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Allison: "Kimi hat nichts von seinem Speed eingebüßt"

Lotus-Technikchef James Allison freut sich auf die Zusammenarbeit mit Kimi Räikkönen und erläutert im Interview die Neuerungen am E20

(Motorsport-Total.com) - Nächste Woche beginnen in Jerez de la Frontera die Testfahrten, doch Lotus hat schon heute in Enstone den neuen E20 vorgestellt. Technisch wurde einiges aus der vergangenen Saison übernommen, vieles aber auch nicht - das Front-Auspuffsystem musste beispielsweise verworfen werden. Technikchef James Allison erklärt im Interview, was sich sonst noch geändert hat und warum er sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Fahrern Kimi Räikkönen und Romain Grosjean freut.

James Allison

James Allison blickt optimistisch auf die kommende Formel-1-Saison Zoom

Frage: "James, wie sehr erwartest du, dass sich das Jahr 2012 vom Jahr 2011 unterscheiden wird?"
James Allison: "Wenn man sich das Reglement nur oberflächlich durchliest, könnte man meinen, dass es nicht viele Änderungen gibt, aber ein paar versteckte und gar nicht unerhebliche Änderungen gibt es dann doch. Am gravierendsten ist die Änderung, die den Auspuff betrifft. Die Teams haben 2011 in der Zeit um Silverstone entschieden, dass wir auspuffangeströmte Diffusoren loswerden sollten. Allein dieser Punkt erfordert ein ganz anderes Designkonzept."

Auspuff das dominierende Thema

"Die Designs waren in jüngerer Vergangenheit stark von der Konfiguration des Auspuffs beeinflusst. Die Absicht ist, das zu verhindern. Die Regeln in Bezug auf die Auspuffgeometrie werden untermauert von Regeln zum Betrieb des Motors, die nicht im Technischen Reglement niedergeschrieben sind, sondern in Form einer technischen Direktive sehr spät im vergangenen Jahr ausgehändigt wurden. Obwohl es in Silverstone eine grundsätzliche Einigung gab, dauerten die Diskussionen bis Mitte November an."

"Die Herausforderung war, die Entwicklung voranzutreiben, während immer wieder neue Details definiert wurden. Wir mussten versuchen, aus jeder Version das Beste zu machen, wenn neue Regeln herauskamen, und wir mussten gleichzeitig raten, wie das Reglement letztendlich aussehen wird. Das war ein Bereich, der uns sehr beschäftigt hat, aber die anderen Teams sicher auch, schätze ich."


Präsentation des Lotus-Renault E20

Frage: "Inwieweit werden sich die neuen Regeln auf das Geschehen auf der Strecke auswirken?"
Allison: "Bei den vorjährigen Autos gab es viele verschiedene Auspuff-Layouts, die unterschiedlich erfolgreich waren. Wenn die neuen Regeln wirklich dazu führen, dass sich der Auspuff nicht mehr so stark auf die Performance auswirkt, dann ist das eine Gelegenheit, das Kräfteverhältnis neu zu ordnen."

Frage: "Mit welchen Gefühlen blickst du der Arbeit mit zwei neuen Fahrern entgegen?"
Allison: "Romain legte Ende der vergangenen Saison zwei sehr vielversprechende Trainings hin, nachdem er über ein Jahr lang nicht mehr Formel 1 gefahren war. Er sprang ins Auto und war sofort so konkurrenzfähig wie unsere damaligen Rennfahrer, was wir sehr beeindruckend fanden. Das ist ein Grund, warum er dieses Jahr im Auto sitzt. Kimis Test im R30 in Valencia zeigte, dass auch er nichts von seinem Speed eingebüßt hat und dass er voll motiviert ist. Es ist toll für uns, mit einem Fahrer von solcher Qualität zusammenzuarbeiten."

Einige alte Teile beibehalten

Frage: "Was ist am E20 komplett neu und was kommt einem bekannt vor?"
Allison: "Einige Teile sind ein komplett neues Design, während wir in anderen Bereichen die besten Teile der Designphilosophie vergangener Jahre weiter optimiert haben. Was den Auspuff angeht, wäre unser nach vorne gerichtetes System unter den neuen Regeln illegal. Außerdem hat es die Erwartungen ohnehin nicht erfüllt. Also haben wir uns davon verabschiedet und ein komplett neues Design entwickelt."


