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F1-Rennen 2022: Sergio Perez gewinnt zermürbenden Thriller in Singapur!

Das war hart erkämpft: Max Verstappen ist noch nicht Weltmeister 2022, Sergio Perez gewinnt das Nachtrennen aber für Red Bull, vor Charles Leclerc und Carlos Sainz

(Motorsport-Total.com) - Der Grand Prix von Singapur wurde am Sonntagabend zur erwarteten Wetter- und Materialschlacht und brachte mit Sergio Perez (Red Bull) einen Sieger hervor, den vor diesem Wochenende wahrscheinlich nicht viele auf dem Zettel hatten. Der Mexikaner gewann das klassische und diesmal besonders zermürbende "Night-Race" nach verkürzter Renndistanz vor den beiden Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Carlos Sainz.

Sergio Perez, Charles Leclerc, Carlos Sainz, Lewis Hamilton

Sergio Perez legte am Start den Grundstein für seinen Sieg Zoom

Das Rennergebnis war zunächst wegen einer FIA-Untersuchung gegen Perez unter Vorbehalt. Perez droht eine nachträgliche Zeitstrafe, weil er sich hinter dem Safety-Car zu weit zurückfallen hat lassen. Er erhielt zwar tatsächlich fünf Sekunden auf seine Rennzeit aufaddiert; blieb aber trotzdem Sieger des Rennens.

Damit konnte Max Verstappen (Red Bull) seinen ersten Matchball auf den WM-Titel in der Formel 1 2022 nicht verwandeln. Der Titelverteidiger belegte nach einem für ihn verkorksten Rennen den siebten Platz und hat damit in einer Woche in Suzuka die nächste Chance, den Sack vorzeitig zuzumachen.

Vierter wurde Lando Norris vor Daniel Ricciardo (beide McLaren), Lance Stroll (Aston Martin), Verstappen, Sebastian Vettel (Aston Martin), Lewis Hamilton (Mercedes) und Pierre Gasly (AlphaTauri).

Mick Schumacher (Haas) kam mit einer Runde Rückstand als 13. ins Ziel. 14. und Letzter wurde George Russell (Mercedes).

Übrigens: 2022 ist somit der erste Grand Prix von Singapur, bei dem weder Hamilton noch Vettel auf dem Podium stehen.

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Wie legte Perez den Grundstein für den Sieg?

Zunächst bereits am Start. Der Mexikaner kam am besten Weg und nutzte den kurzen Weg bis zur ersten Kurve, um sich ganz sicher an Polesetter Leclerc vorbeizuschieben. Von da an fuhr er dann erstmal ein ziemlich unaufgeregtes Rennen.

Brenzlig wurde es vor dem Neustart in Runde 11. Zwar gewann er diesen souverän, doch kurz zuvor ließ er sich relativ weit hinter das Safety-Car zurückfallen, was von Hamilton prompt beanstandet wurde. Beim zweiten Neustart passierte ihm genau das Gleiche noch einmal.

Die FIA kündigte an, diesen potenziellen Regelverstoß erst nach Ende des Rennens zu untersuchen. Mutmaßlich droht bei negativer Bewertung eine Fünfsekundenstrafe. Als Perez das durchgefunkt wurde, zog er im Finish nochmal das Tempo an, um auf fünf Sekunden Vorsprung zu kommen.

Eine Vorentscheidung im Rad-an-Rad-Duell fiel womöglich in Runde 34. Die Strecke trocknete immer mehr ab, und Russell, der als Erster auf Slicks gewechselt hatte, fuhr auf dem letzten Platz die schnellsten Rundenzeiten im Feld.

Das erkannte der Ferrari-Kommandostand und erteilte Leclerc Anweisung, "Box opposite" zu machen, also das Gegenteil von Perez. Perez blieb draußen, Leclerc aber auch - und vergab somit die Chance auf einen besonders mächtigen Undercut mit Trockenreifen-Vorteil bei abtrocknender Strecke.

Erst in der Runde drauf ließ sich Leclerc davon überzeugen, an die Box zu kommen, weil Perez noch einmal an der Box vorbeifuhr. Doch bei Ferrari dauerte der Reifenwechsel länger als fünf Sekunden, und so konnte Perez seine Führung letztendlich komfortabel behaupten.

