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Formel 1 wieder vor einer Zerreißprobe!

Bernie Ecclestone traf sich am Freitag in Montréal mit den Teamchefs - Spekulationen um neue Piratenserie ohne Beteiligung der FIA

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Freien Training kam es gestern in Montréal zu einem Treffen zwischen Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone und den zehn Teamchefs. Die hitzige Diskussion dauerte zweieinhalb Stunden lang - und als die Teilnehmer endlich herauskamen, sahen nicht alle glücklich aus. Das ist auch kein Wunder, denn wie 'Motorsport-Total.com' erfahren hat, steht die Königsklasse neuerlich vor einer Zerreißprobe!

Bernie Ecclestone und Flavio Briatore

Bernie Ecclestone: "Ganz ehrlich, Flavio, ihr nervt mich gewaltig..." Zoom

Beim Concorde-Agreement handelt es sich um die Verfassung der Formel 1, in der alle wichtigen Abläufe, Zuständigkeiten und vor allem die Einnahmenverteilung geregelt sind. Allerdings ist der letzte solche Vertrag bereits ausgelaufen und ein neuer noch nicht unterschrieben. Die kommerziellen Prozesse sind derzeit durch ein Verständnismemorandum (MOU) von Barcelona 2006 geregelt, das jedoch nie ausformuliert wurde.#w1#

Meinungen gehen auseinander

Also setzten sich die Teams und Ecclestone gestern an einen Tisch: "Es ist an der Zeit, dass wir wieder ein Concorde-Agreement haben", erklärte Force-India-Teamchef Colin Kolles gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Aus unserer Sicht haben wir zwar eines, weil wir ein MOU unterschrieben haben, das besagt, dass man das alte Concorde-Agreement ein bisschen besser definiert - und das wird dann das neue Concorde-Agreement. Da gibt es aber verschiedene Meinungen."

Klar ist, dass sich die Teams ein richtiges Concorde-Agreement wünschen - und zwar geschlossen, wie wir aus verlässlicher Quelle erfahren haben. Der Wunsch der FIA nach einem Concorde-Agreement soll hingegen weniger stark sein, was mit dem Machtkampf mit Ecclestone/CVC zusammenhängen dürfte. FIA-Präsident Max Mosley hat zumindest kürzlich angedeutet, dass man nicht jeden Vorschlag blind ratifizieren wird.

In seinem Brief an die Präsidenten der Automobilklubs vom 16. Mai hat Mosley geschrieben: "Der Halter der kommerziellen Rechte (KRH) sieht ein Concorde-Agreement als eine andere Weise, Kontrolle über den Sport auszuüben. Ich glaube, wir sollten dem nicht zustimmen. Der Sport und die kommerziellen Interessen sollten getrennt gehalten werden. Den Teams und dem KRH sollte in allen Stadien zugehört werden, aber es muss die FIA sein, die die Entscheidung über Regeln trifft."

Die FIA und das Concorde-Agreement

Teamchefs

Angeblich wurde gestern in Montréal über eine Pratenserie gesprochen Zoom

Auch die Verhandlungen hinsichtlich eines neuen Concorde-Agreements strich er damals als entscheidenden Punkt hervor: "Meiner Meinung nach sollten wir ein neues Concorde-Agreement nur dann unterschreiben, wenn es die Autorität der FIA bestätigt und angemessen mit der großen finanziellen Krise umgeht, die der Formel 1 wahrscheinlich bevorsteht. ... Nur mit fairen und realistischen Arrangements können wir vermeiden, weitere Teams zu verlieren."

Ecclestone wirkte indes nach dem heutigen Meeting ein wenig verschnupft, weil ihm die Teams klargemacht haben, dass sie sich mehr Einfluss auf das künftige Technische Reglement wünschen: "Wir arbeiten an einem Concorde-Agreement. Wenn es um das Technische Reglement geht, machen mich die Teams verrückt", gab der zu seinem Auto hetzende Brite etwas entnervt in das Mikrofon unseres Reporters vor Ort.

Teams fordern mehr Selbstbestimmung

Kolles bestätigte, dass die Teams mehr Selbstbestimmung wollen: "Wir sympathisieren mit der Ansicht, dass die Teams die technischen Regeln erstellen oder zumindest den Input liefern sollten." Das Thema KERS sei "ein bisschen" diskutiert worden, allerdings gibt es offenbar immer noch keine ungeteilte Meinung darüber, ob die Hybridsysteme nun wie geplant schon 2009 oder doch erst später eingeführt werden sollen: "Da gibt es keine Einigung", so Kolles.

Nicht zur Sprache kam interessanterweise das Thema US-Grand-Prix, das den großen Automobilherstellern eigentlich sehr am Herzen liegt, weil der amerikanische Markt einer der bedeutendsten der Welt ist. Dafür betonte Ecclestone gegenüber 'Motorsport-Total.com', dass die Presseberichte über einen neuen Vertrag für Spa-Francorchamps bis 2012 nur zum Teil korrekt waren: "Wir mussten den Vertrag nicht verlängern, denn wir hatten schon einen."

Soweit zum offiziellen Gegenstand der gestrigen Diskussionen. Inoffiziell freilich zeichnet sich eine Zerreißprobe ab: Wie wir inzwischen erfahren haben, soll das gestrige Meeting vor allem auch dem Zweck gedient haben, die Idee einer Piratenserie anzuschneiden - und zwar diesmal mit Ecclestone und den Teams, aber ohne Mosley! Denn weil der ungeliebte FIA-Präsident nicht von sich aus zurücktreten will, sucht man nun nach neuen Varianten, wie man ihn loswerden könnte.

Ecclestone will Mosley nicht mehr

Richard Woods und Max Mosley

FIA-PR-Mann Richard Woods mit seinem Chef Max Mosley in Monaco Zoom

Ecclestone hat seinen früheren Kumpel schon mehrfach öffentlich zum Rücktritt aufgefordert, doch Mosley kam dieser Bitte bisher nicht nach. Weil auch Ecclestone unter einem gewissen Druck steht - sein Partner CVC fürchtet um den Wert seines Produkts Formel 1 -, gibt es im Grunde genommen nur zwei mögliche Szenarien: entweder Mosley geht oder die Formel 1 macht sich selbstständig! In Montréal wurde darüber am Freitag hitzig diskutiert.

Klar ist: Die Teams und Hersteller haben das Geld, die Autos und die Fahrer, Ecclestone hat die Verträge mit allen Rennstrecken und TV-Stationen - also wären im Gegensatz zu vor einigen Jahren, als sich die Hersteller im Alleingang selbstständig machen wollten, diesmal alle Zutaten in einem Pott. Die FIA unter Mosley darf in der Formel 1 ja nur den Schiedsrichter spielen, seit sie die kommerziellen Rechte 2001 in Form eines 100-jährigen Vertrags an Ecclestone abgetreten hat.

Die große Frage ist freilich, ob Ecclestone nur mit den Säbeln rasselt oder tatsächlich ernst machen will. In Mosleys Brief vom 16. Mai war erstmals aufgekommen, dass derzeit hinter den Kulissen ein Machtkampf zwischen FIA und Ecclestone/CVC abspielt - und trotz aller Beteuerungen scheint dieser ernsthafter zu sein als zunächst angenommen. Man darf jedenfalls gespannt sein, ob sich die Nebelschleier am Samstag in Montréal noch weiter lichten werden...

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