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Das Qualifying muss sich qualifizieren

Bald soll sich ein neues Qualifying-Format bewähren, das wieder verändert werden könnte, sollte es sich als Flop erweisen

(Motorsport-Total.com) - Wie sehr das Einzelzeitfahren und vor allem das Tankverbot die Qualifying-Zeiten verfälscht, macht ein Blick auf das Ergebnis des Abschlusstrainings auf dem Nürburgring deutlich. Michael Schumacher war um 0,635 Sekunden schneller als der zweitplatzierte Takuma Sato. Der Ferrari-Pilot war aber nur deshalb um Welten schneller als die Konkurrenz, weil er einige Runden weniger Sprit an Bord hatte.

Ampel

Wann erhält das neue Qualifying-Format in der Formel 1 grünes Licht?

Abgesehen davon, dass es die meisten Fans als langweilig empfinden, im Qualifying nur jeweils ein Auto auf Zeitenjagd zu sehen und sie sich packende Führungswechsel herbeisehnen, verzerrt das derzeitige Qualifying-Format die wahren Kräfteverhältnisse doch teilweise recht deutlich.#w1#

Wenn Teams wie McLaren-Mercedes oder Sauber wissen, dass sie ein Auto haben, das mit einer Zwei-Stopp-Strategie im Rennen schneller ist als mit einer Drei-Stopp-Strategie, dann bedeutet dies, dass diese im Qualifying bewusst eine mögliche bessere Position für ein gutes Rennergebnis opfern müssen. Das kann aber nicht im Sinne des Sports sein, denn eigentlich sollte jener Fahrer mit der Pole belohnt werden, der wirklich am schnellsten ist und nicht jener, der einfach ein paar Kilogramm weniger Sprit an Bord hat.

"Im Moment gibt es immer Zweifel: Hat er weniger Benzin, mehr Benzin, ist er wirklich voll getankt?", so Ferrari-Rennleiter Jean Todt. "Aber bald wird der Mann auf der Pole Position wirklich derjenige sein, der auf den zwei Runden der Schnellste war. Es wird für denjenigen vorne eine große Befriedigung sein, denn er war wirklich der Schnellste."

Alle wollen mitreden: Teams, Fahrer, TV-Stationen...

Doch noch ist nicht hundertprozentig klar, wie das neue Qualifying-Format aussehen wird. Ursprünglich waren zwei Mal 20 Minuten Zeittraining mit einer 20-minütigen Pause vorgesehen. Doch die Fernsehstationen beschweren sich zurecht, dass diese Pause zu lang ist, den Zuschauern nicht zugemutet werden kann. Also überlegt man, ob man zwei Mal 25 Minuten fährt und nur eine Pause von zehn Minuten einlegen wird. Diese Pause ist den Teams wiederum zu kurz.

Die Crux mit der Rundenanzahl

Unklar ist auch, wie es sich mit der Rundenanzahl verhalten wird. Soll man die Fahrer tatsächlich dazu zwingen, wie angedacht mindestens sechs Runden je Qualifying-Einheit zu fahren? Das wären bei 20 Autos in einer Session alleine 120 Runden. Gerade auf Strecken wie Monaco würde dies das Qualifying zu einer Lotterie machen. Schreibt man aber keine Mindestanzahl an Runden vor, würde das alte Problem wieder auftreten, dass in den ersten Minuten keiner der Top-Fahrer auf die Strecke gehen würde - mit ein Grund, warum man das Einzelzeitfahren eingeführt hat.

Minardi kämpft um das Einzelzeitfahren

Es waren die Teams gewesen, die das Einzelzeitfahren gefordert hatten. Minardi-Teamchef Paul Stoddart war der stärkste Befürworter. Er konnte so sicherstellen, dass zumindest im Qualifying sein Team die gleiche "On-Air-Zeit" erhält wie die Top-Teams - was für die Sponsoren von großer Bedeutung ist. Kein Wunder also, dass der Australier sich vehement dagegen wehrt, das Einzelzeitfahren wieder abzuschaffen. Warum also nicht das Einzelzeitfahren einfach mit frei wählbarer Spritmenge durchführen, werden nun einige fragen.

Aus einigen Teams sind kritische Worte zu hören, weil nun plötzlich die Autos mit wenig Sprit an Bord auf Zeitenjagd gehen sollen. Darauf seien die Autos über den Winter nicht ausgelegt worden. Das Paket sei optimiert worden, um mit relativ viel Sprit das Maximum herauszuholen.

Die große Spannung ist ausgeblieben

Auch war das Einzelzeitfahren eingeführt worden, um abwechslungsreichere Rennen zu schaffen. Nicht immer steht der schnellste Fahrer vorne, ein Ausrutscher oder Problem kann dazu führen, dass ein Top-Fahrer ganz hinten landet und sich durch das Feld nach vorne kämpfen muss. Ob solche Probleme, die im Extremfall durch schwankende Wetterbedingungen herbeigeführt werden können, im Sinne des Sports sind, sei dahingestellt.

Hilft es dem Sport, wenn die Fahrer mit ähnlicher Benzinmenge fahren und mehrere Versuche zur Verfügung haben? Es ist klar, dass in diesem Fall statistisch gesehen die Startaufstellung eher der Zielankunft entspricht, was für langweiligere Rennen sorgen wird.

Die Computer denken bei allen Teams ähnlich

Bis auf wenige Ausnahmen fahren aber schon jetzt die meisten Autos mit der gleichen Benzinmenge im Qualifying, weil die Computer in ihren Simulationen den Teams dieselbe Spritmenge als bester Kompromiss aus Schnelligkeit im Qualifying und Benzinmenge für den Rennstart vorschlagen: "Ich denke, dass der Sport aus diesem Grund durch diese Regelung nicht dramatisch verbessert wurde", so McLaren-Teamchef Ron Dennis. "Das Qualifying hat dadurch einen beträchtlichen Schaden genommen."

Erneute Änderungen für 2005 nicht ausgeschlossen

Dennis warnt vor voreiligen Entscheidungen: "Bevor wir etwas unternehmen, müssen wir alle Auswirkungen genau unter die Lupe nehmen." Was ist zum Beispiel, wenn ein Fahrer in der ersten Session mit Problemen auf der Strecke stehen bleibt? "Dann darf er nicht mehr an der Zweiten teilnehmen und startet von hinten", so der Brite. "Das sind genau diese Dinge, bei denen wir uns sicher sein müssen, dass sie klar durchdacht sind."

Dennoch ist es in den Augen des Teamchefs wichtig, so schnell wie möglich die Veränderungen zu verabschieden: "Denn dann haben wir noch Zeit, uns weitere Veränderungen für das kommende Jahr durch den Kopf gehen zu lassen, sollte dies notwendig sein." Für die Formel-1-Fans, die nicht jedes Rennen verfolgen, wäre es aber auch hilfreich, würde ich das Qualifying-Format der Formel 1 nicht ständig ändern...