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Barrichello: Erinnerungen an Ayrton Senna

Wie der große Ayrton Senna einen Cheeseburger wie ein Kind verschlungen hat und warum Rubens Barrichello beinahe an dessen Tod zerbrochen wäre

(Motorsport-Total.com) - Noch ist unklar, ob Rubens Barrichello Gelegenheit haben wird, seine Formel-1-Karriere nächstes Jahr fortzusetzen, aber wenn nicht, dann hat er seinen letzten Grand Prix am vergangenen Wochenende mit einem Helm in den Farben seines einstigen Freundes Ayrton Senna absolviert - und das noch dazu auf dessen Heimstrecke in Interlagos.

Ayrton Senna und Rubens Barrichello

Als junger Mann hat Rubens Barrichello immer zu Ayrton Senna aufgeschaut Zoom

Barrichello war gerade mal 20 Jahre alt, als er 1993 in die Formel 1 aufstieg, und orientierte sich als junger Brasilianer im fernen Großbritannien an seinem großen Vorbild Ayrton Senna, der zu jenem Zeitpunkt schon dreifacher Weltmeister war. Nach Sennas tragischem Tod in Imola 1994 versuchte "Rubinho", wie er von seiner Familie liebevoll genannt wurde, in dessen Fußstapfen zu treten - doch die waren ihm damals noch viel zu groß.

Unter dem Druck zerbrochen

"Ich habe versucht, dem brasilianischen Volk zu sagen: 'Macht euch keine Sorgen, ich bin für euch da! Ich bin Brasilianer, ich liebe dieses Land und ich werde mein Bestes versuchen!' Das haben die Menschen als Versprechen aufgefasst", erinnert sich Barrichello. "Das war traurig, denn dadurch entstand ein immenser Druck. Sobald wir ein paar Dinge geändert hatten, stand ich in Kanada wieder auf dem Podium. Das war ein Licht am Ende des Tunnels."

Michael Schumacher und Rubens Barrichello

Kurz vor Ayrton Sennas Tod feierte Rubens Barrichello sein erstes Podium Zoom

Imola 1994 war für den Jordan-Piloten in vielerlei Hinsicht ein schwerer Schicksalsschlag, denn zwei Tage vor Sennas Tod war er bei einem schweren Trainingscrash selbst nur knapp dem Tod von der Schaufel gesprungen: "Ich erinnere mich nur noch daran, dass das Heck lose wurde und ich mir dachte: 'Ups!' Aber ich wurde wieder darauf aufmerksam gemacht, als ich den Senna-Film gesehen habe, denn auf der großen Kinoleinwand war es ein enormer Crash."

"Das ganze Wochenende war schwierig - erst Roland (Ratzenberger; Anm. d. Red.), dann Ayrton. Obwohl ich wegen des Unfalls mein Gedächtnis verloren hatte, war es leibhaftig. Ich flog an jenem Sonntag zurück nach England. Als Senna seinen Kopf bewegte, dachte ich: 'Er lebt, das geht gut aus!' Zwei Tage später war ich in Brasilien auf seiner Beerdigung. Es war meine erste Beerdigung überhaupt. Ich war fassungslos", erinnert sich der 39-Jährige.

Freundschaft war gerade entstanden

Rubens Barrichello

Dem Tod von der Schaufel gesprungen: Trainingsunfall in Imola 1994 Zoom

Besonders tragisch war dies, weil sich seine Beziehung zum älteren und erfahreneren Landsmann kurz zuvor verfestigt hatte, als die beiden von Brasilien aus gemeinsam zum zweiten Saisonrennen in Aida (Japan) reisten: "Ich öffnete meine Tür. Gleichzeitig ging die Tür auf der anderen Seite des Zimmers auf - und es war Ayrton, Ayrton! Ich traute meinen Augen nicht. Er sagte: 'Ich habe nichts vor, was macht ihr?' Und ich: 'Wir fahren nach Disneyland.' Und er: 'Kann ich mitkommen?'"

"Ich sage dir: Ayrton muss wohl seit Jahren keinen Cheeseburger gegessen haben, denn an dem Tag hat er seinen wie ein Kind verschlungen! Ich erinnere mich daran so gut, denn er war sonst immer unglaublich diszipliniert, aber auf dem Weg nach Aida passierte das. Das ist eine wunderschöne Erinnerung", so Barrichello, der seine Karriere für die 'BBC' im Gespräch mit seinem Ex-Teamchef Eddie Jordan noch einmal Revue passieren ließ.

Erstes Podium vor Sennas Tod

Rubens Barrichello

Anschließend musste er das "schwarze Rennen" mit Gipsverband auslassen Zoom

Und fast so, als hätte ihm Senna die Kraft dazu gegeben, krönte Barrichello "ein großartiges Wochenende" mit seinem ersten Podestplatz in der Formel 1, auch dem ersten des Jordan-Teams: "Das war magisch. Aida war ein ganz spezieller Moment, denn wir haben in unserem kleinen Zimmer ein Glas Champagner getrunken. Ayrton kam vorbei, um zu gratulieren. Das war großartig. Es war das vorletzte Rennen seines Lebens und ich war dort."

Von Kritikern wurde dem längstdienenden Grand-Prix-Piloten aller Zeiten oft vorgeworfen, er habe besonders in den frühen Jahren seiner Karriere einen regelrechten Senna-Komplex gehabt, sodass er sein eigenes Talent nie richtig entfalten konnte. Erst unter den Fittichen von Jackie Stewart konnte er diese Geister Ende der 1990er-Jahre abschütteln - und 2000 in Hockenheim, sechs Jahre nach Sennas Tod, endlich selbst ein Formel-1-Rennen gewinnen...