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David Coulthard: Dann wird Russell "den wahren Lewis" erleben

Die Formel-1-Experten David Coulthard und Mark Webber sind sich einig: Lewis Hamilton wird 2023 wieder zu alter Stärke finden, unter einer Voraussetzung

(Motorsport-Total.com) - Nachdem Mercedes seinen Konstrukteurstitel 2021 noch erfolgreich verteidigte und am Fahrertitel nur knapp scheiterte, hatte das Team in der vergangenen Saison gegen Red Bull und Ferrari keine Chance. Zu schwerwiegend waren die Probleme mit dem W13, die erst nach und nach gelöst werden konnten.

Lewis Hamilton, George Russell

2022 musste sich Lewis Hamilton seinem neuen Teamkollegen geschlagen geben Zoom

Mit Blick auf 2023 zeigte sich Toto Wolff zuletzt zwar optimistisch, blieb aber in Bezug auf die Hoffnungen, die Lücke zu Red Bull zu schließen, gleichzeitig vorsichtig.

Ex-Formel-1-Pilot und TV-Experte David Coulthard legt sich im Gespräch mit 'Motorsport.com' hingegen fest. "Ja, das tue ich, denn ich glaube, es geht aufwärts mit ihnen", antwortet er auf die Frage, ob Mercedes 2023 von Anfang näher dran sein wird.

Coulthard: Mercedes 2023 vorn dabei

"Ich denke sogar, dass die Leistung definitiv zeigt, dass sie ein siegfähiges Grand-Prix-Auto haben. Sie haben vielleicht nur ein oder mit dem Sprint zwei Rennen im Jahr 2022 gewonnen, aber es ist tatsächlich ein siegfähiges Grand-Prix-Auto", spricht der Brite die Siege von George Russell in Brasilien 2022 an.

"Es gibt also keinen Grund, sich davor zu verstecken. Tatsächlich erwarte ich für 2023 einen Dreikampf, bei dem sowohl Ferrari als auch Mercedes mitmischen, was meiner Meinung nach großartig für uns ist", blickt er voraus. "Und es zeigt auch, dass die Basis des Reglements von 2022 gut funktioniert."

Etwas zurückhaltender äußert sich Mark Webber. "Ich denke, dass Red Bull immer noch das gefährlichste Team ist", sagt er. "Eigentlich muss sich jeder in allen Bereichen steigern. Wir haben gesehen, dass Mercedes sehr zuverlässig war, Ferrari weniger. Aber Red Bull hatte eine gute Zuverlässigkeit und war auf allen Strecken stark. Und mit Max ist es für sie manchmal einfach Formel 1 Plus."

Webber: Titelniederlage 2021 hing Hamilton nach

Hatte sich Verstappen 2021 erst beim Saisonfinale gegen Hamilton durchsetzen können, gewann er den Titel 2022 bereits vier Rennen vor Saisonende. Hamilton hingegen blieb zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere ohne einen einzigen Saisonsieg.

Abgesehen von den Schwächen des Autos glaubt Webber, dass auch die Enttäuschung über die Art und Weise der Titelniederlage 2021, also der mentale Aspekt, eine Rolle gespielt hat. "Ja, ich denke, das ist auch ein kleiner Faktor", meint Webber.

"Er ist einer der ganz Großen in unserem Sport. Natürlich war es ein langer Winter für ihn, um sich neu zu formieren und zurückzukommen. Und dann der doppelte Rückschlag, weil das Auto nicht stark war. Das war ein großer Moment des Nachdenkens für ihn, um zu verstehen, wie er die Motivation während einer langen Saison mit einem Auto, das nicht so konkurrenzfähig ist, aufrechterhalten kann."

Karten im Teamduell werden neu gemischt

Im Vergleich dazu sei die Situation für Teamkollege Russell, der von Williams kam, ganz anders gewesen: "Für ihn ist das alles positiv, denn er ist in einer viel besseren Situation als zuvor. Für Lewis hingegen ist es ein großer Rückschritt, was die Leistung angeht."


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Doch Webber glaubt, "dass man in der nächsten Saison, wenn die Rennsiege wieder auf dem Tisch liegen, den alten Lewis wiedersehen wird". Ganz ähnlich sieht es Coulthard.

"Wenn das Auto plötzlich wieder in der Lage ist, ihm die Chance zu geben, um die Poleposition und um Rennsiege zu kämpfen, dann wird auch George den wahren Lewis zu sehen bekommen. George hat einen großartigen Job gemacht, keine Frage, aber ich denke, Lewis ist wieder bei 99 Prozent dessen, wozu er fähig ist."

Red Bull und Mercedes wieder ebenbürtig?

Denn zu Beginn des Jahres 2022, schätzt Coulthard, "schien die Motivation nicht ganz da zu sein, aber gegen Ende der Saison fand er zu seiner Bestform zurück". So habe Hamilton "die Energie und den Hunger" im Laufe der Saison wiedergefunden.

Ob er Red Bull damit herausfordern können wird, vorausgesetzt er hat ein siegfähiges Auto, bleibt abzuwarten. Dem amtierenden Konstrukteursweltmeister steht im Zuge einer Strafe für die Überschreitung der Budgetgrenze weniger Zeit im Windkanal zur Verfügung. Doch wie sehr wird sich das auswirken.

"Ich bin mir sicher, dass sie genug kreative Leute haben, um es am Laufen zu halten"sagt Webber. "Aber wir wissen auch nicht, wie viel Mercedes opfern musste. Sicher kann man kann immer noch etwas für das nächste Jahr lernen. Aber ich meine, wie sie die Zeit für Forschung und Entwicklung und das Geld unter der Budgetgrenze zwischen dem vergangenen Jahr und dem Auto für 2023 verteilt haben."

"Dank dieser Elemente wird es also faszinierend sein zu sehen, wie sich das erste Quartal der nächsten Saison entwickelt", freut sich der Formel-1-Experte auf den Saisonauftakt.