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Carlos Sainz: "Wechsel in ein Top-Team eine Frage der Zeit"

Der Spanier fühlt sich bereit für höhere Aufgaben und glaubt an seine Red-Bull-Chance - Alternativen Ferrari oder drittes Jahr bei Toro Rosso?

(Motorsport-Total.com) - Nico Rosberg, Kimi Räikkönen und Jenson Button sind derzeit die am häufigsten genannten Namen in der beginnenden Silly Season in der Formel 1. Bei allen ist noch unklar, ob sie in der nächsten Saison noch bei ihrem aktuellen Team sein werden. Bei Räikkönen und Button steht sogar die Frage im Raum, ob es überhaupt noch eine Formel-1-Zukunft für sie gibt. Denn hinter den Routiniers scharrt eine Vielzahl junger Fahrer ungeduldig mit den Hufen und will einen Platz in einem der Top-Teams.

Carlos Sainz

Carlos Sainz will in der Red-Bull-Familie bleiben, am liebsten natürlich beim A-Team Zoom

Einer von ihnen ist Carlos Sainz, der im April zusehen musste, wie sein Toro-Rosso-Teamkollege Max Verstappen ins Red-Bull-Cockpit befördert wurde. Sainz machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl und gab offen zu, er habe sich gewünscht, an der Stelle des 18-Jährigen zu sein. Trotz seiner Wut gelang ihm bei seinem Heim-Grand-Prix in Barcelona aber ein Befreiungsschlag: Nach einem durchwachsenen Saisonauftakt fuhr er beim Spanien-Rennen auf Platz sechs und sorgte mit einer tollen ersten Runde, die ihn von Startplatz acht bis auf Rang drei brachte, für Aufsehen.

Weil er auch in den folgenden Grands Prix in die Punkteränge fuhr, hat der 21-Jährige inzwischen wieder Oberwasser. Er glaubt fest an seine Chance auf ein Top-Cockpit und sagt voller Selbstbewusstsein: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich in ein Top-Team wechsle. Wenn ich so weiter mache, wird meine Chance kommen." Der Spanier begründet seinen Optimismus mit seinen jüngsten Leistungen und ist mit sich selbst im Reinen. "Ich fühle mich gut, die Tendenz stimmt. Barcelona war eines der besten Rennen meiner Karriere."

Sainz fühlt sich bereit, Tost hegt Zweifel

Der Sohn von Rallye-Legende Carlos Sainz sen. sieht sich bereit, um Siege und den Weltmeister-Titel zu kämpfen. An seinen Fähigkeiten zweifelt auch sein aktueller Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost nicht: "Wenn er zur richtigen Zeit im richtigen Team ist, dann kann er Rennen gewinnen. Und wenn er Rennen gewinnen kann, dann kann er auch den Titel holen", bestätigt Tost im Interview mit dem englischen TV-Sender 'Sky'.

"Wenn er alles zusammenbekommt, dann kann er sehr schnell sein." Toro-Rosso-Chef Franz Tost über Sainz

Ob der Zeitpunkt aber jetzt schon gekommen ist, daran scheint der Österreicher noch leichte Zweifel zu hegen, wie er bei 'formula1.com' durchblicken lässt: "Wenn er alles zusammenbekommt, dann kann er sehr schnell sein und Punkte holen. Er hat große Fähigkeiten - und Red Bull kann sich glücklich schätzen, gleich vier so talentierte Fahrer zu besitzen. Ich würde sogar sagen, dass alle vier im kommenden Jahr in der Lage sein werden, Rennen zu gewinnen."

Tost ist der Meinung, dass Sainz und sein Toro-Rosso-Kollege Daniil Kwjat noch weitere Erfahrungen sammeln müssten. "Warum sage ich nächstes Jahr? Weil ich glaube, dass der ein oder andere noch dazulernen muss. Speziell natürlich Daniil und Carlos - aber kommendes Jahr sollten sie alles haben, was es braucht." Während Tost also noch an der Reife des 21-Jährigen zweifelt, sieht der es naturgemäß ganz anders und betont: "Immer wenn ich mit den Red-Bull-Leuten spreche, sagen sie, dass sie sehr zufrieden mit mir sind."

Alain Prost über Sainz: Warum nicht zu Ferrari?

