powered by Motorsport.com

Adrian Sutil im großen 'F1Total.com'-Interview (3)

Im dritten und letzten Teil unseres großen Interviews spricht Adrian Sutil über seine Ziele in der Formel 1, seinen Weg dorthin und vieles mehr

(Motorsport-Total.com) - In weniger als 70 Tagen beginnt in Australien die Formel-1-Saison 2007 - und trotz des Rücktritts von Michael Schumacher werden auch in diesem Jahr wieder vier Deutsche am Start sein. Vierter Mann im Bund neben Nick Heidfeld, Ralf Schumacher und Nico Rosberg ist Adrian Sutil, der vor Weihnachten von Spyker unter Vertrag genommen wurde.

Adrian Sutil

Adrian Sutil bereitet sich derzeit intensiv auf sein erstes Formel-1-Rennen vor Zoom

Im dritten Teil und letzten Teil des großen Interviews, für das sich 'F1Total.com' in München mit dem 23-Jährigen traf, spricht Sutil unter anderem über die Bürde der Nachfolgespekulationen um Michael Schumacher, seinen Weg in die Formel 1 und was Spyker-Teamchef Colin Kolles damit zu tun hatte sowie seine Vorbereitungen auf das erste Rennen in Melbourne, dem er bereits wie ein kleines Kind entgegenfiebert.#w1#

Sutil gönnt Schumacher die Rente

"Das finde ich natürlich toll, dass ich quasi der erste Deutsche nach Michael Schumacher bin." Adrian Sutil

Frage: "Adrian, Michael Schumacher hat aufgehört, eine Ära ist vorbei und die Nachfolgersuche in Deutschland ist in vollem Gange. Du bist ja sozusagen heuer sein direkter Nachfolger."
Adrian Sutil: "Ja, das finde ich natürlich toll, dass ich quasi der erste Deutsche nach Michael Schumacher bin. Das freut mich sehr. Ich finde es auch ganz gut, dass er jetzt in Pension ist. Das hat er sich redlich verdient. Er war ein toller Rennfahrer, gar keine Frage, und er hat den Motorsport in Deutschland nach ganz oben gebracht. Aber jetzt bleibt halt mehr Zeit für die anderen jungen deutschen Fahrer. Es wird viel mehr Aufmerksamkeit da sein, vielleicht auch mehr Druck für die Fahrer. Aber ich finde das in Ordnung, wenn einfach mehr von den Deutschen, die wir jetzt haben, berichtet werden wird. Und ich hoffe natürlich, dass es bei mir supergut vorangeht."

Frage: "Wenn wir de Angelis als Beispiel noch mal heranziehen - als hervorragender Klavierspieler -, wie wäre es analog zu ihm mit 108 Grands Prix, zwei Siegen, drei Pole Positions und dem dritten WM-Platz?"
Sutil: "(lacht; Anm. d. Red.) Das wäre für den Anfang natürlich völlig okay, aber über die längere Sicht ist natürlich mehr geplant. Nein, ernsthaft: Erfolgreich in der Formel 1 zu fahren ist natürlich das Ziel, dass man im Auge behalten sollte."

Frage: "Würdest du rückblickend sagen, dass das Jahr in Japan für dich positiv war? Es gab ja einige erfolgreiche Fahrer, wie beispielsweise Jacques Villeneuve, Heinz-Harald Frentzen, Ralf Schumacher, Eddie Irvine oder auch Mika Salo, die den gleichen Umweg gegangen sind?"
Sutil: "Also ich fand es absolut hilfreich. Ich habe dort alleine gelebt, ich wohnte ja bislang immer bei meinen Eltern. Somit wurde ich direkt nach Japan verfrachtet, hatte eine eigene Wohnung und war zunächst einmal schockiert. Es war am Anfang eine schwere Zeit, aber ich habe sehr viel über mich selbst gelernt."

Frage: "Kannst du ein bisschen Japanisch?"
Sutil: "Ich habe ein paar Wörter gelernt, aber es ist eine schwierige Sprache. Am Ende des Jahres habe ich wirklich versucht, so viele Wörter wie möglich mitzunehmen, weil ich das Land wirklich liebe. Es ist für mich eines der schönsten Länder überhaupt und ich habe alles getan, um da auch dazuzugehören."

