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F1-Qualifying Baku 2022: Augen zu und durch - Leclerc auf Pole!

Charles Leclerc erobert mit einer riskanten letzten Runde den ersten Startplatz für Aserbaidschan - Sergio Perez wieder vor Max Verstappen - Sebastian Vettel auf P9

(Motorsport-Total.com) - Charles Leclerc (Ferrari) hat sich mit einer überragenden letzten Q3-Runde die Poleposition für den Grand Prix von Aserbaidschan in Baku gesichert. Leclerc fuhr eine Bestzeit von 1:41.359 Minuten und verwies Sergio Perez (+0,282) und Max Verstappen (+0,347/beide Red Bull) auf die Plätze.

Sergio Perez, Charles Leclerc, Max Verstappen

Charles Leclerc sicherte sich die Pole beim Grand Prix von Aserbaidschan 2022 Zoom

Vierter wurde Carlos Sainz (Ferrari), der das Q3-Finale nach dem ersten Run noch angeführt hatte, seine letzte Runde aber mit einem Fehler gleich in der zweiten Runde wegwarf und sich als einziger Fahrer aus den Top 4 nicht mehr steigern konnte.

Der Rest der Welt hatte deutlichen Rückstand auf Ferrari und Red Bull. George Russell (Mercedes) wurde Fünfter. Ihm fehlten bereits 1,353 Sekunden auf die Spitze.

Dahinter rundeten Pierre Gasly (6./AlphaTauri), Lewis Hamilton (Mercedes), Yuki Tsunoda (AlphaTauri), Sebastian Vettel (Aston Martin) und Fernando Alonso (Alpine) die Top 10 ab. Zwischen Gasly (6.) und Alonso (10.) lagen lediglich 0,328 Sekunden.

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Wie wurde der Kampf um die Pole entschieden?

Red Bull war auf den Geraden erneut schneller als Ferrari. Leclerc fuhr in den kurvenreichen Sektoren 1 und 2 absolute Bestzeit. Im dritten Sektor war aber Verstappen am schnellsten. "Du musst auch in den Kurven schnell sein, nicht nur auf den Geraden", seufzt der Weltmeister, gibt "einige winzige Fehler" zu und ergänzt: "Es fällt mir weiter schwer, eine gute Balance Front/Heck zu finden."

Perez, der schon das ganze Wochenende etwas schneller war, konnte die Kohlen diesmal nicht rausholen. Zuerst küsste er die Mauer, dann fehlte ihm im entscheidenden Versuch ein Windschatten. "Ich habe auf allen Geraden Zeit verloren. Aber drei Zehntel sind zu viel. Die Pole war nicht drin", sagt er.

Somit war der Weg frei für Leclerc. Der Monegasse lieferte, als es drauf ankam, eine herausragende Runde ab und schaffte eine deutliche Steigerung im Vergleich zu seinen vorangegangenen Versuchen: "Ich habe die ganze Zeit in Kurve 2 Zeit verloren. In der letzten Runde habe ich einfach die Bremsen ausgelassen und gebetet, dass es gut geht. Und es ist gut gegangen", erklärt er.

Hätte es Hamilton aus eigener Kraft in Q3 geschafft?

Mercedes, erneut geplagt von laut Hamilton "gefährlichem" Aufsetzen des Unterbodens, musste diesmal Teamwork betreiben, um beide Autos ins Q3 zu bekommen. Hamilton lag außerhalb der Top 10, ging dann jedoch im Windschatten von Russell auf seine letzte Runde in Q2. Mit der Hilfe des Teamkollegen katapultierte er sich auf den sechsten Platz und damit ins Top-10-Finale.

Zunächst hatte Hamilton genervt gewirkt. "Mein Bremspedal ist wirklich weich", beschwerte er sich gleich auf seiner ersten Q1-Runde. Später gab's dann eine Untersuchung, die nach dem Qualifying stattfindet, weil er auf einer seiner langsamen Runden langsamer war als die vorgeschriebene Deltazeit.

