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  • 15.09.2004 · 09:19

Eine Million Szenarien für den China-Grand-Prix

Lesen Sie, wie sich ein Formel-1-Team im Falle von Shanghai auf eine unbekannte Strecke vorbereitet

(Motorsport-Total.com) - Frühstart für das Renault-Team: Als der Kurs in Shanghai noch nicht mehr als eine große Baustelle war und auch der Renault R24 noch nicht in seiner endgültigen Form existierte, drehte die "Equipe Jaune" bereits die ersten Runden über das chinesische Asphaltband. Anhand von Computer-Simulationen errechneten die Renault-Ingenieure die Geschwindigkeiten des gelb-blauen Boliden in den einzelnen Streckenabschnitten, sagten die Rundenzeiten voraus und erarbeiteten bereits mögliche Rennstrategien.

Shanghai International Circuit

Die Teams kennen den 'Shanghai Circuit' nicht - und irgendwie doch...

Pat Symonds, Leiter der Renault-Entwicklungsabteilung, schenkte den Vorbereitungen auf den 16. von 18 Saisonläufen besondere Beachtung: "Die Herausforderung begann für uns bereits vor dem Start der Saison 2004", erklärt der Engländer. "Das musste einfach sein. Die Herstellung bestimmter Komponenten wie zum Beispiel der Getriebe-Übersetzungen beansprucht etwa acht Wochen."#w1#

So früh wie möglich mit den Planungen zu beginnen, besitzt daher oberste Priorität. Allerdings stellte sich beim Grand Prix von China das Problem: Woher sollte das Team Daten nehmen, wenn der Kurs noch nicht einmal existierte? "Für eine präzise Simulation der Rundenzeiten brauchst du eine sehr exakte Karte der Strecke", fährt Symonds fort.

"Mit einem solchen Dokument berechnen wir die Ideallinie dreidimensional, damit wir wissen, wie sich das Auto verhalten wird. Danach brachten wir Parameter in unsere Simulation mit ein, die das Auto an sich betreffen. Nach dem wir den Computer mit den Daten für ein Basis-Setup des Renault R24 gefüttert hatten, konnten wir verschiedene Flügeleinstellungen und Getriebeübersetzungen ausprobieren, um zu sehen, wie sie sich auf die Rundenzeiten auswirken. Danach wählten wir die vielversprechendsten Kombinationen aus."

Nach und nach widmeten sich die Ingenieure im Anschluss immer kleineren Details. In dieser Phase kamen zum Beispiel Fahrwerksabstimmung, Gewichtsverteilung und Bremsen-Charakteristik ins Spiel. Anhand der Ergebnisse wurde im Anschluss sogar der ideale Reifentyp bestimmt. Schließlich ließen die Renault-Experten auch den voraussichtlichen Verbrauch des Renault RS24-Zehnzylinders, die Überholmöglichkeiten, die der 'Shanghai Circuit' bietet, und die Länge der Boxengasse mit in die Überlegungen einfließen, um die beste Rennstrategie festzulegen. Bevor das Team in den kommenden Tagen schließlich nach China aufbricht, werden die Computer insgesamt mehr als eine Million Szenarien durchgespielt haben.

Während einer Simulation greift das Renault-Team auf alle zur Verfügung stehenden Informationen zurück - dennoch können einige Unwägbarkeiten die Vorbereitung erschweren. Zudem sind Daten niemals zu 100 Prozent zuverlässig in ihrer Aussagekraft. Das Grip-Niveau des Asphalts stellt beispielsweise einen solchen unsicheren Parameter dar, da er niemals exakt bestimmt werden kann, bis nicht die ersten Autos tatsächlich über die Strecke gefahren sind. "Nur um eine Vorstellung davon zu geben, wie kritisch gerade dieser Wert ist: Ein Unterschied von drei Prozent in punkto Grip macht etwa eine Sekunde pro Runde aus", so Symonds.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor liegt außerhalb der eigentlichen Strecke - die Kerbs: Ihre Form und die Tatsache, ob die Fahrer sie überfahren können oder nicht, haben erheblichen Einfluss auf die Rundenzeiten und die Fahrzeugabstimmung. Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, hat das Renault-Team Simulationen bei unterschiedlichen Grip-Nivaus und den entsprechenden Setups durchgeführt.

Diese Vorarbeit verhindert, dass das Team während des Wochenendes unnötig Trainingszeit mit Abstimmungsarbeiten verschwenden muss, fall sich der Grip plötzlich verschlechtert. Abschließen kann das Renault-Team seine Vorbereitungen allerdings erst vor Ort: Die Fahrer und Ingenieurs werden den 'Shanghai Circuit' zunächst zu Fuß umrunden, um ihre Kalkulationen zu verfeinern. Die Piloten brauchen übrigens nicht lange, um sich die Ideallinie einzuprägen: Nach nur etwa sieben oder acht Runden kennen sie die neue Strecke bereits wie ihre Westentasche.

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