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  • 15.04.2015 · 13:55

  • von Bernd Mayländer

Bernd Mayländer: Anekdoten aus Tausendundeiner Nacht

Wilde Partys und wilde Autofahrer in Schanghai, öde Steinwüste in Manama: Bernd Mayländer erinnert sich in seinen Anekdoten an eines seiner letzten Rennen

Bernd Mayländer

Safety-Car-Fahrer Bernd Mayländer vor dem Grand Prix von Bahrain 2009 Zoom

Hallo, liebe Leser,

nach China also direkt weiter nach Bahrain, denn nach Hause fliegen lohnt sich nicht, wenn zwei Rennen so weit entfernt von Europa "back to back" stattfinden. Und an Bahrain habe ich schöne Erinnerungen.

2005, also vor genau zehn Jahren, bin ich eines meiner letzten professionellen Autorennen hier gefahren, als Gaststarter im Porsche-Supercup. Porsche hatte damals drei Gastfahrzeuge: zwei für Mitglieder der Königsfamilie Al Chalifa von Bahrain und eins für mich. Hat wahnsinnig Spaß gemacht, auch weil es für uns als Team gut gelaufen ist. Ich wurde Fünfter, Scheich Salman wurde Elfter und Scheich Jaber 18., wenn ich mich recht erinnere. Für ein Gaudi-Wochenende nicht schlecht!

Ich könnte mir durchaus vorstellen, nochmal als Gaststarter Rennen zu fahren, aber durch meine Tätigkeit als Safety-Car-Fahrer für die FIA und Mercedes-Benz wäre das heute in einem Auto einer anderen Marke wahrscheinlich nicht mehr möglich. Und ich muss dazusagen: Das Niveau im Porsche-Supercup ist mittlerweile so hoch, dass man da nicht mehr ankommen und sagen kann: Hallo, ich bin irgendwann mal DTM gefahren, ich setz mich da rein und bin sofort schnell.

Schönster Paddock der Formel-1-Saison

Fahrerlager in Bahrain

Der Paddock in Bahrain ist einer der schönsten der gesamten Saison Zoom

Ich bin am Montag von Schanghai nach Manama geflogen - und hatte im Flieger ein bisschen Zeit, mir über die lustigsten Anekdoten aus zehn Jahren Bahrain (Premiere 2004, 2011 wurde das Rennen abgesagt) Gedanken zu machen. Leider muss ich euch sagen: So viele gibt es da gar nicht. Mir fällt viel zur Strecke und zum Paddock ein, denn der Paddock ist für mich der schönste der gesamten Saison.

Aber Manama ist eine kleine Stadt mit, durchaus, ein paar guten Restaurants. Nur fällt mir kein absolutes Highlight ein, wo ich sagen würde: Diesen Club oder diese Kneipe darfst du auf keinen Fall verpassen, wenn du in Manama bist. Da bin ich abends lieber im Paddock an der Rennstrecke, der wunderschön beleuchtet ist und schön übersichtlich, sodass man viele Leute trifft. Aber die City ist nichts, was zum Beispiel Abu Dhabi oder Dubai noch toppen würde.

Ich bin schon seit Montag hier, im Hotel mit zum Beispiel den Williams-Leuten und meinen Kollegen von der FIA. Bis zum Track-Test am Donnerstag steht nicht viel auf dem Programm. Also bleibt Zeit, zwischendurch an den Pool zu gehen und Sport zu machen. Dann möchte ich mal durch eine Shopping-Mall schlendern und am Donnerstagabend - Bahrain ist ja ein Nachtrennen - den Track-Test mit dem Safety-Car fahren. Bei Dunkelheit.

Politische Lage wieder etwas ruhiger

Von den politischen Unruhen bekomme ich hier nichts mehr mit. Es freut mich, wenn die Lage in einem wirtschaftlich aufstrebenden Land wie Bahrain offensichtlich wieder ruhiger und stabiler wird. Denn Bahrain ist recht schön; übrigens eine Steinwüste, keine reine Sandwüste, wie man sich die zum Beispiel Sahara vorstellt. Und es ist auch nicht immer nur heiß und sonnig. Seit ich am Montag hier gelandet bin, habe ich schon einen Sandsturm und sogar Regen erlebt.


Fotostrecke: FIA-Fast-Facts Bahrain

Ich saß im selben Flieger wie viele andere Formel-1-Leute und habe mir sagen lassen, dass im M1NT in Schanghai mächtig gefeiert wurde. Sollen auch ein paar Fahrer dabei gewesen sein. Elena Chatzikonstantinou hat dort eine ihrer inzwischen berühmten Code-20-Partys organisiert. Diesmal ohne mich. Ich war total müde und bin schön brav im Hotel geblieben.

Dabei hätte ich wieder ein paar Führungsrunden zu feiern gehabt, und zwar ganz zum Ende des Rennens. Mein Beifahrer Peter Tibbetts und ich, wir waren uns einen Moment lang nicht sicher, ob wir noch zwei Runden fahren müssen oder eine. Es waren zwei. Schade, dass ich nach neuem Reglement nicht mehr mit dem Feld über die Ziellinie fahre. Hätte aus Mercedes-Sicht ein schönes Foto abgegeben, gleich drei Silberpfeile an der Spitze!

Mercedes wieder voll in alter Stärke

Lewis Hamilton, Safety-Car, Bahrain 2014

2014 war das Safety-Car beim ersten Nachtrennen in Bahrain im Einsatz Zoom

Apropos Mercedes: Die haben in Schanghai wieder absolute Dominanz demonstriert. Lewis und Nico, das konnte man sehen, sind nur so schnell gefahren, wie sie unbedingt mussten, ohne Risiko. Dass die beiden sich nicht ganz grün sind, bringt ein bisschen Farbe ins Spiel. Und hinter Lewis und Nico haben wir teilweise gute Zweikämpfe gesehen. Im Kampf um die Plätze fünf bis zehn wurde guter Motorsport geboten.

Eins möchte ich noch anfügen über Schanghai. In meiner letzten Kolumne habe ich geschrieben, dass die Verkehrssituation in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden ist. Das möchte ich zurücknehmen. Was ich dieses Jahr erlebt habe, war unglaublich - nichts als Stau! Ich weiß schon, dass es dort nicht ungewöhnlich ist, dass links, rechts und überall überholt wird, aber so dramatisch wie vergangenes Wochenende war es noch nie. Ich habe auch ein paar Unfälle gesehen (zum Glück nicht selbst miterlebt) und haarsträubende Manöver, die sich ein Europäer gar nicht vorstellen kann.


Lewis Hamilton stellt die Strecke in Bahrain vor

Lewis Hamilton kommt mit viel Selbstvertrauen zum vierten Lauf der Formel 1 2015 in Bahrain. Das Nachtrennen hat einige Besonderheiten aufzuweisen Weitere Formel-1-Videos

Ich war jedenfalls froh, als ich heil am Flughafen war. Und ich werde froh sein, wenn ich nach dem Rennen in Manama rechtzeitig am Flughafen bin. Denn mein Reisebüro hat mich auf 22:55 Uhr gebucht, und das Rennen wird um kurz vor 20:00 Uhr zu Ende sein. Das wird eng mit Packen und Duschen - also Daumen drücken, dass es keine längeren Unterbrechungen gibt! ;-)

Euer

Bernd Mayländer

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