Fotos: Präsentation des Lotus-Renault E20


"Vorder- und Hinterradaufhängung wurden fundamental überarbeitet, was uns neue aerodynamische Möglichkeiten erschließen sollte. Der Frontflügel ist die Fortsetzung des Konzepts, an dem wir schon arbeiten, seit die 2009er-Regeln veröffentlicht wurden. Beim Heckflügel haben wir uns bemüht, ein zufriedenstellendes Level an Heck-Anpressdrucks-Stabilität zu erreichen und gleichzeitig das DRS-Potenzial zu maximieren."

Frage: "Welche Leistung erwartest du vom E20?"
Allison: "Wir haben lang und hart an diesem Auto gearbeitet. Wir haben versucht, mit der fortlaufenden Verfeinerung der Regeln mitzugehen, aber wir können erst einschätzen, wie gut wir gearbeitet haben, wenn wir bei den Tests mit dem Auto fahren. Aber das wahre Bild wird sich wie immer erst im Qualifying in Melbourne zeigen."

Stressige Saison bis November

Frage: "Der Testkalender sieht dieses Jahr anders aus. Bis Februar tut sich gar nichts, dann folgen drei Wintertests und dann noch ein Test während der Saison in Mugello. Macht das einen Unterschied?"
Allison: "Der Testkalender mit Mugello während der Saison gibt uns ein klares Ziel für die Saisonmitte vor. Wenn es etwas besonders Ambitioniertes gibt, was wir am Jahresanfang nicht erreichen können, dann ist das der Zeitpunkt, an dem man noch Upgrades testen kann. Wenn man neue Teile am Freitag testet, ist das immer ein schlechter Kompromiss."

Frage: "Es sind 20 Rennen geplant und ein Test während der Saison. Wie intensiv wird die bevorstehende Saison?"
Allison: "Die größte Herausforderung bei 20 Rennen ist, so viel Ausdauer mitzubringen. Wir haben für die aktuellen Regeln hinsichtlich Testverbot und ohne Testteam genau die richtige Größe. Alle Ressourcen für die Rennen kommen tatsächlich vom Rennteam. Es gibt 20 Rennen und davor drei Wintertests im Februar - und die Saison dauert bis Ende November. Abgesehen von einer kurzen Sommerpause im August stehen die Jungs, die reisen müssen, ständig unter Strom. Die Herausforderung ist, während so einer langen Saison nicht die Energie zu verlieren."

Lotus-Renault E20

Der Lotus-Renault E20 verfügt ebenfalls über einen Höcker auf der Nase Zoom

Frage: "Es ist die zweite Saison nach Pirellis Rückkehr in die Formel 1. Was kann man von den 2012er-Reifen erwarten?"
Allison: "Beim Test in Abu Dhabi sind wir Ende vergangenen Jahres schon damit gefahren. Es ist schwierig, daraus klare Schlüsse zu ziehen, weil wir nicht mit unseren Stammfahrern getestet haben und es schwierig war, die Performance der Reifen einzuschätzen. Aber wir konnten schon erkennen, dass die 2012er-Konstruktion hinsichtlich der Performance nicht erheblich anders ist als die 2011er. Abwarten muss man noch, wie aggressiv Pirelli an die Mischungen herangeht. Ich erwarte keine großen Änderungen."

Frage: "2012 ist die zweite Saison mit DRS. Können wir da irgendwelche Änderungen erwarten?"
Allison: "Viele Teams, uns eingeschlossen, verbrachten vergangenes Jahr viel Zeit damit, die richtige Balance zwischen Stabilität und Luftwiderstands-Unterschied zu finden. Ein Jahr später wird es ein bisschen einfacher, das richtig hinzubekommen. Für die FIA, die dafür verantwortlich ist, die DRS-Zonen auf den Strecken festzulegen, war im Vorjahr jede Strecke ein neues Abenteuer. Jetzt haben sie schon eine ungefähre Vorstellung, wo man die DRS-Zone platzieren muss. An Stellen, wo das Überholen im Vorjahr zu einfach war, werden sie Anpassungen vornehmen, um 2012 bessere Ergebnisse zu erzielen."

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