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Bernd-Mayländer-Kolumne: Die beste Strecke der Welt

Der große Grand-Prix-Check des Safety-Car-Fahrers: Warum Spa die beste Strecke der Welt ist und wie man nach dem Rennen dem Stau entgehen kann

Safety-Car

Safety-Car im Einsatz: Bernd Mayländer beim Grand Prix von Belgien 2012 Zoom

Hallo, liebe Leser,

es ist zwar schon dreieinhalb Wochen her, aber bevor ich auf Spa-Francorchamps blicke, möchte ich ein paar Zeilen über den Grand Prix von Ungarn loswerden. Es war ein wirklich tolles Rennen auf dem Hungaroring, mit einem phänomenalen Sieger Daniel Ricciardo. Klasse fand ich vor allem, wie bis in die letzte Runde gefightet wurde, teilweise Rad an Rad. Und Lewis Hamiltons Aufholjagd von ganz hinten auf den dritten Platz war sehr beeindruckend.

Ein bisschen leid tut mir Nico Rosberg, dem ich mit dem Safety-Car das Rennen kaputt gemacht habe. Unabsichtlich natürlich. Er hat bis dahin nichts falsch gemacht, hatte einen Riesenvorsprung. Dass er es, als ich auf die Strecke geschickt wurde, nicht mehr rechtzeitig an die Box geschafft hat, ist einfach Pech. Nach dem Rennen habe ich mich mit ihm unterhalten, da wurde natürlich ein bisschen geflachst zwischen uns. Aber auch Nico versteht, dass es in so einem Fall "Safety first" heißen muss.

Generell kann man nach elf von 19 Saisonrennen sagen, dass das neue Reglement voll greift und dass die Rennen wirklich spannend sind. Daran hatten nach Australien und Malaysia einige ihre Zweifel, aber spätestens seit Bahrain liefert die Formel 1 2014 wirklich eine super Show. Die Teams haben die Regeln und die neuen Systeme jetzt verstanden, haben die kleinen Details besser im Griff. Sie können die Rennen besser lesen.

Reifen sorgen für Spannung

Dazu kommt, dass die Reifen für Spannung sorgen. In den letzten Rennen haben einige Teams auf schwierige Strategien gesetzt, wo man von außen bis zum Schluss nicht sagen konnte, ob der Reifen hält oder doch noch zusammenbricht. Wie lange kann sich einer noch verteidigen? Dadurch werden die Rennen ziemlich spektakulär. Wie man in Ungarn gesehen hat, kann man teilweise sogar außen überholen, wenn man in der Schlussphase die besseren Reifen hat.

Jetzt freue ich mich auf Spa-Francorchamps. Davor musste ich erst malzum Friseur und den Bart stutzen, schließlich hatte ich selbst auch ein bisschen Urlaub. Ich war zwar bei der DTM in Spielberg, aber dazwischen war schon mal Zeit, einfach mal nichts zu tun, mit Freunden etwas zu unternehmen und die Akkus aufzuladen. Und eben den Bart wachsen zu lassen! Letzteres hatte aber ehrlich gesagt einen anderen Grund - genauer gesagt eine verlorene Wette...

Mercedes hatte zuletzt immer noch einen großen Vorsprung, aber ich bin gespannt, ob sich während der Sommerpause etwas verschoben hat. Klar, 202 Punkte für Nico, 191 für Lewis und 131 für Ricciardo, das ist eine Menge Holz. Aber wenn jemand in den letzten Rennen ähnlich in Fahrt kommt wie Sebastian Vettel im vergangenen Jahr, dann kann theoretisch noch was passieren. Zumal es dieses Jahr beim Saisonfinale in Abu Dhabi doppelte Punkte gibt. Ein Ausfall von Mercedes, ein Sieg von Ricciardo, schon sieht die Sache ganz anders aus.

Mercedes weiterhin in der Favoritenrolle

Aber die Silberpfeile bleiben natürlich die klaren Favoriten. Meiner Meinung nach auch für Spa. Es ist eine sehr schnelle Strecke mit dem längsten Volllaststück der Saison. Das spricht für die Mercedes-Power. Andererseits gibt es auch viele sehr schnelle Kurven, in denen man Abtrieb braucht. Das kommt sicherlich Red Bull entgegen - wobei man nicht übersehen darf, dass der Mercedes nicht nur einen überragenden Motor hat, sondern auch das Chassis erstklassig ist.

Michael Schumacher

Die Senke Eau Rouge ist die vielleicht berühmteste Kurve der Formel 1 Zoom

Auf einen Sieger festlegen möchte ich mich nicht, alleine schon wegen des Ardennenwetters. Alles andere als zumindest ein Regenschauer am Rennwochenende wäre eine mittlere Sensation. Red Bull gibt ganz offen zu, dass sie sich Regen wünschen. Insofern glaube ich, dass ein Mercedes auf Pole stehen wird, aber das Rennergebnis möchte ich nicht tippen. Da kann alles passieren, und das ist gut so. Vergesst nicht Fernando Alonso! Dem traue ich auch noch gute Ergebnisse zu.

Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari hat in Spa schon oft tolle Rennen gezeigt. Dieses Jahr läuft es für ihn aber nicht nach Wunsch. Er hatte viel Pech, viel passt auch nicht zusammen. Ein anderer Finne, Valtteri Bottas, ist für mich dafür der Überraschungsmann der Saison. Ein Ausfall, sonst immer gepunktet, in den letzten vier Rennen dreimal auf dem Podium. Wenn mir das vor der Saison einer gesagt hätte, hätte ich ihm nicht geglaubt.

