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  • 16.12.2010 13:26

Bahar: "Müssen akzeptieren, Renault genannt zu werden"

Bahar erklärt im Interview, dass man mit Fernandes zusammenarbeiten wollte, mit dem Renault-Namen leben kann und nur sein Auto Lotus heißen darf

(Motorsport-Total.com) - Bei der Präsentation des Einstiegs der Lotus-Gruppe in die Formel 1 gab sich Dany Bahar ganz entspannt. Er sagte, es würde ihn nicht stören, wenn in Bahrain vier Lotus-Autos am Start sind. Inzwischen sieht die Lage etwas anders aus, wie der Schweizer Geschäftsführer der Lotus-Gruppe in einem ausführlichen Interview in London zugibt. Zudem stellt er klar, dass man ursprünglich durchaus in Betracht zog, mit Tony Fernandes' Rennstall, mit dem man sich derzeit im Namensstreit befindet, zusammenzuarbeiten.

Dany Bahar

Bahar steht in London zu den Plänen seiner Lotus-Gruppe Rede und Antwort Zoom

Frage: "Dany, versuche uns bitte zu erklären, wie es zu dieser chaotischen Situation kommen konnte, dass wir jetzt ein von Lotus gesponsertes Renault-Team und ein von Renault mit Motoren beliefertes Lotus-Team haben."
Dany Bahar: "Erstens glaube ich nicht, dass wir der Grund für diese chaotische Situation sind. Und zweitens - das ist jetzt meine persönliche Meinung - glaube ich nicht, dass wir am Ende zwei Lotus-Teams haben werden. Sollte das aber der Fall sein, dann werden wir gegen sie antreten wie gegen jedes andere Team."

Frage: "Du bist also zuversichtlich, dass das derzeit unter dem Namen Lotus bekannte Team in Zukunft nicht mehr Lotus heißen wird und dass die Lotus-Gruppe diesen Namen beanspruchen sollte?"
Bahar: "Ganz und gar nicht. Ich bin kein Jurist und ich würde nie etwas beurteilen, das außerhalb meiner Kontrolle ist. Also kann ich nur warten und zusehen, wie unsere Eigentümer nun versuchen werden, mit der anderen Partei eine Lösung zu finden. Da es sich um zwei malaysische Parteien handelt, bin ich zuversichtlich, dass sie eine einvernehmliche Lösung finden werden. Und das ist alles, was ich gerne erklären würde."

Autohersteller Lotus benötigt Motorsport-Engagement

Frage: "Die Automobilfirma Lotus gehört Proton, der vom malaysischen Staat kontrollierten Automobilfirma. Auch das derzeitige Lotus-Team wird von Malaysia gesteuert. Warum arbeitet ihr nicht zusammen?"
Bahar: "Es gibt einige Dinge, die zu dieser Situation geführt haben. Die zwei malaysischen Instanzen begannen, lange bevor unsere Managementgruppe bei der Lotus-Gruppe angekommen war, mit den Gesprächen. Es gab also für die Lotus-Gruppe zu dieser Zeit keinen wahren Businessplan, keinen Motorsport-Plan. Ich glaube, dass Proton damals dachte, dass das der richtige Weg ist."

"Doch dann kamen wir und präsentierten einen Businessplan, der nicht nur die Umstrukturierung der Abteilung der Straßenautos beinhaltete, sondern auch eine große Investition im Motorsport, um den Verkauf der Autos zu fördern. Ich glaube, dass sie plötzlich verstanden haben, dass das nicht etwas ist, das man voneinander abgrenzen kann. Die eine Seite braucht die andere Seite - und da stehen wir heute."

Frage: "Hast du mit Tony Fernandes verhandelt? Wolltest du zu irgendeinem Zeitpunkt ein Teil davon sein?"
Bahar: "Da die Welt klein ist, hatten wir unterschiedliche Gespräche und ich glaube, dass unsere Eigentümer sogar noch mehr Gespräche hatten. Ich glaube aber, dass wir unter den aktuellen Umständen keine freundschaftliche Lösung finden konnten. Wir versuchen aber alles, um dorthin zu kommen."

