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Crash Verstappen vs. Hamilton: So sehen es die anderen Fahrer

Fernando Alonso, Daniel Ricciardo und Timo Glock erklären, wie sie die Kollision in Silverstone aus Fahrersicht bewerten, und haben in einem Punkt Übersteinstimmung

(Motorsport-Total.com) - Zur Schuldfrage in Bezug auf die Kollision zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton hat fast jeder eine Meinung. So natürlich auch die Fahrerkollegen der beiden. Und genau wie unter den Fans gehen auch unter den Formel-1-Piloten die Einschätzungen auseinander. Einigkeit besteht nur in einem Punkt: Mit Absicht hat den Crash sicher niemand provoziert.

Fernando Alonso, Lewis Hamilton

Fernando Alonso findet, dass sich Lewis Hamilton nicht in Luft auflösen konnte Zoom

Der Unfall sei von außen "schwierig" zu bewerten, findet etwa Fernando Alonso: "Es war so knapp. Ich finde aber, Lewis hatte mehr als die halbe Fahrzeuglänge neben Max. So gesehen konnte er sich auf der Innenlinie nicht einfach in Luft auflösen. Insofern finde ich, dass es einfach eine unglückliche Situation war - aber ganz sicher keine Absicht."

Daniel Ricciardo sieht's ähnlich: "Es war ein echt hässlicher Ausgang, und das bei hoher Geschwindigkeit. Da braucht's nicht viel für einen großen Crash. Wenn du nebeneinander in so eine schnelle Kurve reinfährst, dann verlieren beide Anpressdruck. Ganz besonders Lewis, in der 'dirty Air' von Max."

"Aber man muss auch sagen: Sie sind beide ziemlich heißblütig da reingestochen, und Lewis war unterm Strich vielleicht ein bisschen zu ambitioniert für das Maß an Grip, das er zu dem Zeitpunkt hatte. Man konnte sehen, dass er in Max reingedriftet ist. Sicherlich ohne böse Absicht, aber das ist einfach die Natur der Aerodynamik dieser Autos. Da musst du ein bisschen mehr Spielraum lassen."

Ricciardo sieht's gelassen: "That's Racing"

"Ich werde mich sicher nicht aufspielen und sagen, was sie anders hätten machen sollen. Sie geben sich's schon das ganze Jahr ziemlich. Jetzt hat's halt leider mal gekracht. Das wollten, denke ich, beide nicht. Das Wichtigste ist, dass es Max gut geht. Aber sowas kann halt passieren, in der ersten Runde, mit kalten Reifen, viel Benzin. That's Racing", sagt der McLaren-Fahrer.


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Und so ist das salomonische Urteil der meisten Fahrerkollegen, dass "immer zwei dazugehören", wie es auch Timo Glock in der Formel-1-Analyse bei 'Sky' formuliert. Zwar sehe er die Schuld "60:40" bei Hamilton, "weil ich der Meinung bin, er hatte innen mehr Platz, wie er es bei Charles Leclerc gemacht hat".

"Aber man kann es hin und her drehen, wie man will: Max hätte ihm auch mehr Raum geben können. Die Frage ist, ob er ihn im Spiegel da so hat sehen können in dem Winkel. Er weiß, dass er da ist, aber in meinen Augen - immer wieder, wenn ich mir die Onboard angucke -, diese zwei Meter, die Lewis weiter innen hätte fahren können, das hat er in dem Moment falsch eingeschätzt."

"Natürlich: Die Kurve wird da deutlich enger, und er hat es in der Hand gehabt, zurückzuziehen oder nicht. Und deswegen hätte er in meinen Augen den Unfall vermeiden können, hätte er das Auto anders platziert und die Situation anders eingeschätzt. Deswegen, glaube ich, war das einfach eine Fehleinschätzung."

Glock: Womöglich wurde Verstappen überrascht

Für den ehemaligen Formel-1-Piloten ist auch vorstellbar, dass Verstappen in der Kurve einfach nicht mit einer Attacke gerechnet hat: "Es ist einfach keine typische Überholkurve. Außer du hast ein überlegenes Auto und kommst vorher aus der Ecke viel, viel besser raus. So ähnlich wie es zwischen Leclerc und Hamilton dann war."


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"Aber normalerweise ist das eine Kurve, wo es schwierig ist zu überholen. Wir haben es gesehen im Sprintrennen: Hamiltons Plan war ganz klar, bis Copse vorbei zu sein. Das hat er im Sprintrennen versucht, ging nicht, dann hing er hinten dran und hat keine Chance gehabt, den Red Bull zu überholen."

"Und ich denke, da war ihm einfach klar, dass er es in dem Moment machen muss, und hat alles drangesetzt, ist das volle Risiko gegangen und hat dadurch den Unfall dann verursacht. Weil er wusste: Wenn er hinter Verstappen auf der ersten Kurve zurückkommt, dann ist der Zug abgefahren", analysiert Glock.

Das FIA-Diagramm, das seit der Veröffentlichung bei 'Motorsport-Total.com' am Montag in aller Munde ist, hinterfragt Glock: "Das ist bei den Geschwindigkeiten in der Kurve nicht einzuschätzen. Wie soll Verstappen das sehen, dass Hamilton sozusagen auf Augenhöhe ist? Das sind zwei, die um die WM fahren. Da gibt keiner dem anderen irgendein Vorfahrtsrecht."

Der heutige DTM-Fahrer meint: "Wenn du die ganzen Vorfälle am Red-Bull-Ring siehst und dann den Unfall zwischen Hamilton und Verstappen, dann sind zehn Sekunden in meinen Augen nicht die richtige Strafe. Da werden zu viele unterschiedliche Unfälle über einen Kamm geschert. Das ist in meinen Augen nicht richtig. Da hätte es schon eine härtere Strafe geben müssen."

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