Das wird eher keine Strafe, aber möglicherweise eine Verwarnung geben. "Ich war neben der Linie und habe niemanden aufgehalten, und ich war innerhalb der Deltazeit", behauptet Hamilton, der in der fraglichen Situation vor dem Norris-McLaren bremste, um diesem nicht den Windschatten zu spendieren, sondern selbst einen Windschatten zu bekommen.

Hat es frühzeitig einen der Favoriten erwischt?

Zumindest keinen der absoluten Topstars. Aber in Q2 schieden beide McLaren-Piloten aus. Teamchef Andreas Seidl hatte vor dem Qualifying erklärt, das Ziel sei, beide Autos in Q3 zu bekommen. Darauf fehlten Lando Norris am Ende 0,022 und Daniel Ricciardo 0,198 Sekunden. Die beiden belegten die Positionen 11 und 12.

Außerdem erwischte es in Q2 Esteban Ocon (Alpine), Guanyu Zhou und Valtteri Bottas (beide Alfa Romeo). Zhou und Bottas hatten sich den ersten Run in Q2 geschenkt, weil sie offenbar nicht mehr genug Reifen hatten, und konnten sich mit ihrer einzigen Runde nicht von den letzten Positionen lösen. Auch, weil sie in der Hektik der letzten Q2-Runden in gelbe Flaggen (Tsunoda) einfuhren.

Vettel in Q3 - und das trotz Unfall?

Kurz nach der Aufregung um seinen Teamkollegen landete auch Vettel in der Mauer, und zwar in Kurve 15. Auch er konnte sich mit dem Rückwärtsgang befreien - und die Session fortsetzen. "Der Moment war haarig", gibt er zu. "Ich wusste, dass alles raus muss, um ins dritte Qualifying zu kommen. Das war irgendwo das Ziel. Ich habe gedacht, ich schaffe es noch, und dann habe ich gemerkt, es geht nicht mehr."

"Dann habe ich gedacht: 'Okay, der Frontflügel, davon haben wir noch einen in der Garage.' Also wenn ich schaffe, ganz gerade reinzufahren, dann können wir weitermachen. Und so ist es dann auch gekommen. Da hatte ich ein bisschen Glück, und ein bisschen Erfahrung", sagt Vettel.


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Letztendlich belegte er den siebten Platz in Q2 und den neunten in Q3, 0,132 Sekunden hinter Tsunoda und 0,082 Sekunden vor Alonso.

Passierte der Unfall von Lance Stroll wegen eines Flügelbruchs?

Nein. Es waren gerade 14 Minuten gefahren, da verbremste sich der Aston-Martin-Pilot in Kurve 7 und rutschte in die Barrieren. Stroll legte den Rückwärtsgang ein - und wie durch ein Wunder war sein Frontflügel intakt. Weil er zu dem Zeitpunkt nicht für Q2 qualifiziert gewesen wäre, fuhr er nicht an die Box, wie er selbst das vorhatte, sondern ging auf Anweisung seines Teams gleich auf noch eine schnelle Runde.

Doch dann war der Kanadier "ein bisschen zu hektisch" und wollte "zu viel", wie 'ServusTV'-Experte Nico Hülkenberg analysiert. In Kurve 2 der nächsten Runde krachte Stroll schon wieder in die Barrieren, und diesmal machte der Frontflügel das nicht mehr mit. Sein Qualifying war damit beendet.

"Man hat gesehen, dass er unter Druck war und gepusht hat, aggressiv auf der Bremse. Und wenn der Einlenkimpuls zu aggressiv ist und du einen Ticken neben die Linie kommst, wo etwas weniger Grip ist, dann ist's auch schon passiert", analysiert Hülkenberg.

