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Britische Größen verneigen sich vor Hamilton

Stirling Moss und Jackie Stewart ziehen vor Lewis Hamilton den Hut: Kann der neue Weltmeister nun sogar die Rekorde von Michael Schumacher brechen?

(Motorsport-Total.com) - Der WM-Sieg von Lewis Hamilton in der Formel-1-Saison 2014 war auch ein Triumph des britischen Motorsports. Zum ersten Mal seit 2009 (Jenson Button) ist wieder ein britischer Fahrer Formel-1-Weltmeister. Mit elf Siegen in 19 Rennen sicherte sich Hamilton seinen zweiten WM-Titel nach 2008 - eine Leistung, vor der sich die Legenden des britischen Motorsports verneigen. "Gut gemacht, alter Junge", gratuliert Stirling Moss kurz und prägnant.

Lewis Hamilton

Lewis Hamiltons WM-Triumph nötigt seinen Landsleute Respekt ab Zoom

"Er hat die Weltmeisterschaft zum zweiten Mal gewonnen, wozu ich ihm nur gratulieren kann", sagt auch Jackie Stewart im Gespräch mit der 'BBC'. "Es war ein großer Tag für ihn und ein großer Tag für den britischen Motorsport." Nach dem Gewinn des zweiten WM-Titels steht Hamilton nun in einer Reihe mit berühmten Landsleuten wie Graham Hill oder Jim Clark, die ebenfalls zwei Mal Champion waren. Lediglich Stewart selbst liegt mit drei WM-Titeln ist dieser Wertung noch vor Hamilton.

Der ist dafür, gemessen an Grand-Prix-Siegen, schon seit seinem Erfolg in Austin der erfolgreichste britische Fahrer der Formel-1-Geschichte. Mit nun 33 Siegen hat Hamilton zwei Erfolge mehr als Nigel Mansell auf dem Konto, und Moss ist fest davon überzeugt, dass sein junger Landsmann diese Bilanz in den kommenden Jahren kräftig ausbauen wird. "Es gibt fast nichts mehr, was Lewis jetzt nicht erreichen kann. Es hängt davon ab, wie hungrig er bliebt", sagt er.

Moss: Hamilton kann Schumachers Rekorde brechen

Moss verweist auf seinen früheren Teamkollegen Juan Manuel Fangio, der bis 47 gefahren und Rennen gewonnen habe. Daher könne auch Hamilton "noch mehr als 10 Jahre fahren, sieben oder acht WM-Titel gewinnen und damit Michael Schumachers Rekorde brechen - wenn er das richtige Material hat." In einem Punkt habe Hamilton Schumacher aber schon etwas voraus: "Schumacher war nicht immer sportlich. Ich glaube Lewis würde nie einen anderen Fahrer von der Strecke drücken." So weit, Hamilton an die Seite von Fangio stellen, der für ihn ein ausgesprochener Gentleman und der beste Fahrer aller Zeiten war, will Moss aber noch nicht gehen.


Fotostrecke: WM-Jubel: Hamiltons "Magic Moments"

Für Stewart hat sein Nachfolger allerdings das Zeug dazu, eines Tages zu den größten Fahrern der Formel-1-Geschichte zu zählen. "Lewis ist genau der selbe Typ wie Graham Hill, Jim Clark und ich oder Jack Brabham oder Schumacher. Er ist das gleiche Tier, der gleiche Mensch der den gleichen Job macht", sagt er. "Es wird allerdings noch eine Zeit dauern, bis Lewis zu den größten Weltmeistern gezählt werden kann."

Vergleiche mit Fahrern aus der Vergangenheit zu ziehen, sei allerdings in jeder Beziehung schwierig. "In meiner Zeit bin ich Formel 1, Formel 2, Sport- und Tourenwagen gefahren, weil es mein Hobby war. Lewis fährt nur 19 Rennen im Jahr", erklärt Moss. Auch neben der Rennstrecke habe sich seit den 1950er Jahren einiges geändert. "Lewis muss nach einem Sieg mit Sponsoren reden. Ich hingegen habe nach einem Sieg einen steilen Zahn aufgerissen."

Hat Rosberg das Zeug zum Weltmeister?

Moss sieht im aktuellen Fahrerfeld vor allem zwei Fahrer, die Hamilton auch in den nächsten Jahren gefährlich werden können. "In Hamiltons Ära sind Sebastian Vettel und Fernando Alonso zwei großartige Fahrer", meint Moss. Vettel, so glaubt der Brite, könnte Hamilton im gleichen Auto schlagen. "Man gewinnt nicht vier Meisterschaften, in dem man auf dem Hintern sitzt", lobt Moss die Leistung des Deutschen.

Hamiltons aktueller Teamkollege Nico Rosberg hingegen kann ihm nicht das Wasser reichen, glaubt Moss. "Nico ist auf dem richtigen Platz gelandet, direkt hinter dem Sieger." Der 85-Jährige, der bis heute als der beste Formel-1-Fahrer gilt, der nie Weltmeister wurde, erkennt gewisse Parallelen zu seiner aktiven Zeit, als er Teamkollege von Fangio war. "Man ist Teamkollege des besten Fahrers, ist aber nicht gut genug, um ihn zu überholen."

Stewart hingegen glaubt, dass auch Rosberg das Zeug zum Weltmeister hat. "Sie waren recht ausgeglichen. Nico ist ein cleverer Typ, fährt sehr sanft, achtet auf die Reifen. Er wäre auch ein würdiger Weltmeister gewesen."

Britischer Sieg unter deutscher Flagge

Moss freut sich vor allem darüber, dass Hamilton den Titel mit Mercedes gewonnen hat. "Das war das beste Team, für das ich je gefahren bin", sagt Moss, der 1955 in der Formel 1 für die Silberpfeile fuhr. "Sie lassen ihre Fahrer frei gegeneinander fahren. An dieser Tradition haben sie in dieser Saison festgehalten."

Allerdings sei der Triumph des deutschen Mercedes-Teams in Wahrheit ein britischer, erinnert Stewart. "Es ist Wahnsinn, was heute an Technologie in den Autos steckt. Darauf sollten die Briten sehr stolz sein, denn diese Technologie kommt von hier. Der Mercedes-Motor und das Auto werden in England gebaut."