Wird Eau Rouge wieder zur echten Herausforderung?

Spa - und das sage nicht nur ich - ist die vielleicht schönste Rennstrecke der Welt. Natürlich denkt jeder sofort an Eau Rouge. In den vergangenen Jahren ging die Passage mit einem Formel 1 relativ locker voll. Ob das dieses Jahr auch so sein wird, weiß ich nicht. Die neuen Autos haben weniger Abtrieb und eine Menge Leistung, da könnte Eau Rouge zumindest mit vollem Tank und nicht mehr ganz frischen Reifen eine echte Challenge sein.


Bernd Mayländer erklärt das Safety-Car

Von außen sieht Eau Rouge unglaublich spektakulär aus, und auch für mich im Safety-Car ist die Kurve etwas ganz Besonderes. Jedes Mal, wenn ich den Hügel runterfahre und diese Wand vor mir habe, denke ich: "Boah, ist das steil!" Aber es gibt ein paar andere Schlüsselstellen. Die schnelle Doppel-Links, Pouhon, bergab - fantastisch! Allein schon die Geschwindigkeit, mit der man dort einlenkt, ist eine Mutprobe. Wenn man die Einfahrt perfekt trifft, macht Pouhon richtig Spaß.

Spa ist halt noch eine echte Fahrerstrecke, auf der man das Herz in die Hand nehmen muss. Ein bisschen wie Suzuka und Silverstone. Solche Strecken machen einen Riesenspaß, wenn man ein gutes Auto hat, aber wenn das Setup nicht passt, dann ist man nur am Kämpfen. Und in Passagen wie Eau Rouge oder Pouhon möchte man keinesfalls abfliegen, denn das kann dort auch mal richtig wehtun - dem Fahrer und dem Chassis.

Beeindruckende Geschwindigkeit in Blanchimont

Im letzten Sektor ist der Linksbogen Blanchimont dann die spektakulärste Stelle. Wenn man zum ersten Mal sieht, wie schnell die Formel-1-Autos dort sind und wie sie am Boden kleben, fällt einem glatt die Kinnlade runter. Im Safety-Car muss ich in Blanchimont übrigens richtig bremsen, weil mich das Gewicht sonst nach außen zieht. Die inzwischen umgebaute Bus-Stop-Schikane ist weniger spektakulär, kann aber viel Zeit kosten, wenn man dort einen Fehler macht.

Michael Schumacher in Spa-Francorchamps 1991

Denkwürdiges Ereignis: Michael Schumachers Formel-1-Debüt im Jahr 1991 Zoom

Ich finde, dass Spa die beste Formel-1-Strecke ist, die es aus fahrerischer Sicht gibt. Die Höhenunterschiede sind einzigartig und das Wetter spielt fast immer eine Rolle. Es gibt kaum eine andere Rennstrecke, auf der man so oft in den Himmel schaut, um zu sehen, wie gefährlich die Wolken gerade sind. Auch nicht ungewöhnlich, dass am einen Ende die Sonne scheint und es am anderen Ende schon regnet. Schließlich ist Spa mehr als sieben Kilometer lang.

Ich liebe Spa aber auch deswegen, weil jedes Jahr viele langjährige und treue Fans an eine historische Rennstrecke kommen. Das erinnert mich immer ein bisschen an Silverstone - Faszination Motorsport pur, echtes Racing. Und Spa ist Michael Schumachers Wohnzimmer: 1991 sein erstes Rennen, 1992 sein erster Sieg, 1998 die Beinahe-Rauferei mit David Coulthard, 2004 der Gewinn seines siebten und letzten WM-Titels. An dieser Stelle möchte ich Michael und seiner Familie auch noch einmal alles erdenklich Gute wünschen!

Hotel in Aachen statt in Belgien

Wenn es in Spa etwas zu kritisieren gibt, dann am ehesten noch die Hotelsituation - es ist halt ein ländliches Umfeld, in dem es nicht so viele Betten gibt. Ich schlafe deshalb seit Jahren in einem Hotel in Aachen. Das sind zwar jeden Tag 60 Kilometer hin und zurück, aber dafür hat man ein anständiges und halbwegs preiswertes Hotel. Rund um die Strecke sind die Zimmerpreise am Rennwochenende mysteriöserweise viel höher als sonst...


Fotostrecke: Triumphe & Tragödien in Belgien

Das berühmte Heilbad, von dem Spa auch seinen Namen hat, konnte ich leider noch nie ausprobieren. Belgische Fritten, Waffeln, Schokolade und natürlich nicht zu vergessen das Bier - ein Party-Grand-Prix ist Spa-Francorchamps dennoch nicht. Man geht abends in ein Restaurant essen, trinkt ein Gläschen Wein und genießt diese wunderschöne Region auf diese Weise.

Nur nach dem Rennen wird es für mich hektisch, schließlich möchte man einigermaßen zügig nach Hause kommen. Um dem Stau zu entgehen, fahre ich meistens sofort nach der Zielflagge mit dem Motorroller zu meinem Auto. Den Roller holt dann abends ein Kollege von der FIA ab. Wer also am Sonntag beim Parkplatz steht und jemanden mit einem blauen Rennoverall und Helm auf einem Roller vorbeiflitzen sieht: Das bin dann wohl ich!

Euer

Bernd Mayländer

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