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Ex-Chefstrategin: War "sehr eingeschüchtert" von Sebastian Vettel

Aston Martins frühere Chef-Rennstrategin Bernadette Collins gibt zu, dass sie von Sebastian Vettels Wechsel eingeschüchtert war, er dann aber netter als gedacht war

(Motorsport-Total.com) - Als Rennstrategin arbeitete Bernadette Collins, genannt Bernie, mit vielen guten Fahrern wie Jenson Button, Nico Hülkenberg oder Sergio Perez zusammen, doch ein Fahrer hat sie in den Jahren besonders beeindruckt: Sebastian Vettel.

Titel-Bild zur News: Sebastian Vettel

Bei Zahlen und Daten war Sebastian Vettel immer sehr akribisch Zoom

Der Deutsche kam 2021 von Ferrari zu Aston Martin, wo Collins als Chef-Rennstrategin die Zügel in der Hand hatte. Dabei sagt sie, dass diese Nachricht für sie schon "sehr einschüchternd" gewesen sei, weil Vettel in der Vergangenheit dafür bekannt war, seine Strategien bei Ferrari häufig kritisch zu hinterfragen.

Für die Nordirin bedeutete das zusätzlichen Druck, zumal sie als Strategin auch nicht an den ersten Testfahrten nach Vettels Wechsel beteiligt war und keine frühe Beziehung zum Deutschen aufbauen konnte.

"Es war sehr einschüchternd, wenn man weiß, dass er in der Vergangenheit so kritisch war", sagt sie im Podcast Beyond The Grid. "Auch in den Strategiemeetings hat er immer viele Fragen gestellt. Er war immer über alles im Bild und wollte die Pläne verstehen."

Collins fing an, mit Vettel zu arbeiten und erklärte ihm, wie man in der Vergangenheit strategisch vorgegangen war. Dabei spürte sie ein klein wenig Druck und das Gefühl, im Rampenlicht zu stehen. "Du möchtest einfach richtig starten. Es war sehr wichtig, mit dem richtigen Fuß zu beginnen. Und ich denke, wir haben das ganz erfolgreich hinbekommen", sagt sie.

Vettel selbst sei dabei "persönlich deutlich netter gewesen, als ich erwartet hatte", wie sie verrät. "Vielleicht lag das aber auch nur an der Erwartungshaltung, aber die Beziehung war echt großartig."

Was Vettel so stark gemacht hat

Das galt nicht nur auf persönlicher Ebene, sondern auch auf beruflicher Ebene, denn für Collins war Vettel strategisch ein Glücksgriff: "Er hatte ein sehr gutes Verständnis darüber, was du erreichen möchtest und warum das vielleicht nicht funktioniert", sagt sie.

Bernadette Collins und Jessica Hawkins

Bernadette Collins im Gespräch mit Jessica Hawkins Zoom

Und: "Er hatte ein sehr gutes Gedächtnis darüber, was in der Vergangenheit passiert war. Er ist frühere Rennen durchgegangen und hat dann gesagt: 'Wie wäre es wie damals, keine Ahnung, 2010?' Und ich habe dann gesagt: 'So weit habe ich nicht zurückgeschaut.' Aber dann muss man zurückgehen und sich das anschauen."

"Viele großartige Fahrer, wie Sebastian einer war, konnten sich ein wirklich gutes Bild davon aufbauen, was um sie herum passiert und was du mit der Strategie versucht", meint sie weiter. "Er konnte sich die Linien, die wir auf dem Papier hatten, so vorstellen, als würden sie im echten Leben passieren."

Nette Worte zum Abschied

Doch allzu lange arbeiteten Vettel und Collins bei Aston Martin nicht zusammen. Der Große Preis von Ungarn 2022 war Collins' letztes Rennen für Aston Martin - also genau jenes Rennen, bei dem der viermalige Weltmeister selbst sein Karriereende angekündigt hatte.

Nach dem Rennen bedankte sich Vettel am Funk mit einer Botschaft: "Kann Bernie mich hören? Ich hätte es fast vergessen. Danke für ... Ich war nur zwei Jahre - eineinhalb - mit dir hier, aber es hat Spaß gemacht und du bist ein großartiger Mensch. Danke, großer Kuss." Sein Renningenieur antwortete: "Sie ist ziemlich errötet, Sebastian."

Für Collins war das sehr schmeichelhaft. "Es hätte noch mehr bedeutet, wenn er mir nicht die Schau gestohlen hätte", lacht sie mit Blick auf Vettels Rücktrittsankündigung. Doch bei einem viermaligen Weltmeister von seinem Status und mit seiner starken Persönlichkeit, der in der Vergangenheit häufig kritisch mit der Strategie war, war das für sie ein echter Wow-Moment.

"Und dann hat er das, was wir gemacht haben, sozusagen angenommen und sich dahinter gestellt und mitgemacht", sagt sie. "Und dann diese Art von Beziehung zu haben, bis zu dem Punkt, an dem er dankbar war für die Arbeit, die man reingesteckt hat, das war, ja, ein ganz besonderes Gefühl, und es ist schön, auf dieser Ebene respektiert zu werden."

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