Abgesehen von seinen Fähigkeiten drängt sich aber noch eine andere Frage auf: Kann sich beim A-Team von Red Bull mittelfristig überhaupt eine Tür öffnen, durch die Sainz hindurchgehen könnte? Zuletzt betonten Christian Horner und Helmut Marko immer wieder, mit ihren Piloten Daniel Ricciardo und Verstappen langfristige Verträge zu besitzen. Beide scheinen bis zur Saison 2018 an das Team aus Milton Keynes gebunden. Zwar gibt es um Ricciardo immer wieder Ferrari-Gerüchte - doch wenn nichts Spektakuläres passiert, ist der Weg für Sainz ins A-Team verschlossen.

Einen möglichen Ausweg aus der Sackgasse bringt überraschend Ex-Weltmeister Alain Prost ins Spiel. Der 61-Jährige empfiehlt den Spanier seinem Ex-Team Ferrari als Nachfolger von Räikkönen. "Es ist immer eine Frage der Balance und wer gut zu Sebastian Vettel passen würde, aber ich würde Sainz wählen", so der Franzose zu 'Minute-Auto.fr'. "Ich würde gerne sehen, wie er sich in einem Top-Team entwickelt."


Fotos: Carlos Sainz, Großer Preis von Kanada


Muss Sainz also die Red-Bull-Familie verlassen und sein Glück in der Ferne finden? Zuletzt gab es immer wieder Gerüchte, dass sein Vater und seine Berater den Markt sondieren und mit anderen Teams sprechen. "Ich wäre enttäuscht, wenn sie das nicht tun würden. In der Formel 1 musst du dich immer nach Möglichkeiten und den besten Chancen umsehen. Aber Carlos hat einen Vertrag mit Red Bull und ich glaube nicht, dass sie ihn gehen lassen. Sie haben viel Zeit und Geld in ihn investiert und er ist ein sehr guter Pilot. Deshalb glaube ich, dass sie ihn behalten wollen", gibt sich Tost gelassen.

Realistisches Szenario: Drittes Jahr bei Toro Rosso

Auch Sainz scheint sich noch nicht wirklich mit dem Gedanken angefreundet haben, seine Karriere ohne seine langjährigen Förderer fortzusetzen. "Ich sehe meine Zukunft mit Red Bull. Mein erstes Ziel ist es, für sie um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Klar spricht jeder über Ferrari und Mercedes, aber meine erste Weltmeisterschaft würde ich gerne mit Red Bull gewinnen, weil sie so viel für mich getan haben", schmiert der Spanier seinen Chefs ordentlich Honig um den Mund.

Carlos Sainz, Daniil Kwjat

Oberste Priorität für Sainz ist aktuell, Toro-Rosso-Kollege Kwjat (r.) zu schlagen Zoom

Das realistischste Szenario ist wohl, dass sich der 21-Jährige noch weiter in Geduld üben muss. Bleibt Ricciardo bei Red Bull, könnte Sainz sich eine weitere Saison bei Toro Rosso beweisen. "Es ist viel zu früh, um Aussagen zu treffen - aber ich hätte nichts dagegen, wenn wir unsere jetzigen Fahrer behalten würden", baut Teamchef Tost dem Spanier eine Brücke. "Es ist kein geschriebenes Gesetz, dass Toro Rosso immer dem Zweijahres-Prinzip folgen muss." In den vergangenen Jahren tauschte das Team stets mindestens nach zwei Jahren seine Piloten - entweder wurden sie befördert, oder ihre Formel-1-Karriere beendet.

"Sollte einer unserer aktuellen Fahrer gehen wollen, wäre Pierre Gasly die einzige Nachfolge-Option", bestätigt Tost. Am liebsten würde der Österreicher aber mit Sainz weitermachen, wie er betont: "Wir hoffen, kommende Saison einen Sprung nach vorne zu machen, sodass er nicht zu Red Bull wechseln muss. Nächstes Jahr werden unsere Synergien noch mehr werden, wir wollen uns angleichen." Mit dieser Lösung könnte dann wohl auch der Spanier leben, wenngleich er lieber heute als morgen ins Top-Team wechseln würde. Aber: "Toro Rosso ist auch kein schlechter Platz. Mit dem neuen Renault-Antrieb für 2017 sieht es so aus, als könnten sie ein gutes Paket haben."

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