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"Brutaler Weckruf": McLaren übt erstmals Selbstkritik

Teamchef Zak Brown exklusiv: Bis wann das "Matrix-Management" abgeschafft wird und warum McLaren in den vergangenen Jahren so abgestürzt ist

(Motorsport-Total.com) - McLaren-Teamchef Zak Brown gesteht erstmals in aller Offenheit ein, dass es unfair war, wie Honda in der Vergangenheit für praktisch alles Negative, was McLaren durchmachen musste, verantwortlich gemacht wurde. Und er gibt zu, dass der MCL33, von dem man sich dank Renault-Power 2018 eigentlich die große Trendwende erhofft hatte, ein Flop ist.

Zak Brown

Teamchef Zak Brown glaubt zu wissen, wo der Hund begraben liegt Zoom

"Wir werden dieses Auto noch weiterentwickeln, aber leider haben wir ein extrem schlechtes Rennauto produziert, das nicht auf Änderungen reagiert. Ein Hinweis, dass es kein gutes Rennauto ist", sagt Brown. "Ich rechne leider damit, dass die Ergebnisse in den nächsten Rennen auch nicht besser werden, vielleicht mit ein paar streckenspezifischen Abweichungen. Aber ich erwarte jedenfalls keine Wunder."

Beim Saisonauftakt in Melbourne, damals noch unter Rennleiter Eric Boullier (inzwischen durch Gil de Ferran ersetzt), hatte McLaren die Plätze fünf und neun erzielt. Nach dem Rennen zeigte man sich zufrieden mit dem soliden Ergebnis, kündigte aber an, dass es von nun an nur aufwärts gehen könne. Fernando Alonso meinte sogar, Melbourne werde das schlechteste Rennwochenende der Saison bleiben. Tatsache ist: So gut wie in Melbourne war McLaren seither nie mehr.

"Andere Teams haben schneller weiterentwickelt als wir", räumt Brown ein. "Es kommt einem so vor, als bewege man sich rückwärts. Die Wahrheit ist: Die anderen sind besser geworden, und wenn du selbst stehen bleibst, fällst du zurück. Wir wussten, dass Strecken wie Spa und Monza unser Tiefpunkt sein würden, und das hat sich bestätigt. Trotzdem stellen wir die Weiterentwicklung nicht ein, weil wir unsere Probleme verstehen müssen und lösen wollen."

Ständiger Wechsel im Management

Die Krise des McLaren-Teams insgesamt ist freilich viel weitreichender als nur auf das aktuelle Auto bezogen. Brown macht eine gewisse Führungslosigkeit in der Vergangenheit als entscheidenden Faktor aus: "Seit - das Jahr ist beliebig wählbar - 2010, 2011, 2012 hatten wir eine ständig wechselnde Führung. Ron raus, Ron wieder da, Martin raus, Martin wieder da, Jost rein, Jost raus, und das alles auf höchstem Level. Da hat einfach Führung gefehlt."

In der Tat liest sich die Liste an Führungspersönlichkeiten, die inzwischen nicht mehr für McLaren tätig sind, lang: Ron Dennis, Martin Whitmarsh, Jost Capito und Eric Boullier waren die prominentesten. Auf technischer Ebene fallen einem sofort Paddy Lowe ein, der danach mit Mercedes höchst erfolgreich war, oder gerade kürzlich Matt Morris.

"Ob es nun ein Formel-1-Team ist oder ein Unternehmen für Wasseraufbereitung, aber keine Organisation kann erfolgreich sein, wenn es an Stabilität mangelt", erklärt Brown im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Dadurch hat es an Klarheit gefehlt und an Führung, bis hinein ins Rennteam. Es gab Rennleiter und Geschäftsführer, Jost und Eric, und eine Struktur, die einfach nicht richtig war."


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Brown spielt damit auf das sogenannte "Matrix-Management" an, eine Organisationsstruktur, die einst von Ron Dennis eingeführt wurde und nun abgeschafft wird. Es sollen wieder vermehrt Einzelpersonen Verantwortung übernehmen. "Weil es keine Führung gegeben hat, war auch niemand dazu in der Lage, die Probleme frühzeitig zu erkennen", sagt Brown.

"Das Problem wurde dann durch unsere Motorensituation verschärft", spricht er die enttäuschende Partnerschaft mit Honda an. "Es war nicht alles ihr Fehler, definitiv nicht. Aber es gab Tonnen von Problemen und Strafen und Motorschäden, und das macht es dann schwieriger, seriös zu diagnostizieren, wo wir als Team wirklich stehen. Denn es hat da ganz bestimmt auch andere Faktoren gegeben."

Kein böses Wort gegen Ex-Mitarbeiter

"Dann hast du einen neuen Motor, von dem du durch Red Bull weißt, was damit möglich ist. Und dann kommt der brutale Weckruf", sagt Brown über Melbourne 2018. "Die Probleme waren strukturell, sie lagen in der Kommunikation, es hat Führung gefehlt. Es war nicht eine Einzelperson schuld. Einige Leute, die gegangen sind, waren top. Es war nicht ihre Schuld. Aber die Organisation war von der Spitze nicht gut geführt, weil Fokus gefehlt hat."

Der Amerikaner beteuert, "einen Plan" zu haben. Dieser sei auf fünf Jahre ausgelegt. McLaren soll demnach 2023 wieder voll konkurrenzfähig sein. Der erste Schritt ist die Verpflichtung von James Key als Technischer Direktor. Er wird 2019 von Toro Rosso zu McLaren stoßen. Wieder einen klassischen Technischen Direktor zu haben, ist für McLaren neu. Aber Brown sagt: "Es hat einen Grund, dass alle anderen auch einen haben."


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Den Vorwurf, auch von den eigenen Mitarbeitern, dass die McLaren-Führung zu arrogant aufgetreten sei, lässt Brown so nicht stehen. Doch er räumt ein: "Vielleicht haben wir zu wenig genau in den Spiegel geschaut. Ein Beispiel: Sauber und Williams haben immer schnelle Boxenstopps geschafft. Das sind zwei Teams, die haben sicher nicht mehr Mittel als wir. Boxenstopps haben auch nichts mit dem Chassis und schon gar nichts mit dem Motor zu tun. In sowas müssen wir besser werden."

Angefangen hat alles, davon sind viele immer noch überzeugt, mit Ron Dennis' Ambition, McLaren als Sportwagenhersteller zu positionieren. Das habe den Fokus auf das Formel-1-Team verwässert. Dazu kommt laut Brown: "Die Gruppe wurde riesengroß. Ron hatte so viel zu tun: die Straßensparte, McLaren Applied Technologies, Formel 1. Und er hatte auch kein besonders gutes Verhältnis zu den übrigen Eigentümern ..."

Der erste Schritt, McLaren wieder auf die Beine zu bekommen, werde laut Brown schon 2019 erfolgen. Dann soll die Struktur der Technikabteilung stehen. 2020 wird das erste James-Key-Chassis an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Und das neue Reglement 2021 ist die erste ganz große Chance, wieder zu den Topteams aufzuschließen.

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