"Wir versuchen nur, das Erbe zu nutzen, um den Verkauf zu unterstützen und die Produkte zu vermarkten." Dany Bahar

Frage: "Versucht ihr, den Namen Lotus, seine Geschichte und sein Erbe am Leben zu erhalten? Oder handelt es sich nur um eine Automobilfirma, die in die Formel 1 investiert?"
Bahar: "Nein. Wir behaupten nicht, Team Lotus zu sein oder zu Team Lotus zu werden. Das Team Lotus ist etwas, das in Frieden ruhen sollte. Es hatte eine glorreiche Vergangenheit und unglaublichen Erfolg. Wir versuchen nur, das Erbe zu nutzen - wie es wahrscheinlich jede Automobilfirma machen würde, um den Verkauf zu unterstützen und die Produkte zu vermarkten."

"Wir wollen aber kein zweites Team Lotus werden. Das werden wir auch nie sein. Es ist nur - wie wir sagen - eine Automobilfirma, die versucht mit einem neuen Formel-1-Programm anzutreten."

Bahar: Fans haben zu wenig Hintergrund-Informationen

Frage: "Ihr investiert und werdet Partner von Renault. Bleibt ihr in Zukunft Renault oder handelt es sich in vier, fünf Jahren vielleicht um ein reinrassiges Lotus-Team?"
Bahar: "Also, wir verfolgen die gleiche Lotus-Strategie, die wir bei all unseren Motorsport-Aktivitäten anwenden, die wir in Angriff nehmen. Zunächst agieren wir nur als Sponsor und vielleicht als Anteilseigner, doch wir belassen die Dinge so wie sie heute sind. Es ist gut, so wie es ist - Renault ist ein außerordentlicher Name, wir belassen den Namen so wie er ist, und das Chassis wird Renault heißen. Das wird in den kommenden zwei Jahren so bleiben. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt - vielleicht mit einem neuen Concorde Agreement. Doch derzeit agieren wir als Sponsor, wir haben als Anteilseigner Einfluss und das passt für uns so."

Frage: "Warum bist du so zuversichtlich, dass es im Team-Lotus-Streit zu einer einvernehmlichen Lösung kommen wird?"
Bahar:"Oh, ich bin überhaupt nicht zuversichtlich! Ich bin nur ein positiv denkender Mensch. Ich hoffe, dass die zwei Parteien, da sie malaysisch sind, zu einer Einigung kommen werden - hoffentlich mit etwas Druck hier und dort. Ich hoffe nur, dass es eine Lösung geben wird. Wenn es keine Lösung gibt, dann sind die nächsten Schritte klar. Die Gerichtshöfe sind bereit und sie werden sich dann mit der Sache auseinander setzen. Es liegt nicht in unseren Händen."

"Ich bin überhaupt nicht zuversichtlich bezüglich einer Einigung." Dany Bahar

Frage: "Ist es denn kein Problem für dich, dass die Fans verwirrt sind, welches jetzt das echte Lotus-Team ist und welches sie unterstützen sollten?"
Bahar: "Für die Fans ist das keine leichte Situation. Sie sind verwirrt, denn es gibt schon ein Lotus-Team, doch vielleicht haben die Fans noch nicht das ganze Bild erfasst, wer jetzt die Automobilfirma ist. Sie sind vielleicht verwirrt, denn war es nicht die Automobilfirma, die ihnen die Lizenz gegeben hat? Und jetzt wollen wir sie daran hindern, unter dem Namen zu fahren?"

"Das ist etwas verwirrend, ich verstehe das. Das ist aber auch der Grund, warum ich sage, dass ich persönlich nicht glaube, dass es nächstes Jahr in der Formel 1 Verwirrung geben wird, denn ich denke, dass wir das vorher aussortieren können."

