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Coulthard & Berger: Warum Dennis für McLaren der Richtige ist

Gerhard Berger galt als potenzieller Nachfolger von McLaren-Boss Ron Dennis: Jetzt stellt er sich hinter den Briten - Und bekommt Rückendeckung von David Coulthard

(Motorsport-Total.com) - Bei McLaren wird es ernst: Am morgigen Donnerstag wird der brandneue MP4-30 aus der Feder von Peter Prodromou präsentiert, der die einstige Erfolgstruppe mit Fernando Alonso und Honda wieder ganz nach oben bringen soll. Ein hehres Ziel, zumal der erste Test mit dem japanischen Antriebsstrang völlig danebenging: An zwei Tagen in Abu Dhabi gelang keine einzige Rundenzeit.

Ron Dennis

Regierte wie eh und je mit harter Hand: McLaren-Boss Ron Dennis Zoom

Ist es also Zweickoptimismus, der derzeit in Woking vorherrscht? Vielleicht, denn seit Ron Dennis' Comeback als Boss bei den Formel-1-Rennen wurde zwar hinter den Kulissen kräftig umgerührt, auf der Rennstrecke ließ sich aber noch kein gravierender Aufwärtstrend feststellen. Und auch der seit einem Jahr versprochene Hauptsonsor lässt weiter auf sich warten - das beweisen die blütenweißen Overalls mit nur wenigen Aufnähern, die die Piloten auf den aktuellen Fotos tragen. Sogar die spanische Santander-Bank und Langzeit-Sponsor Hugo Boss vermisste man da.

Gerüchten zufolge soll der neue MP4-30 nicht - wie in vielen Fanforen diskutiert - orange oder weiß-rot werden, sondern vorerst in schlichtem Schwarz das Licht der Welt erblicken. Eine weitere Übergangslackierung als Symbol für die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit?

Berger und Coulthard von Dennis beeindruckt

Nicht wenn es nach Experten und McLaren-Kennern wie Gerhard Berger oder David Coulthard geht. Der Österreicher bricht gegenüber 'auto motor und sport' eine Lanze für McLaren-Boss Dennis - und das, obwohl er sogar als dessen Nachfolger im Gespräch war.

David Coulthard, Gerhard Berger

David Coulthard und Gerhard Berger fuhren jahrelang unter Dennis für McLaren Zoom

Er versetzt sich in die Lage der Anteilseigner Mansour Ojeh und Mumtalakat - die bahrainische Staatsholding -, denen Dennis einen Investor versprochen hat: "Wen sollen sie nehmen? Ron ist vielleicht nicht mehr ihr Freund, aber er kennt sich in der Szene aus wie kein Zweiter. Dass er Alonso zu McLaren gelockt hat, war eine starke Nummer."

Und auch Coulthard schlägt gegenüber 'Reuters' in die gleiche Kerbe: "Es dauert eben, wenn man den alten Supertanker McLaren wieder auf Kurs bringen will, aber man ist selber schuld, wenn man Ron unterschätzt." Er traut der einstigen Erfolgsallianz McLaren-Honda schon 2015 Siege zu: "Mercedes wird wahrscheinlich immer noch dominieren, aber Red Bull, Ferrari und diese Teams müssen näher dran sein - McLaren muss dort dabei sein."

Coulthard: McLaren-Honda wird 2015 siegen

Auch Honda genießt Coulthards Vertrauen: "Als Unternehmen, das bereits Weltmeistermotoren gebaut hat und die Turbotechnologie von den IndyCars kennt, müssen sie zumindest dort sein, wo Renault und Ferrari sind. Und für Renault hat das im Vorjahr gereicht, um drei Grands Prix zu gewinnen." Den Titelkampf traut der Schotte McLaren-Honda allerdings nicht zu.

Die Rückkehr Alonsos zu seinem Ex-Team, mit dem er lange zerstritten war, hält Coulthard für eine Zweckehe - trotz der Fotos von der Präsentation, als sich Dennis und der Spanier herzten: "Von diesen Kuschelfotos lässt sich eh niemand täuschen, oder?" Da Jenson Button für Coulthard "eine sichere Bank" ist, müsste schon "irgendetwas grundsätzlich nicht stimmen, wenn die Erfolge ausbleiben".

Woking: Dennis' gigantische Expansionspläne

Das McLaren-Production-Center (li.) soll in Zukunft doppelt so groß werden Zoom

Ganz unabhängig von den sportlichen Erfolgen ist Dennis in Woking wieder einmal auf Expansionskurs: Der Brite ließ Anfang des neuen Jahrtausends das gigantische McLaren-Technology-Center bauen, das vom britischen Stararchitekten Norman Foster designt wurde. Danach folgte das McLaren-Production-Center, in dem die Luxussportwägen hergestellt werden.

Und jetzt hat McLaren bei den britischen Behördern um die Baugenehmigung für ein Applied-Science-Center (Zentrum für angewandte Wissenschaft, Anm. d. Red.) auf einem Baugrund von 57.000 Quadratmetern angesucht - inklusive Abteilung für aerodynamische Forschungen, Werkstätten, einen Bereich für Forschung und Entwicklung, Büros, Besprechungsräume, zwei Parkdecks und einen Hubschrauber-Landeplatz. Die Anlage für die Serienautos wäre damit fast doppelt so groß - die erforderlichen Bewegungen des Erdreichs sorgen derzeit für Unmut bei den Anrainern. Boss Dennis hat derzeit also an mehreren Fronten ordentlich zu tun.