Das Replay zeigt ganz klar: Der Verdacht, dass der Flügel infolge des Einschlags in der Runde zuvor gebrochen sein könnte, erhärtete sich nicht. Sondern als Stroll zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit wegrutschte, war der Flügel noch intakt. Das Gebrechen passierte erst beim Einschlag am Ausgang von Kurve 2.

Die Session wurde mit 2:30 Minuten Restzeit unterbrochen.

Was passierte danach?

Wie so oft gab's ein hektisches Gemetzel darum, die letzte Runde noch rechtzeitig beginnen zu können. Norris wurde zum Beispiel instruiert, er möge die "Ellbogen ausfahren", um vor Ende der Zeit über die Ziellinie zu kommen. Das schafften tatsächlich alle. Aber einige schafften im dichten Verkehr keine Zeitenverbesserung mehr.

Pech hatten zum Beispiel die beiden Haas-Piloten. Wegen einer gelben Flagge (Alonso) im zweiten Sektor konnten sie, die sie weit hinten im Feld lagen, nicht durchziehen. Am Ende schieden Kevin Magnussen (Haas), Alexander Albon, Nicholas Latifi (beide Williams), Stroll und Schumacher aus.

Haas hatte zudem die schlechteste Position in der Boxengasse. Während sich Mercedes & Co. vorn anstellten, mussten Magnussen und Schumacher seitlich zur Boxenstraße auf die Gnade eines Gegners warten, der sie reinlassen würde. Was natürlich nicht passierte. Reindrängeln war auch nicht möglich. Das hatte die Rennleitung schon kurz zuvor vermerkt und eine Untersuchung nach dem Qualifying angekündigt.

Warum war Schumacher im TV-Interview so genervt?

Der letzte Platz ist nicht das, was er sich erhofft hatte. "Ich bin genervt. Einfach, weil die ganze Situation ein bisschen doof ist. Weil das Auto ist besser als der letzte Platz", ärgert er sich.


Genervter Mick über letzten Startplatz: "Papa hat es früher auch geschafft"

Mick Schumacher reagiert nach letztem Platz im Qualifying genervt.

Aber nicht ohne Kampfansage für das Rennen: "Mein Papa hat es früher auch schon geschafft, von hinten zu starten und nach vorne zu fahren. Von daher gibt es keinen Grund, warum ich das nicht auch können sollte."

Warum begann das Qualifying 15 Minuten später?

Eigentlich war der Start von Q1 auf 16:00 Uhr deutsche Zeit angesetzt. Doch wegen eines Crashs in der Formel 2 musste der Beginn des dritten Freien Trainings um 15 Minuten verschoben werden. Und das Sportliche Reglement sieht vor, dass zwischen dem Ende des Freien Trainings und dem Beginn des Qualifyings mindestens zwei Stunden liegen müssen. Daher war eine Verschiebung unausweichlich.

Wie kann man das Rennen live sehen?

In Deutschland nur bei Sky. Übrigens exklusiv und ohne Werbeunterbrechung. Die Übertragung mit Vorberichten und Einschätzungen zum Beispiel von Formel-1-Experte Ralf Schumacher beginnt um 11:30 Uhr deutscher Zeit. Start ist dann um 13:00 Uhr. (ANZEIGE: Hier geht's zu den Infos, wie Sky Q oder WOW empfangen werden kann!)

Wer ist Favorit auf den Sieg im Rennen?

Bei einem normalen Rennverlauf werden Ferrari und Red Bull das unter sich ausmachen. Leclerc wirkt bisher am stärksten, Verstappen hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben: "Auf eine schnelle Runde scheint uns ein bisschen was zu fehlen. Aber ich denke, im Longrun sollte unser Auto ziemlich stark sein."

Leclerc ist dank Ferrari-Update aber ebenfalls optimistisch: "Mein Gefühl ist, dass unsere neuen Teile im Rennen besser sind. Aber das müssen wir morgen erst bestätigen."

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