Kurz darauf wurde das Rennen durch ein zweites Safety-Car unterbrochen, wegen Crash von Yuki Tsunoda (AlphaTauri). Damit hatten die Fahrer Zeit, sich unter schwierigen Bedingungen mit den Slicks zu akklimatisieren, Perez und Leclerc konnten sich wieder auf P1 und P2 einfinden.

In Runde 43 meldete Perez: "Ich habe Probleme mit dem Motor." Übrigens nicht zum ersten Mal an diesem Wochenende; schon im Freitagstraining hatte er über solche Schwierigkeiten geklagt. Als er gefragt wurde, ob diese beim Bremsen oder beim Beschleunigen auftreten, antwortete er: "Beides."

Perez geriet einige Runden lang mächtig unter Druck von Leclerc, konnte sich aber mit Kratzen und Beißen an der Spitze behaupten. Es war dann ein leichter Fahrfehler von Leclerc, der den Ferrari aus der DRS-Sekunde abwarf.

Danach blieben die Positionen 1 und 2 bis zur Zieldurchfahrt eingefroren und Perez fuhr als Sieger über die Linie. Nach 59 von 61 geplanten Runden wurde wegen Erreichens der maximalen Rennzeit die Zielflagge gezeigt. Perez hatte letztendlich 7,6 Sekunden Vorsprung auf Leclerc und blieb damit trotz Strafe Sieger.

Wie lief das Rennen von Verstappen?

Gasly hatte am Samstag spaßeshalber prophezeit, dass der Red-Bull-Pilot das Rennen nach spätestens 15 Runden anführen wird. Das klappte bei weitem nicht. Verstappen erwischte nämlich einen schlechten Start und fiel in der ersten Runde vom achten auf den 13. Platz zurück.

Gleich in Runde 2 schnappte er sich Kevin Magnussen (Haas) und Stroll, wenig später Tsunoda, und lag damit hinter Vettel, der mit fünf Position Verbesserung den besten Start des ganzen Feldes hingelegt hatte, an neunter Stelle. Dort biss er sich erstmal ein paar Runden lang fest.


Rennanalyse: Warum Perez den Sieg behalten darf

Singapur: Wir erklären das FIA-Urteil rund um die gebrochene Safety-Car-Regel und analysieren die wichtigsten Szenen des Rennens. Weitere Formel-1-Videos

Erst in Runde 11, unmittelbar nach dem Neustart, kam Verstappen mit einem sehenswerten Links-Rechts-Manöver an Vettel vorbei. Gleich darauf schnappte er sich seinen "halben Teamkollegen" Gasly ausgangs der Anderson-Bridge und war somit bereits Siebter im Rennen.

In Runde 21 gewann Verstappen die nächste Position, weil Fernando Alonso seinen Alpine im Notausgang abstellen musste. "Motor", funkte der Spanier kurz und knapp. Die Rennleitung aktivierte jetzt das virtuelle Safety-Car, und Verstappen lag dreieinhalb Sekunden hinter Norris auf P5.

Das Rennen pendelte weiterhin munter zwischen Gelb und Grün hin und her. Bei einem der VSC-Neustarts zur Halbzeit der ursprünglichen Renndistanz von 61 Runden zog Norris erst das Tempo an, stieg dann aber wieder auf die Bremse - was dazu führte, dass sich Verstappen an ihm vorbeischob, dann aber wieder abbremsen musste, um den McLaren nicht unter VSC zu überholen.

Wie tauchte plötzlich Hamilton vor Verstappen auf?

Es war die 33. Runde, der Crossover von Intermediates auf Slicks lag in der Luft, und Hamilton bremste vor Kurve 7 zu spät - vom Ehrgeiz getrieben, den vor ihm liegenden Sainz-Ferrari zu jagen. Der Einschlag in die Barrieren war heftig, der Mercedes hielt aber erstaunlich gut stand.

"Tut mir leid, Jungs, das habe ich vermasselt", entschuldigte er sich.

Hamilton kam just zwischen Norris und Verstappen auf die Strecke und konnte zunächst weiterfahren. Allerdings hing seine Flügelendplatte links vorn so stark zu Boden, dass diese anfing, Funken zu schlagen.

Es kam Hamilton gelegen, dass er ohnehin Reifen wechseln musste, sodass der Tausch der Frontpartie nicht so viel Zeit kostete, wie das sonst der Fall gewesen wäre. Er reihte sich nach dem Boxenstopp an neunter Stelle, hinter den beiden Aston Martins, wieder ein.

