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  • 28.04.2017 20:02

  • von Dominik Sharaf

Analyse der Zeiten bestätigt Hamilton: "Haben Reifenproblem"

Die Longruns im Freien Training zeigen, wieso Ferrari in Sotschi den Ton angibt: Die Reifen sind sofort auf Temperatur - Mercedes strauchelt, aber hat noch Hoffnung

(Motorsport-Total.com) - Mercedes-Pilot Lewis Hamilton macht Probleme mit den Pirelli-Reifen für das schlechte Abschneiden der Silberpfeile im Freien Training zum Russland-Grand-Prix in Sotschi am Freitag verantwortlich. Wie der Ex-Weltmeister nach seinem vierten Platz und 0,709 Sekunden Rückstand auf Sebastian Vettel erklärt, hätten ihm die Pneus Rätsel aufgegeben: "Manchmal arbeiten sie, manchmal nicht, was seltsam ist", schüttelt Hamilton den Kopf und folgert: "Wir haben ein Problem mit den Reifen."

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton hat in Sotschi mit den Reifentemperaturen seine liebe Mühe Zoom

Das Thema ist altbekannt. Jedoch sahen die Schwierigkeiten in Australien und in Bahrain noch ganz anders aus. Mercedes beklagte Überhitzen, nun kommen die Reifen nicht auf Temperatur. Es könnte an dem glatten Asphalt in Sotschi und niedrigen Temperaturen von 17 Grad Celsius liegen, doch die Konkurrenz bewältigt das Kunststück unter diesen Bedingungen: "Ferrari schafft es anscheinend, im Arbeitsfenster zu bleiben", sagt Hamilton. "Für uns stellt das derzeit die Herausforderung dar."

Eine Erklärungsmöglichkeit ist, dass Mercedes am W08 im Rahmen der Testfahrten in Bahrain etwas umgebaut hat, was in der Wüstenhitze funktionierte - am Schwarzen Meer aber über das Ziel hinausgeschossen ist. Ein Blick auf die Longrun-Zeiten im Vergleich mit Ferrari verdeutlicht, dass Hamilton keine Temperatur in die Gummis bekam. Vettel erzielte bei seinem Versuch auf gebrauchten Supersoft im ersten Umlauf sofort Runde in 1:37.478 Minuten und die beste Zeit des Stints.


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Anschließend hielt er das Tempo, ohne eine Runde zum Abkühlen einlegen zu müssen. Auf Ultrasoft zeigte sich das gleiche Bild, wieder gelang dem Deutschen der persönlich stärkste Umlauf in 1:38.336 Minuten nach dem ersten Überqueren des Zielstrichs. Währenddessen mühte sich der Brite mit kalten Reifen: Auf Ultrasoft brauchte er acht Versuche bis zur Bestmarke von 1:39.480 Minuten - eine Sekunde langsamer als Vettel. Immerhin funktioniere der Supersoft nach zwei Aufwärmrunden, wenn auch nicht beständig und im Schnitt rund zwei Zehntelsekunden über Ferrari-Niveau.

Lewis Hamilton

Macht sich noch keine Sorgen um das Russland-Rennen: Lewis Hamilton Zoom

Für Hamilton lassen die Zahlen einen bitteren Schluss zu: "Die Ferrari sind definitiv die Schnellsten. Sie waren es schon das ganze Jahr über. Das Problem ist, dass wir die Reifen überhaupt nicht ans Arbeiten bekommen." Er scheint gar nicht zu wissen, wie oft er um den Kurs fahren muss, ehe er ein Auto hat, mit dem er attackieren kann. "Ein, zwei, drei, vier oder mindestens fünf - Ferrari wird nach zwei Runden besser und schneller", stöhnt er. Das ist schlecht für das Qualifying.

Aber: Mercedes vermochte 2017 im Zeittraining stets den Turbo zu zünden. Gelingt das in Sotschi erneut, ließe sich das Rennen vielleicht von der Spitze aus kontrollieren, zumal Hamilton bestätigt, dass sich am Speed des Autos gemessen alles auf Augenhöhe abspiele: "Es gibt keinen Unterschied zu den vorherigen Rennen. Die Wagen sind dicht beieinander." Er mache sich daher keine Sorgen und gäbe kein Problem, das sich nicht lösen ließe. "Ich denke nicht, dass wir auf unserem höchsten Niveau unterwegs waren", lässt Hamilton - und behauptet, Sebastian Vettel würde die Nebelkerzen werfen.