Training am Nürburgring ein großer Erfolg

"Es war - glaube ich - das erste Mal, dass das damalige Midland-Team in den Top 10 im Freien Training war." Adrian Sutil

Frage: "Nürburgring 2006, war das damals so nach dem Motto: 'Ich kam, sah und siegte'?"
Sutil: "(lacht; Anm. d. Red.) Ja, so ungefähr. Das war ein Riesenerfolg. Es war - glaube ich - das erste Mal, dass das damalige Midland-Team in den Top 10 im Freien Training war. Das war richtig toll, vor allem weil ich davor nur einen Test in Valencia hatte."

Frage: "Und der war im Februar..."
Sutil: "Der war im Februar, das war eine lange Zeit bis dahin. Dazu hatte ich am Freitag auch nur zwei Stunden in dem Auto und bin vom Formel 3 direkt in den Formel 1 umgestiegen. Ich hab ehrlich nicht damit gerechnet. Aber alle waren natürlich begeistert und das hat mir schon sehr viel gebracht für 2007, da habe ich schon mal eine Visitenkarte dagelassen."

Frage: "Nürburgring zweimal Zehnter, dann Magny-Cours als Fünfter und Siebter?"
Sutil: "Da ging es dann noch weiter nach vorne. Obwohl ich lange Zeit nicht im Auto saß, kam ich sehr gut zurecht. Magny-Cours ist auch eine einer meiner Lieblingsstrecken. Unglaublich, ich habe echt nicht gedacht, dass es noch besser gehen würde, aber ein fünfter und ein siebter Rang, das war schon einmalig."

Frage: "Also wenn man dich so sprechen hört, dann war der Motorschaden in Suzuka das einzig weniger positive Erlebnis der Saison 2006?"
Sutil: "Genau, das hat mich natürlich geärgert und ich war schon ein bisschen traurig zu hören, dass ich dort nicht weiterfahren konnte."

Frage: "Im Regen warst du ja Fünfter..."
Sutil: "Ja, im Regen ist es gut gegangen. Die Bridgestone-Reifen waren zwar nicht so optimal, aber ich bin super zurechtgekommen und war im Regen auf Platz fünf schnellster Bridgestone-Pilot. Ich war richtig schnell unterwegs und ich habe nur gehofft: 'Bitte werde endlich trocken, ich möchte jetzt endlich im Trockenen fahren', denn Suzuka ist einfach die tollste Strecke für einen Formel 1. Ich kenne den Kurs gut, er ist mit einem Formel 3 schon toll zu fahren. Eigentlich habe ich schon gedacht, dass ich da mal so richtig einen hinbrennen kann, aber gut, der Motorschaden hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Sutil hat Kolles viel zu verdanken

Colin Kolles

Spyker-Teamchef Colin Kolles hat Adrian Sutil zum Formel-1-Debüt verholfen Zoom

Frage: "Colin Kolles ist eine wichtige Figur in deiner Karriere. Er hat dich damals in die Formel 3 gebracht, er hat dir deinen ersten Formel-1-Test in Valencia ermöglicht und jetzt hat er dich - mehr oder weniger - zum Stammfahrer befördert."
Sutil: "Ja, er ist auf jeden Fall eine wichtige Person, ich habe ihm viel zu verdanken. Ich habe ihn 2003 kennen gelernt, als ich Formel BMW gefahren bin, und da hatten wir, mein Manager Manfred Zimmermann und ich, einmal angefragt, um eventuell in seinem Formel-3-Team einen Test zu machen. Das klappte Ende 2003 in Magny-Cours und ich war bei meinem ersten Formel-3-Test gleich schneller als die damaligen Stammfahrer Jamie Green und Charles Zwolsman. Das Team war damals nicht wirklich gut und es gab immer Diskussionen, an was es denn liegen könnte. Und dann kam ich daher und habe Colin davon überzeugen können, dass sein Auto nicht so schlecht war."

"Zwei Tage später hatten mein Manager und ich einen Termin bei Norbert Haug. Colin hat das alles sehr unterstützt und sagte auch zu Norbert Haug: 'Das ist mein Mann, den will ich für 2004 haben', und er hat mir dadurch sicherlich mit zum Mercedes-Juniorvertrag verholfen. In diesem Mercedes-Fahrerkader waren damals Robert Kubica, Bruno Spengler und Jamie Green.. Als dann Ende 2004 zum letzten Rennen in Hockenheim das Siegerauto von ASM durch einen Unfall von Eric Salignon frei wurde, war das natürlich eine große Chance für mich, und mein Manager hat Frederic Vasseur so lange genervt, bis wir die Zusage für das letzte Rennen im ASM hatten. Colin war sehr loyal und hat mir die Freigabe gegeben. Ich bin dann sofort ohne einmal im ASM gesessen zu haben auf Pole gefahren und konnte beide Stammfahrer Green und Premat hinter mir lassen. Das hat mir dann für 2005 den Platz bei ASM ermöglicht."

