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Charlie Whiting: Neue Regelversion für 2019 nach Kanada

Warum das Reglement für 2019 nachgebessert werden muss, in welchen Bereichen es Änderungen gibt und was passiert, wenn bei der Abstimmung nicht alle mitziehen

(Motorsport-Total.com) - Eigentlich steht das Reglement für die kommende Saison. Doch es wurde kurzfristig zusammengekleistert, weil die FIA nur bis Ende Mai Zeit hatte, es mit einer simplen Mehrheit in der Formel-1-Kommission durchzubringen. "Die Regeln wurden veröffentlicht, aber sie sind noch nicht aufgeräumt", erklärt FIA-Rennleiter Charlie Whiting das Problem. "Daran arbeiten wir."

Niki Lauda, Helmut Marko, Charlie Whiting

Charlie Whiting: Stimmen die Teams dem nachgebesserten Reglement für 2019 zu? Zoom

Spätestens heute Dienstag sollen die Teams eine neue Version des Reglements erhalten. "Ein paar Teams haben uns auf Dinge hingewiesen", nennt Whiting den Grund für die Überarbeitung. "Wir werden sehen, ob jetzt alle damit zufrieden sind." Konkret geht es darum, in welchen Bereichen Karosserieteile erlaubt sind und wo nicht. All das wird im Reglementtext mit Kästchen definiert.

"Aber einige überlappen einander", erklärt Renault-Technikchef Bob Bell das Problem. "Und wenn man die eine anpasst, dann hat das unbeabsichtigte Konsequenzen für die andere. Man kann diese Reglementteile nicht isoliert lesen. Man muss sich überlegen: Wie wirken sich die Änderungen in diesem Bereich auf den anderen aus."

Der Brite, dessen Rennstall gegen die Änderungen für 2019 stimmte, übt weiter Kritik. "So wies es jetzt ist, ist es nicht ideal, denn es sorgt bei der Interpretation für Schwierigkeiten. Das müssen wir ausbügeln und diese Ungewissheit beseitigen." Laut Force-India-Technikchef Andy Green, ein Befürworter der Änderungen, handelt es sich sogar um "Schlupflöcher".

Konkret gehe es darum, dass nun eine Interpretation möglich sei, die nicht "dem Geist des Reglements" entspreche. "Aber die Schlupflöcher wurden gefunden, und jetzt werden wir sehen, wer bei den Änderungen zustimmt. So können wir sie noch schließen."

Laut Whiting sind nicht nur die Änderungen beim Frontflügel im Fokus der Änderungen, sondern auch die der Bremsenbelüftungen, die nicht mehr für aerodynamische Zwecke missbraucht werden dürfen. "Das Hauptthema ist, dass wir bei den vorderen Belüftungen das gleiche Prinzip anwenden sollten wie bei den hinteren Belüftungen", erklärt der Brite. "Wir haben das jetzt so korrigiert, weil einige Teams unglücklich waren."

Die Abänderungen müssen nun im Gegensatz zur Erstversion tatsächlich einstimmig abgesegnet werden. Ob das in der Formel 1 überhaupt möglich ist, zumal einige Teams keine großen Befürworter der Regelnovelle sind? "Ich bin sicher, dass wir das am Ende hinkriegen", meint Whiting, der auch einen Plan B in der Tasche hat.

"Wenn wir bei der neuen Version keine Einigung erzielen, dann wird es eine Reihe von technischen Richtlinien geben, die einige Aspekte, die für manche unklar sind, klarstellen werden", sagt Whiting. Das wäre allerdings eine "sehr unsaubere Lösung, und ich denke, dass alle ein klares Reglement bevorzugen würden."

Aber haben die Unklarheiten die Teams bei ihren Vorbereitungen für die kommende Saison behindert? "Wir kennen die Essenz der Regeln", verneint Force-India-Technikchef Green. "Wir wissen genug, um das nächstjährige Auto entwickeln zu können. Es gibt ein paar kleine Details, die noch aussortiert werden. Aber das sind wirklich Kleinigkeiten. Wir haben 95 Prozent von dem, was wir brauchen."

Reglement bietet kaum Spielraum

Williams-Technikchef Paddy Lowe stimmt seinem Landsmann zu: "Ich glaube, in einer Woche wird alles finalisiert sein." Die Gefahr, dass das Reglement generell viel Raum für Interpretation bietet und damit die Ziele, durch einen vereinfachten Frontflügel das Überholen zu erleichtern, nicht erreicht werden, sieht Green nicht.

"Die Restriktionen beim Frontflügel und bei den vorderen Bremsbelüftungen sind jetzt so massiv, dass es wirklich schwierig sein wird, in diesen Bereichen die Charakteristik des Autos zu verändern", erkennt der Brite keinen Weg, die Luft doch irgendwie innen an den Vorderrädern vorbeizuleiten. "Zumindest sieht es nach unserem Wissensstand ganz klar so aus."

Kostenfrage polarisiert weiter

Nur bei den Kosten scheiden sich nach wie vor die Geister. "Dieses Reglement ist ein ziemlich großer Neustart, das wird keine Evolution", rechnet Renault-Technikchef Bell damit, dass mehr Geld und mehr Ressourcen in die Entwicklung gesteckt werden müssen. "Und Dinge, die überhastet durchgeboxt werden, und am Anfang nicht durchdacht waren, kosten generell viel Geld."

Green, dessen Force-India-Rennstall über ein deutlich kleineres Budget verfügt als die Werkstruppe, hält allerdings dagegen: "Wir hätten doch das aktuelle Auto auch weiterentwickelt, wenn das Reglement gleich geblieben wäre. Und da wäre auch ein neuer Frontflügel entwickelt worden. Das passiert jetzt auch - aber auf Basis eines anderen Reglements. Was die Ressourcen angeht, ist das also keine massive Veränderung."

Außerdem sieht er eine Gelegenheit, nun Erfahrungswerte für die nächste große Reglementrevolution im Jahr 2021 zu sammeln, die ebenfalls eine Erleichterung beim Überholen anpeilt. "Und so wissen wir vor 2021, was funktioniert und was nicht", sieht Green einen grundlegenden Vorteil. "Dann haben wir eine bessere Ausgangsposition und haben eine Idee, wohin wir gehen sollen."

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