Kein Problem mit Renault-Namen

Frage: "Beunruhigt es dich, dass wir Journalisten nächstes Jahr wahrscheinlich nicht den Namen Lotus verwenden werden, um euer Team zu beschreiben, da ihr nur ein Sponsor seid? Genau so wie wir Vodafone nicht verwenden, um McLaren zu beschreiben - oder AT&T bei Williams und Petronas bei Mercedes?"
Bahar: "Ja, das verstehe ich und das ist uns absolut bewusst. Das war uns auch bewusst, bevor wir den Schritt machten. Trotzdem - wenn wir uns wirklich dafür entscheiden, in einen Bereich von dieser Größenordnung hineinzugehen, dann ist es für uns eine langfristige Zusammenarbeit, ein langfristiges Betätigungsfeld. Da geht es nicht um das nächste Jahr oder um die nächsten zwei Jahre, sondern darum, etwas aufzubauen, das der gesamten Firma in den nächsten zehn Jahren nachhaltig zugute kommt."

"Wir wissen genau, dass wir die Mechanismen nicht ändern können, die uns heute umgeben, indem wir einfach den Chassisnamen ändern, denn das hätte einige negative Konsequenzen. Wir leben derzeit gut damit, Sponsor zu sein, und wir müssen die Tatsache akzeptieren, dass Kommentatoren nur den Namen Renault benutzen. So unglücklich das auch ist."

"Wir müssen die Tatsache akzeptieren, dass Kommentatoren nur den Namen Renault benutzen." Dany Bahar

Frage: "Das ist also der erste Schritt auf einem langen Weg, an dessen Ende sich der Autohersteller Lotus voll in der Formel 1 einbringt?"
Bahar: "ja, defintiv. Andernfalls hätten wir die Formel 1 nicht als unsere Plattform ausgewählt. Es macht keinen Sinn, nur für zwei Jahre einzusteigen und einen Aufkleber am Auto anzubringen, ohne einen langfristigen Plan zu haben und sich ernsthaft zu beteiligen. Und diese Beteiligung wollen wir vom ersten Tag an so weit wie möglich maximieren, indem wir eine Gruppe von Ingenieuren gründeten, die jetzt in Enstone arbeitet und versuchen wird, einen Technologietransfer von der Formel 1 zu unseren Straßenautos herzustellen."

"Das ist alles, was wir kurzfristig tun können, doch es gibt einen langfristigen Plan und die Zeit wird kommen, dass wir die Verantwortung haben und die Dinge auf die Art und Weise angehen werden, wie es Lotus immer getan hat."

Warum man das John-Player-Design wählte

Frage: "Die traditionellen Lotus-Farben waren Grün und Gelb, all eure Motorsport-Aktivitäten außerhalb der Formel 1 werden nächstes Jahr in diesen Farben stattfinden. Erkläre uns, warum ihr in der Formel 1 Schwarz und Gold verwendet. Wäre es nicht besser gewesen, all eure Rennaktivitäten mit der selben Marke durchzuführen?"
Bahar: "Wir zeigen all unsere Aktivitäten bei der Show in Birmingham. Wir haben uns entschieden, zwischen der Formel 1 und den anderen Motorsport-Aktivitäten zu unterscheiden, denn die Formel 1 ist etwas Besonderes und wir wollten ihr ein spezielles Look and Feel verleihen."

Frage: "Die Farben Schwarz und Gold verweisen auf die berühmte Unterstützung von Sponsor John Player Special in der Vergangenheit. Machst du dir keine Sorgen über Kritik, dass ihr eigentlich Tabakwerbung macht oder damit zumindest in Verbindung gebracht werden könntet?"
Bahar: "Ich denke nicht, dass wir die Logos verwenden, die auf den John-Player-Special-Autos angebracht waren. Ich glaube aber - und das ist wieder meine persönliche Meinung - dass dies eines der zwei schönsten Designs in der Formel 1 ist. Das ist der Grund, warum wir es anwenden, sonst nichts. Ich glaube nicht, dass es negative Folgen wegen einer möglichen Tabakwerbung geben wird."

"Ich glaube, dass dies eines der zwei schönsten Designs in der Formel 1 ist." Dany Bahar

Frage: "Du hast gesagt, dass ihr nicht Team Lotus sein wollt. Du hast aber in der Presseaussendung letzte Woche gemeint: 'Wir sind Lotus und wir sind zurück'. Ist das nicht ein Widerspruch?"
Bahar: "Was ich damit gemeint habe, ist dass Colin Chapman damals ein Geschäft hatte. Dieses Geschäft war in zwei Bereiche unterteilt - die Rennabteilung und die Autoabteilung. Das eine Geschäft war da, um den anderen zu finanzieren. Sie waren nicht voneinander getrennt und das war auch nicht die Absicht, obwohl es von einem früheren Standpunkt aus stimmt, dass es zwei getrennte Einheiten gab, die aber einer Führung und einem Besitzer unterstanden."