"Dann hatten wir ein Jahr lang wenig Kontakt zu Colin Kolles, aber Ende 2005 haben wir ihn in Spa besucht. Wir wollten einfach mal sehen, was er in Sachen Formel 1 so sagt, und dann ging es allmählich los. Wir fragten, ob es möglich sei, einmal einen Formel-1-Test zu bekommen, und über den Winter wurde hart verhandelt. So sprang dann für 2006 insbesondere mit der Hilfe von 'Medion' der erste Formel-1-Test und der Testfahrervertrag heraus. Colin Kolles hat mir die Formel 1 letztendlich auch mit ermöglicht, denn er hat immer gesagt: 'Ich weiß, was der Adrian kann.' Wir hatten aber von Anfang an vor, neben dem Formel-1-Testprogramm eine Rennserie zu fahren."

Eigentlich wollte Sutil 2006 in die GP2

"Es sollte eigentlich auch GP2 werden, aber die besten Teams waren bereits besetzt." Adrian Sutil

Frage: "Aber zu dem Zeitpunkt hattest du ja schon zwei Jahre Formel 3 hinter dir?"
Sutil: "Ja, es sollte eigentlich auch GP2 werden, aber die besten Teams waren bereits besetzt, und wir dachten, wir müssten ein Jahr machen, in dem wir auch erfolgreich sind. Toyota hatte sich angeboten, Colin kannte die Leute von TOM'S und hat gesagt: 'Das ist sehr gut, macht das.' Das war sehr wichtig, denn er kannte die TOM'S-Mannschaft in Japan. Er sagte, dass die sehr professionell seien, und wenn ich da eine gute Performance hinlegen könnte, dann würde es auch mit meiner Zukunft weitergehen. Das hat alles gut geklappt, und dann kam die große Überraschung für 2007."

Frage: "Du hast ja bald Geburtstag und - wenn man so will - du kommst aus dem Feiern gerade gar nicht mehr raus, oder?"
Sutil: "(lacht; Anm. d. Red.) Nein, nein, für mich ist es eine große Party, dass ich jetzt in der Formel 1 bin. Geburtstage feiere ich hoffentlich noch viele. Ich werde es natürlich nicht krachen lassen. Es gibt so viel Motivation, ich bin so gut drauf, es ist einfach toll."

Frage: "Wenn du drei Wünsche für Melbourne 2007 hättest, was wären die?"
Sutil: "Erstmal ein Top-Qualifying abzuliefern und, wenn es geht, natürlich den Teamkollegen hinter sich zu lassen. Auf jeden Fall ins Ziel zu kommen, ein gutes Rennen zu haben, viele Zweikämpfe zu haben und dadurch die Leute zu beeindrucken. Es ist schwierig, jetzt Prognosen abzugeben, wo man denn letztendlich landen könnte. Ein Wunsch ist es natürlich, mit diesem Auto das Bestmögliche zu machen. Keinen Unfall, keine Fehler und am Ende vor dem Teamkollegen sein."

Frage: "Und bis dahin gibt es ein umfangreiches Fitnessprogramm?"
Sutil: "Ja, bis dahin ist ein absolut hartes Training angesagt, was mir auch sehr viel Spaß macht. Ich habe ziemlich Glück, dass jetzt gerade so gutes Wetter ist und man soviel machen kann. Jeden Tag Joggen, so elf bis zwölf Kilometer, und danach noch Krafttraining. Heute machen wir zum Beispiel noch Spinning und Schwimmen, echt ein hartes Programm. Aber ich habe wie gesagt einen super Fitnesstrainer, es macht viel Spaß. Ich habe halt das Ziel vor Augen, ich tue alles dafür, ich bin richtig motiviert."

Frage: "Wann stehen für dich die ersten Testfahrten an?"
Sutil: "Die ersten Tests sind am 6. und 7. Februar, davor geht es zur Teampräsentation und ein paar Tage in die Fabrik, um die letzten Feinheiten am Sitz anfertigen zu lassen. Über die Weihnachtstage war es schön ruhig, aber ab jetzt geht es superschnell dahin."