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"Dritte Enttäuschung hintereinander": Entgleitet Ferrari so die WM?

Charles Leclerc und Carlos Sainz mussten ihre Ferrari in Baku schon vorzeitig mit technischen Problemen abstellen - Erster Doppelausfall in dieser Saison

(Motorsport-Total.com) - Verliert Ferrari jetzt endgültig den Anschluss in der WM? Nach drei Rennen schien Charles Leclerc seinem ersten Formel-1-Titel entgegenzufahren, doch nach drei enttäuschenden Rennen in Folge muss der Monegasse jetzt zusehen, dass er Max Verstappen in der Meisterschaft nicht weiter davonziehen lässt.

Charles Leclerc

Für Charles Leclerc endet das Rennen mit einem rauchenden Ferrari Zoom

25 Zähler hat Leclerc am Sonntag in Baku durch den technisch bedingten Defekt in der 20. Runde auf den Niederländer verloren, der nun schon 34 Zähler davongezogen ist. "Jeder Ausfall ist hart, aber das war jetzt die dritte Enttäuschung in Folge", sagt Leclerc, für den auch das verpasste Podium von Monaco wie ein Ausfall ist, nachdem er schon in Spanien in Führung liegend stehengeblieben war.

In Baku setzte sich der Trend der bisherigen Saison fort. Zum bereits sechsten Mal in acht Rennen konnte Leclerc im Qualifying die Poleposition erobern, doch wie so oft folgte am Sonntag nicht die Belohnung. Trotz des vermeintlich schnellsten Autos hat Ferrari erst zwei Siege in dieser Saison eingefahren - Red Bull sechs.

Diesmal wurde Leclerc von einem mutmaßlichen Motorschaden gestoppt. In Runde 20 rauchte es aus dem Heck des Ferrari, den Leclerc schließlich enttäuscht in der Boxengasse abstellen musste.

"Sehr, sehr enttäuschend"

"Wir müssen uns das genau anschauen, damit es nicht wieder passieren kann", sagt er enttäuscht. "Ich finde nicht die richtigen Worte, um meine Gefühle zu beschreiben. Das ist sehr, sehr enttäuschend. Wir müssen uns das anschauen."

Ob Ferrari zu sehr ans Limit gegangen sei, weiß er nicht: "Wir waren schnell, und im ersten Saisonabschnitt hatten wir keine besonders großen Probleme", betont er. Aber: "Es scheint, dass die ein bisschen mehr werden als am Saisonbeginn. Aber wir haben nichts Dramatisches geändert. Wenn überhaupt, dann haben wir Dinge verbessert."

"Schwer zu sagen, woran es liegt. Wir müssen es analysieren. Ich sehe jetzt noch nicht das volle Bild, was heute passiert ist. Persönlich tut es, wieder einmal, sehr weh", so der Monegasse.

Sainz ebenfalls früh draußen

Zum Zeitpunkt von Leclercs Ausfall war Teamkollege Carlos Sainz schon längst nicht mehr im Rennen. Auch der Spanier war mit einem technischen Defekt ausgefallen und kam aufgrund eines Hydraulikproblems nur neun Runden weit, bevor er in der Auslaufzone von Kurve 4 parkte - Doppelausfall für die Scuderia.

"Schon beim Anbremsen von Kurve 3 spürte ich ein Problem mit dem Herunter- und Hochschalten, und beim Anbremsen von Kurve 4 ging einfach alles aus und ich verlor die Kontrolle über die Hydraulik, was offensichtlich das Problem war", schildert Sainz. "Das ist sehr schade, denn bis dahin hatten wir die Reifen sehr gut im Griff und warteten auf einen Moment, ab dem wir pushen können."

Sainz hat aktuell bereits 67 Punkte Rückstand in der WM und scheint den Anschluss an den WM-Zug zu verpassen. "Für mich war es extrem schwierig, irgendeinen Schwung zu bekommen", hadert er. "Jedes Mal, wenn ich ein gutes Rennen fahre, passiert im nächsten Rennen etwas. 2022 war in dieser Hinsicht extrem frustrierend."

Sorgen nach diversen Kunden-Ausfällen

Neben den beiden Ferrari schieden auch Alfa Romeos Guanyu Zhou und Haas' Kevin Magnussen mit technischen Problemen aus - alle mit Ferrari-Motor im Heck. "Ich weiß nicht, ob es bei allen drei Autos das gleiche Problem war oder ob es bei allen drei Autos unterschiedliche Probleme gab", möchte Leclerc keinen Schluss ziehen.

Der Monegasse betont aber, dass er das Vertrauen in sein Team noch nicht verloren habe und auch noch an den Weltmeistertitel glaubt. "Aber dafür müssen wir diese Dinge in den Griff bekommen", sagt er. "Tatsache ist, dass ich in drei Rennen zwei Ausfälle hatte. Und das fühlt sich nicht gut an."

Sainz schied in dieser Saison sogar bereits dreimal aus, allerdings war Baku für den Spanier das erste technisch bedingte Aus. Daher sieht er das Thema noch nicht so tragisch: "Von meiner Seite aus hatten wir in diesem Jahr keine Probleme mit der Zuverlässigkeit. Es war reines Pech", sagt er, spricht aber dennoch von einem "schwierigen Tag für die ganze Ferrari-Familie".

Binotto: "Habe noch keine Antwort"

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gibt nach dem Rennen zu, dass Ferrari noch Probleme mit der Zuverlässigkeit hat: "Das ist mit Sicherheit eine Sorge", sagt der Italiener. "Wir haben schon vor Baku gesagt, dass Zuverlässigkeit immer ein Schlüsselfaktor für den Kampf ist, genau wie Performance. Und da haben wir noch Arbeit vor uns."

Eine Lösung kann Binotto aber noch nicht versprechen, denn erst müsse Ferrari den heutigen Tag analysieren und die Defekte verstehen. "Vielleicht lässt es sich ja schnell beheben", meint er. "Aber vielleicht brauchen einige von ihnen auch eine größere Lösung. Ich habe noch keine Antwort."


Auch die Probleme der Kundenteam will man dazu mit analysieren: "Der Ausfall von Zhou hat vielleicht nichts mit unseren Komponenten zu tun. Aber das müssen wir uns anschauen", meint Binotto und hält auch die Erkenntnisse aus deren Defekten für nützlich.

"Kunden haben wir nicht aus Businessgründen, sondern für technisches Feedback. Was dort passiert, ist nützlich", sagt er. "Wir werden uns genau die gleiche Zeit für diese Komponenten nehmen, wie für die an den roten Autos."