Gleich zu Beginn des Rennens hatte Hamilton gemeckert: "Ich hab's euch doch gesagt, wegen dieser Reifen. Nächstes Mal hört ihr besser auf mich. Kein Grip." Schlussendlich beendete er ein fehlerbehaftetes Rennen an neunter Position, 1,5 Sekunden hinter Vettel.

Wie ging es danach mit Verstappen weiter?

Verstappen lag damit schon an fünfter Position. In Runde 40 wurde das Rennen nach der zweiten Safety-Car-Phase wieder freigegeben, und Verstappen wollte sich mit Norris nicht lang aufhalten. Eingangs Kurve 7 bremste er aber viel zu spät und fuhr mit stehenden Rädern geradeaus in den Notausgang.

Die Mediumreifen waren damit wegen des Bremsplattens hinüber, und Verstappen musste noch einmal zum Boxenstopp kommen. Dadurch fiel er auf den 13. und letzten Platz zurück. Dort fuhr er allerdings dank der frischen Softs sofort die mit Abstand schnellsten Rundenzeiten des gesamten Feldes und setzte ein letztes Mal zu einer Aufholjagd an.

Es reichte immerhin noch zu Platz 7.

Warum kam es zur ersten Safety-Car-Phase?

Wegen einer Kollision zwischen Guanyu Zhou (Alfa Romeo) und Nicholas Latifi (Williams) in Kurve 5. Latifi konnte sich zwar danach noch an die Box retten, musste dort aber wegen einer gebrochenen Radaufhängung hinten links aufgeben. Zhou blieb noch in Runde 6 direkt im Notausgang stehen.

Die Rennleitung reagierte zwar nicht sofort, schickte dann aber doch das Safety-Car auf die Strecke, um den Zhou-Alfa sicher bergen und diverse Kleinteile auf dem Asphalt einsammeln zu können. Diese hätten sonst ein Sicherheitsrisiko darstellen und Reifenschäden auslösen können. Latifi wurde für das nächste Rennen eine Rückversetzung um fünf Positionen als Strafe aufgebrummt.

Fast zeitgleich rasierte sich übrigens auch der zweite Alfa Romeo einen Teil seines Frontflügels ab. Russell versuchte im Kampf um Rang 15 eine Verzweiflungstat und bremste sich vor einer Linkskurve aus aussichtsloser Position innen neben Valtteri Bottas. Als der einlenken wollte, war da plötzlich ein Mercedes - der geradeaus in den Notausgang fuhr und dort erstmal wenden musste.

Wann wechselte der Erste auf Slicks?

Gestartet wurde wegen des Regenschauers vor dem Start auf Intermediates. Die Strecke trocknete trotz Rennbetrieb nur langsam ab. Am Samstag lag der Crossover bei 1:55 Minuten. Russell traute sich trotzdem, in Runde 22 unter Gelb, als die Rundenzeiten noch deutlich langsamer waren, auf Medium zu wechseln. "Sehr mutig", funkte Verstappen, als er von seinem Renningenieur darüber informiert wurde.

Russell rutschte gleich auf den ersten Metern fast in die Mauer und berichtete: "Kein Grip." 'ORF'-Experte Alexander Wurz vermutet: "Die haben auf ein echtes Safety-Car gehofft. Wenn das nämlich kommt und ein paar Runden draußen bleibt, kommen alle anderen auch rein, und dann spült es ihn nach vorn."

Doch der Poker ging nicht auf. Russell war in seiner ersten vollständig repräsentativen Runde nach Ende der VSC-Phase im direkten Vergleich um 10,1 Sekunden langsamer als Verstappen, der just zu dem Zeitpunkt die bis dahin schnellste Runde im Rennen fuhr. Auf Intermediates. Russell brach das Experiment trotzdem nicht ab, sondern zog auf den Slicks durch - auf dem nunmehr letzten Platz.

Das geschah allerdings nicht ohne Diskussionen am Boxenfunk: "Ich habe wirklich Schwierigkeiten, das Auto auf der Strecke zu halten", berichtete er an sein Team. "Die anderen werden irgendwann reinkommen, ja. Aber ich bin ja derzeit fünf Sekunden pro Runde langsamer als die!"