"Was wir mit 'Lotus ist zurück' gemeint haben, ist dass wir Lotus nur als eine Marke sehen - das ist der Automobilhersteller. Es gibt kein anderes Auto da draußen, dass Lotus genannt wurde, also ist Lotus, der Autohersteller, zurück, was ursprünglich Teil der Firmengruppe war, die Herr Chapman besessen hat. Wir sehen es also als eines. Wir haben nie die Unterscheidung gemacht, dass es sich um Team Lotus handelt und dass es komplett von den Straßenautos abgegrenzt ist. Wir sehen es nicht auf diese Art. Wir glauben, dass es ein Auto ist, eine Marke, eine Firma. Es wurde nur formell getrennt, sonst nichts."

Woran die Verhandlungen mit Fernandes scheiterten

Frage: "Du hast gesagt, dass Team Lotus in Frieden ruhen solle. Wärst du enttäuscht, wenn es nächstes Jahr in der Startaufstellung ein Team Lotus gibt, und bist du von Tony Fernandes' Weg überrascht?"
Bahar: "Nein. Ich kann nicht für Herrn Fernandes sprechen, doch wenn er glaubt, dass er legale Gründe hat, diese Marke zu besitzen, dann soll er sie verwenden. Ich glaube nicht, dass wir dagegen ankämpfen. Wir sind nur zu hundert Prozent sicher, dass wir die Marke besitzen, die sich Lotus nennt und die mit dem Automobilhersteller verbunden ist. Und diese Lotus-Marke hat das Recht, in jede Sportaktivität einzusteigen. Und wenn irgendein Chassis Lotus genannt wird, dann ist das ausschließlich unser Chassis."

"Wir behaupten nicht, dass wir den Namen Team Lotus haben oder den Namen Team Lotus verwenden. Darum geht es hier nicht. Wir wollen nur nicht, dass andere Leute ihr Auto Lotus nennen, denn das Lotus-Auto ist unsere Marke - das ist alles."

Frage: "Fernandes hat letzte Woche gesagt, dass ein Zusammenschluss mit der Lotus-Gruppe für ihn die ideale Lösung wäre. Wäre das auch für dich der beste Weg gewesen, wenn der Preis gepasst hätte?"
Bahar: "Ja, ich denke schon. Wenn der Preis gepasst hätte und wenn manche Bedingungen ein bisschen realistischer gewesen wären, dann wäre das auch für mich der richtige Zugang gewesen. Wir hatten keine Angst, mit Herrn Fernandes zusammenzuarbeiten, doch wie ich sagte, gibt es nur einen Weg, wie Lotus Geschäfte macht - und das ist in Verbindung zu treten und nicht nur ein Logo auf das Auto zu kleben."

"Wenn irgendein Chassis Lotus genannt wird, dann ist das ausschließlich unser Chassis." Dany Bahar

"Wir müssen mit dem Management verbunden sein. Wir müssen gemeinsam Entscheidungen treffen. Wir müssen es auch gemeinsam finanzieren, was in Ordnung ist, doch es kann nicht sein, dass wir nur als Sponsor angesehen werden und einen Scheck bezahlen und alles andere entscheidet jemand anderer. So etwas werden wir niemals tun. Und auch wenn das die öffentliche Wahrnehmung ist, wird das niemals passieren."

"Doch wie ich schon sagte: Wenn wir für ein oder zwei Jahre einen Umweg machen müssen, um die Kontrolle zu erlangen, dann ziehen wir das in Betracht, solange unsere Marke respektvoll präsentiert wird und wir daraus die maximalen Vorteile für unsere Betreuung und den Verkauf haben. Doch es ging nicht nur um den Preis. Es gab viele Elemente, die dafür sorgten, dass wir keinen Vertrag machen konnten."

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