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Caterham und Marussia insolvent: Kommt das dritte Auto?

So wenige Autos wie in Austin gab es zuletzt vor mehr als neun Jahren bei einem Grand Prix: Fahrer sprechen über Ideen, das Feld wieder wachsen zu lassen

(Motorsport-Total.com) - Wenn am Sonntag um 14:00 Uhr das Rot der Startampel auf dem Circuit of The Americas in Austin erlischt, werden nur 18 Autos den Grand Prix der USA unter die Räder nehmen. Die Insolvenz der Teams Caterham und Marussia ist der Grund für das kleinste Feld seit dem Grand Prix von Monaco 2005. Damals traten im Fürstentum ebenfalls nur 18 Boliden zum Rennen an. Grund war das Startverbot des BAR-Teams infolge eines Regelverstoßes beim Grand Prix von San Marino.

Red Bull

Bereiten die Topteams wie Red Bull bald drei Autos für ein Rennen vor? Zoom

Diesmal sind die Finanzen der Grund. Auch die vom Fernbleiben der Teams Caterham und Marussia nicht direkt betroffenen Fahrer nehmen diese Entwicklung mit Sorge zur Kenntnis. "Das ist natürlich weder gut noch schön, sondern einfach traurig. Ich denke dabei nicht nur an die Fahrer dieser Teams, sondern auch an die Teammitglieder wie Mechaniker", sagt Ferrari-Pilot Fernando Alonso.

Nico Rosberg pflichtet ihm bei: "Es ist schlecht für diejenigen, die bei Marussia und Caterham arbeiten. Das ist die Hauptsache, und für sie ist es extrem hart. Ich will auf jeden Fall, dass sie ihren Lohn bekommen", meint der Mercedes-Pilot. Wie wichtig die Hinterbänkler für den Sport tatsächlich sind, sei schwierig zu sagen: "Sportlich gesehen ist es natürlich schade für die Fans, aber solche Dinge geschehen", so Rosberg.

Kollege Alonso muss jedoch zugeben, derzeit kein Rezept parat zu haben, wie man das Teamsterben aufhalten könnte. "Ich weiß nicht, was man konkret unternehmen könnte, aber eines ist klar: Wir müssen uns etwas einfallen lassen. Jahr für Jahr verschwinden ein oder zwei Teams. Das zeigt doch, dass irgendetwas an dem System nicht stimmt", so Alonso mit Blick auf die Formel 1 anno 2014.

Fahrer hätten nichts gegen Drei-Auto-Teams

"Ich denke, es gibt für jedes Problem eine Lösung. Es ist nur die Frage, wann diese kommt", sagt Sauber-Pilot Adrian Sutil und fordert: "Diese Situation muss nun richtig analysiert werden." Eine - zumindest auf dem Papier - mögliche Lösung wäre der Einsatz eines drittes Autos in Reihen der großen Teams.

"Ich kann an einem zusätzlichen Teamkollegen nichts Negatives erkennen." Daniel Ricciardo

"Ich denke, dass wir uns sicherlich mit dem Gedanken befassen würden, sollte das von uns erwartet werden", meint Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, betont, dass er "an einem zusätzlichen Teamkollegen nichts Negatives" erkennen kann und erinnert sich seine Zeit in der Formel Renault, als er "zeitweise bis zu sechs Teamkollegen" hatte. "Die Teambesprechungen hatten damals eher etwas von Schulunterricht", grinst der Australier.

"Ein volles Feld will doch jeder sehen. Klar sind einige Autos nicht so schnell wie andere, aber für das Spektakel kann ein volles Feld nur gut sein", spricht Ricciardo im Namen der Fans und denkt wehmütig noch einmal an seine Zeit in der Formel Renault zurück: "2008 hatten wir 40 Autos auf der Meldeliste. Man musste sich qualifizieren, um überhaupt den Sprung ins Starterfeld zu schaffen." Auch für Williams-Pilot Valtteri Bottas gilt laut eigener Aussage die Devise "Je mehr, desto besser".


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"Ich finde, wir alle müssen Sorge tragen, dass es dem Sport gut geht", betont Force-India-Pilot Sergio Perez in diesem Zusammenhang und fügt hinzu: "Dass Caterham und Marussia an diesem Wochenende nicht dabei sein werden, ist einfach nur schade." Ricciardo stimmt zu und denkt bereits einen Schritt weiter: "Es wäre ein Schande, sollten diese Teams nicht mehr zurückkehren."

Auch Ricciardos Teamkollege Sebastian Vettel hält fest: "Die Anzahl der Autos geht sukzessive zurück. Das ist keine schöne Entwicklung." Mit Blick auf die Idee, ein drittes Auto an den Start zu bringen, merkt der entthronte Weltmeister an: "In der Formel 1 waren es seit vielen Jahren immer zwei Autos pro Team. Man muss schon weit zurückblicken, um die Zeiten zu entdecken, in denen das mal anders war."

"Es ist egal, wie viele Teamkollegen man hat." Sebastian Vettel

"Wir sind an zwei Autos gewöhnt. Ich wäre schon etwas irritiert, wenn es im kommenden Jahr oder im Jahr darauf plötzlich drei wären", meint Vettel aus Fansicht. Als Fahrer mache es für ihn aber keinen Unterschied. "Es ist egal, wie viele Teamkollegen man hat", so der designierte Ferrari-Pilot.

Neues Motorenreglement als Ursache für Teamsterben?

Während die Fahrer der Topteams der Idee eines dritten Autos grundsätzlich positiv gegenüber stehen, hofft Sauber-Pilot Sutil auf eine Rückkehr von Caterham und Marussia. "Ich hoffe, dass wir die Teams bald wiedersehen und vielleicht ja sogar noch mehr. Wir brauchen hier in der Formel 1 die Topteams, aber auch die kleinen."

"Wir brauchen uns gegenseitig", betont Sutil, kann über die Gründe für die Insolvenz der beiden kleinsten Teams im 2014er-Feld aber nur spekulieren. "Ich denke, wir sollten dies als starkes Signal verstehen und begreifen, was hier vor sich geht. Die Frage ist: Was läuft hier falsch?", so der Sauber-Pilot fragend. Ex-FIA-Präsident Max Mosley glaubt, den Grund zu kennen.

Derweil sieht Vettel die Hauptursache für die Pleite von Caterham und Marussia nicht in der Verteilung der Gelder an die Teams, sondern im technischen Reglement: "Es ist schon schlimm zu sehen, dass es Teams nicht bis zum Saisonende schaffen. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass es mich nicht sonderlich überrascht", sagt der viermalige Weltmeister.

"Seit Jahren sehen wir, dass es für die kleinen Teams extrem schwierig ist, das nötige Budget zusammen zu bekommen. Das gilt vor allem für dieses Jahr, wo die Kosten aufgrund neuer Regeln noch einmal höher geworden sind. Das hat es letztlich dann wohl zu schwierig gemacht. Es ist schockierend, sie hier nicht zu sehen, aber leider ist es keine Überraschung", so Vettel.

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