Russell fuhr dann zwar Zwischendurch die schnellsten Zeiten im Feld, als die Strecke abtrocknete; doch bei einem missglückten Überholversuch gegen Schumacher, bei dem er voll in die Eisen gehen musste, überbremste er und zig sich einen Bremsplatten zu.

Der Mercedes-Pilot wurde letztendlich 14. und Letzter.

Konnte sich Mick Schumacher für 2023 empfehlen?

Singapur war keines der besseren Rennen des 23-jährigen Deutschen. Nachdem er schon im Qualifying das Duell gegen Kevin Magnussen klar verloren hatte, verlor er auch am Start des Nachtrennens gleich mal zwei Positionen und fiel auf Rang 14 zurück.

Dass er dann ziemlich früh im Rennen vor Magnussen fuhr, lag daran, dass Magnussen nach einer leichten Berührung mit Verstappen ("No further Action") bereits zum dritten Mal in dieser Saison wegen loser Teile die orange-schwarze Flagge gezeigt bekam und zur Reparatur an die Box kommen musste. Magnussen fiel dadurch auf den zu dem Zeitpunkt 18. und letzten Platz zurück.

Schumacher war trotz eines aus seiner Sicht unauffälligen Rennverlaufs wegen der zahlreichen Zwischenfälle schon in der Nähe der Punkteränge, als es zu einer Berührung mit Russell kam ("No further Action"), die bei ihm einen Reparaturstopp erforderlich machte.


Die beiden setzten das Rennen danach auf den letzten Plätzen (13 und 14) fort - und begegneten einander ein paar Runden später noch einmal. Schumacher machte wieder nicht kampflos Platz. "Der fährt, als ginge es um sein Leben", kritisierte Russell am Boxenfunk. Kurz darauf war das Thema dann aber erledigt und Russell 13. Gegen den schnelleren Mercedes war letztendlich kein Kraut gewachsen.

Erst durch einen späten Boxenstopp von Russell kam Schumacher wieder auf P13 nach vorn.

Welche Ausfälle gab es und warum?

Zhou und Latifi eliminierten sich bei ihrer Kollision gegenseitig. Alpine verzeichnete einen Doppelausfall, mutmaßlich in beiden Fällen wegen eines Defekts der Powerunit. Und Alexander Albon (Williams) hielt bei seinem Comeback nach Blinddarmentzündung tapfer durch, ehe er bei einem Flüchtigkeitsfehler geradeaus in die Barrieren fuhr und anschließend an der Box aufgeben musste.

Das gleiche Malheur, allerdings in wesentlich dramatischem Ausmaß, passierte Tsunoda. Der Japaner fuhr kurz nach seinem Wechsel auf Slicks geradeaus und hatte nicht so viel Glück wie Hamilton zuvor in einer vergleichbaren Situation. Für ihn war der Arbeitstag damit beendet.

Esteban Ocon (Alpine) schied genau wie Alonso mit Verdacht auf Motorschaden aus.

Warum begann das Rennen nicht pünktlich?

Eigentlich hätte der Grand Prix von Singapur um 20:00 Uhr Ortszeit (14:00 Uhr in Deutschland) gestartet werden sollen. Allerdings zog gut eine Stunde vor dem Start ein heftiges Unwetter auf. Wegen der extrem nassen Strecke entschied Rennleiter Eduardo Freitas, das "Night-Race" nicht pünktlich freizugeben.

Im Zuge des veränderten Zeitplans wurde festgelegt, die Boxengasse um 20:25 Uhr zu öffnen und schon zehn Minuten später, um 20:35 Uhr, zu schließen. Mit Start der Formationsrunde um 21:05 Uhr. Die Möglichkeit, hinter dem Safety-Car zu starten, nahm Rennleiter Eduardo Freitas nicht wahr. Er ließ einen stehenden Start des Feldes zu.

Von vielen Zuschauern hagelte es trotzdem Kritik, weil die Bedingungen womöglich einen etwas früheren Start zugelassen hätten. Aber: "Man hat eine zeitliche Vorgabe von 'Pit Lane open' bis zur grünen Flagge", erklärt Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer im 'ORF'. "Weil die Teams ja auch ihre Zeit für die Vorbereitungen brauchen."

'ORF'-Experte Alexander Wurz, Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA, ist der Meinung, dass das auch schneller gegangen wäre. Er kritisiert: "Das Prozedere so spät zu starten, da hätten wir uns sicher 15 Minuten starten können."

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