücktauschen, sonst Strafe. Also gab auch Giovinazzi seine Position an Alonso zurück.

Alonso: Formel 1 tut sich damit keinen Gefallen

Alonso aber reicht das nicht. In einer ersten Stellungnahme nach dem Rennen gibt er sich entrüstet: "Wir sind ja nach Amerika gekommen, um eine gute Show zu bieten und die Formel 1 in diesem Land bekannt zu machen. Wir haben aber keinen guten Eindruck hinterlassen."


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Das Rennen in Austin habe wieder einmal gezeigt, wie unterschiedlich die Sportkommissare bewerten würden. Die geschilderten Szenen seien "genau gleich" gewesen, meint Alonso. Aber: "Zwei wurden so entschieden, eine anders."

Letzteres macht er den Sportkommissaren zum Vorwurf, wenn auch nicht in aller Deutlichkeit. Alonso sagt aber: "So ist es in diesem Sport eben, zum Guten oder zum Schlechten. Wir wissen: Es wird nicht immer fair für alle sein."

Es ist nicht die erste Alonso-Kritik an den Sportkommissaren

Damit knüpft Alonso an seine Äußerungen der vergangenen Wochen an, mit denen er den Sportkomissaren unter anderem unterstellte, sie seien nicht unparteiisch und manche Nationalitäten kämen besser weg als andere bei den Urteilen.

Nun legt Alonso nach und meint, die Sportkommissare täten gut daran, gleiche Szenen gleich zu bewerten. O-Ton: "Die Regel ist klar. Man muss aber halt auch danach handeln. Es braucht keine Klarstellung. Es muss nur einfach eine Strafe ausgesprochen werden, wenn sowas passiert."

Alonso wollte "nichts beweisen" mit Giovinazzi

Und wo so viel Ärger im Spiel ist, stellt sich natürlich die Frage, ob Alonso selbst etwas beweisen wollte, als er Giovinazzi rustikal außenrum überholte, kurz nachdem Räikkönen in einer ähnlichen Situation ohne Strafe geblieben war.

Alonso verneint: "Ich wollte nichts beweisen. Ich wollte einfach nur Plätze gutmachen." Er habe in der betreffenden Szene schlicht "sehr spät gebremst" und dann den Kurvenausgang verpasst.


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"Als mir das Team sagte, ich müsse die Position zurückgeben, konnte ich das nachvollziehen. Es erschien mir logisch. Denn wenn da eine Mauer gewesen wäre, hätte ich ja nie so spät gebremst. Also nahm ich einen Vorteil, indem ich von der Strecke fuhr. Daher muss ich die Position auch wieder hergeben", erklärt Alonso.

Nachsatz: "Wir respektieren natürlich alles, was die FIA sagt." Was aber wohl nicht bedeutet, dass Alonso mit allen Entscheidungen einverstanden ist.

Die Sache mit Räikkönen lässt ihm keine Ruhe

Er kommt noch einmal auf Räikkönen zu sprechen: "Wenn du innen anbremst, zwingst du einen Gegner beim Überholen immer dazu, von der Strecke zu fahren. Dann muss der Gegner entscheiden, ob er vom Gas geht oder mit Vollgas durch die Auslaufzone fährt."

Ferrari-Fahrer Carlos Sainz habe sich im Duell mit McLaren für Letzteres entschieden, Giovinazzi ebenso und "auch ich habe das so gemacht", sagt Alonso. "Wir mussten die Position jeweils zurückgeben, weil wir abseits der Strecke voll gefahren waren. Kimi aber nicht. Daher finde ich, das ist nicht konstant bewertet."

Er fühle sich daher benachteiligt, zumal er durch die vielen, teilweise erzwungenen Positionswechsel viel Zeit verloren habe. Alonso spricht von "zehn Sekunden" und meint: "Ohne diese zehn Sekunden wäre ich leicht Neunter geworden."

Ausfall kurz vor Schluss: Alonso punktet nicht

Dazu kam es aber nicht: Alonso schied kurz vor Schluss mit gebrochenem Heckflügel aus. "Also hätte sich eh nichts geändert", meint er. Und: "Ich rege mich nicht zu sehr auf, weil es nur um einen Punkt ging und wir ohnehin einen Schaden hatten."

Es geht Alonso aber wohl ums Prinzip. Er kommt nämlich wieder auf das Thema "erste Kurve nach dem Start" zu sprechen und meint: "Die Probleme von Sotschi gibt es nicht mehr. Obwohl: Ich vermute, in Mexiko fragt man jeden, was in der ersten Kurve passiert ist, warum man nach außen gefahren ist."

"Ich hatte das ja in Sotschi gemacht und beim folgenden Rennen in der Türkei wurde ein Drama daraus gemacht. Deshalb hoffe ich, dass in Mexiko viele Fragen an diejenigen gerichtet werden, die es dieses Mal gemacht haben." Abgehakt ist die Angelegenheit für ihn also nicht.

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