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Bahrain-Grand-Prix: Todt kritisiert die Medien

FIA-Präsident Jean Todt kritisiert die Berichterstattung der Medien im Rahmen des Grand Prix von Bahrain - Der Franzose: "Die Formel 1 nimmt keinen Schaden"

(Motorsport-Total.com) - Viele Formel-1-Veranwortliche scheuen dieser Tage offene Worte über die aktuelle Situation in Bahrain. Man will den dortigen Grand Prix möglichst normal über die Bühne bringen und sich aus politischen Diskussionen heraushalten. Allerdings lassen sich Politik und Sport im Falle des aktuellen Rennwochenendes nicht komplett trennen. Wenn die Königsklasse die dortigen Ausschreitungen ignoriert, so ist dies auch ein gewisses Signal, das in die Welt hinausgeht.

Jean Todt

Jean Todt ist fest überzeugt: Es gibt keinen Grund für eine Bahrain-Absage Zoom

Auf mehreren Plakaten wurden die Formel 1 und die Person Bernie Ecclestone angegriffen. Allein diese Bilder machen deutlich, dass der Auftritt des großen Rennsportzirkus mehr ist als ein Sportevent. Bahrain steht derzeit im Zentrum des öffentlichen Interesses. Die Machthaber nutzen die Bühne, um Normalität zu präsentieren, die Protestgruppen hoffen darauf, dass ihrer Rufe nun weltweit zu hören sind und sich im Königreich etwas ändert.

"Schade, dass solche Berichte in Umlauf sind. Ich bin nicht sicher, ob all diese Berichte tatsächlich das widerspiegeln, was in diesem Land passiert", erklärt FIA-Präsident Jean Todt, dessen Verband sich gegen eine Absage des Rennens entschloss. Dass die Formel 1 wegen der Austragung des Rennens in keinem guten Licht dasteht, scheint den Franzosen nicht sonderlich zu stören. "Ich denke, die Formel 1 ist stark genug", meint er. Kleine Kratzer im Image können schnell wieder poliert werden.

"Die Formel 1 ist eine starke Marke. Alle, mit denen ich im Fahrerlager gesprochen habe, sind sehr happy", sagt Todt. "Man sagte mir sogar, dass es ein Fehler gewesen wäre, wenn wir nicht hierher gekommen wären. Mit diesen Leuten sollte man mal sprechen. Die meisten Teamchefs denken zum Beispiel so. Leider liest man solche Aussagen nur selten in den Medien. Ich respektiere die Medien und deren Arbeit. Es spiegelt eben nicht immer das wider, was ich hier zu sehen und zu hören bekomme."


Ginge es nach dem FIA-Präsidenten, so sollte man sich möglichst nur auf den Sport konzentrieren. Zum Tod eines Demonstranten, der am Freitagabend im Rahmen einer Auseinandersetzung offenbar erschossen wurde, fällt sein Kommentar jedenfalls kurz und knapp aus. "Ich kann nichts zu Dingen sagen, von denen ich die Details nicht kenne. Ich habe diese Details nicht. Es wäre demnach falsch, wenn ich etwas dazu sagen würde."

Todt wertet die nun schon über 14 Monate andauernden Proteste als normale Vorkommnisse in einer Demokratie. "In jedem demokratischen Land sind Porteste erlaubt", sagt er. "Man darf dort seine Stimme erheben und demonstrieren. Das passiert überall auf der Welt. Es gibt auch in meiner Heimat Proteste, manchmal fühlt man sich auch dort nicht wohl, weil es eben manchmal Ausschreitungen gibt. Hier gibt es gute Kontrollen an den Straßen. Leider bedeutet Protest oft auch Verletzung von Menschen. Das ist ein Weg, sich auszudrücken."

"Wichtig ist, dass man eine realistische Darstellung der Vorgänge liefert", meint Todt. Er nennt ein Beispiel: "Gestern war teilweise von 4.000 Demonstranten die Rede, andere nannten die Zahl 10.000. Das ist das, was man mir sagt. Ich war nicht vor Ort, ich habe die Leute nicht zählen können. Offizielle Quellen haben mir aber von 4.000 Menschen berichtet, die ruhig protestieren. Nur drei Menschen seien dabei leicht verletzt worden."


Fotos: Großer Preis von Bahrain


Todt geht davon aus, dass in Bahrain nur eine Minderheit gegen die aktuellen Machthaber aufbegehrt. "Höchstens zehn Prozent", schätzt er. "Sollen wir wegen denen die anderen 80 oder 90 Prozent bestrafen? Ich meine: Nein! Die große Mehrheit will doch dieses Rennen. Leider gründet ein Großteil der Berichterstattung auf die Anliegen der Minderheit. Die meisten Leute wollen, dass alles normal weitergeht. Sie wollen ihr Leben und auch den Sport genießen."

"Wenn es mal in einem Fußballstadion Ausschreitungen gibt, dann werden dort immer mindestens drei Leute verletzt. Ich will das nicht als Beispiel nehmen. Aber so etwas ist schon in Großbritannien, in Deutschland, in Frankreich, auf der ganzen Welt passiert. So etwas kann eben passieren. Das heißt aber doch nicht, dass wir mit dem Sport aufhören sollten", sagt der FIA-Boss. "Wenn man über den Sport spricht, dann sind die Leute glücklich und sie freuen sich. Fragt mal die Streckenposten. Die sind glücklich. Das ist für mich die positive Nachricht, die der Sport bringt."

Immerhin habe man die Olympischen Spiele in Peking 2008 auch durchgezogen - trotz einiger Kritik. "Wir müssen uns da heraushalten", meint Todt. "Es ist ein Sportevent. Wenn der Sport dabei helfen kann, ein gesellschaftliches Problem zu lösen, dann ist es gut. Ich habe beispielsweise viele Aussagen von Nelson Mandela gehört, der meinte, dass der Sport einige Wunden heilen könne. Wenn dies gelingt, dann dürfen wir doch stolz sein, dass die Formel 1 einen gewissen Anteil daran hat."

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