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Ecclestone: Der größte Fehler im Umgang mit Hybridmotoren

Bernie Ecclestone erklärt, was er für den größten Fehler in der Hybrid-Ära hält, während Max Mosley sagt, dass man KERS schon hätte Hybrid-System nennen sollen

(Motorsport-Total.com) - Nicht erst seit Einführung der neuen Turboaggregate zur Saison 2014 wird sich in der Formel 1 über die Motoren beschwert, doch spätestens seit damals greift die Kritik von allen Seiten um sich. Die Power-Units seien zu leise, die Technologie zu kompliziert und die Formel 1 durch die Mercedes-Dominanz zu langweilig. Selbst Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hatte mehrfach betont, dass er das Motorenreglement gerne direkt wieder ändern würde, doch das wird vorerst nicht möglich sein.

Bernie Ecclestone, Toto Wolff, Niki Lauda

Bernie Ecclestone hätte Mercedes gerne gezwungen, Red Bull Motoren zu liefern Zoom

Denn die großen Hersteller sind mit den V6-Hybridmotoren geködert worden und würden nicht zustimmen, dass diese nun einfach verschwinden. "Das Problem ist, dass sie viel Geld für die Motoren ausgegeben haben und sie nicht einfach fallen lassen möchten", sagt Ecclestone. "Als sie designt wurden, hätte niemand geglaubt, dass das daraus wird, was wir heute haben."

Zwar gibt der Brite zu, dass die Hersteller bei den Motoren an sich einen fantastischen Job gemacht haben, dennoch ärgert ihn vor allem, dass Mercedes mit seinem Aggregat so dominant ist. Die Silberpfeile eilen von Sieg zu Sieg und lassen der Konkurrenz nur die Brotkrumen - lediglich ein Rennen konnte man in dieser Saison nicht gewinnen. "Wenn es ein Zweikampf wäre, wäre das gut, aber es ist ein Einkampf...", seufzt Ecclestone.


Fotos: Großer Preis von Singapur, Sonntag


"Vor dem Rennen wollen die Leute denken, dass vier oder fünf Jungs gewinnen können, jetzt sagt man aber normalerweise: 'Es wird einer von diesen beiden, und ich denke, es wird Lewis (Hamilton; Anm. d. Red.) werden.'" Zwar ist Ecclestone froh, dass zuletzt zumindest Nico Rosberg ein klein wenig silberne Ablenkung bringen konnte, doch er wünscht sich, dass auch Ferrari und Red Bull eingreifen können und sieht den größten Fehler vor allem in einer Sache.

"Der größte Fehler, den die Leute gemacht haben - und ich sage Leute, weil ich es nicht alleine war -, war nicht darauf zu bestehen, dass Mercedes Red Bull mit einem Motor ausrüsten muss", erklärt Ecclestone. Red Bull hatte nach der Trennung von Renault bei diversen Motorenherstellern angeklopft, war aber überall abgeblitzt. Aus diesem Grund musste man weiter auf das schwächelnde Aggregat der Franzosen setzen, wenn auch 2016 unter dem Namen TAG-Heuer. "Hätten sie den gleichen Motor wie Mercedes, dann würden wir guten Rennsport sehen", ist Ecclestone überzeugt.

Grundlage für den heute erfolgreichen Hybrid-Motor der Silberpfeile ist das Energierückgewinnungssystem KERS, das 2009 Einzug in die Formel 1 fand. Neben Ferrari, Renault und BMW gab es auch ein Mercedes-KERS im Fahrzeug von McLaren, das schließlich als erster Sieger eines Hybrid-Systems in der Formel 1 in die Geschichte einging. Der ehemalige FIA-Präsident Max Mosley erinnert sich, dass Mercedes ein solches System erst gar nicht haben wollte.


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"Ich hatte ein Gespräch mit Dieter Zetsche (Daimler-Vorstandsvorsitzender; Anm. d. Red.) und sagte, dass Energierückgewinnung das große Ding sei", erinnert er sich gegenüber 'Racecar Engineering'. "Man sieht all die roten Lichter in einem Stau und die ganze verschwendete Energie, und es ist undenkbar, dass die Energie in 50 Jahren ebenfalls noch so verschwendet werden wird."

"Er stimmte mir zu, sagte aber, dass er es nicht in der Formel 1 haben möchte, bevor er es nicht in einem Serienfahrzeug haben würde. Ich sagte: 'Wir schon!'", so Mosley weiter. "Auf wundersame Weise hatte er 2009 ein Auto - die erste S-Klasse als Hybrid." KERS verschwand nach der Saison vorerst wieder aus der Formel 1, und Mosley erinnert sich an einen Fehler: "Es wäre vermutlich aus Marketing-Sicht besser gewesen, wenn wir es Hybrid-System genannt hätten."