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60 Jahre Lotus: Das Vermächtnis von Colin Chapman

Zum 60-jährigen Jubiläum des Formel-1-Traditionsteams Lotus blicken wir zurück auf Triumphe und Tragödien rund um Konstrukteur und Teamchef Colin Chapman

(Motorsport-Total.com) - Monte Carlo im Mai 1958: Erstmals rollen Fahrzeuge mit der Bezeichnung Lotus in die Startaufstellung. Beim zweiten Rennen der Formel-1-Saison ahnt noch niemand, dass dies der Anfang einer Erfolgsstory ist. Denn Lotus wird die Grand-Prix-Szene in den folgenden Jahrzehnten teilweise dominieren, aber vor allem immer wieder überraschen. Mehr noch: Das Team von Colin Chapman wird sich mit seinen gewagten, aber ausgeklügelten Konstruktionen regelmäßig als Trendsetter erweisen und ganze Ären prägen.

Jim Clark

Jim Clark im Lotus 49 aus dem Jahr 1967, kurz bevor die Autos Flügel bekamen Zoom

Die Heldentaten von Lotus liegen inzwischen aber schon in der Vergangenheit: Das Rennteam gibt es nicht mehr. Vor 24 Jahren bestritt das ursprüngliche Lotus-Team seine letzte Grand-Prix-Saison. Gründer und Chefdesigner Chapman hat das schon nicht mehr miterlebt: Er war 1982 im Alter von 54 Jahren verstorben und war somit kein Zeitzeuge, wie seine Mannschaft zur Mitte der 1980er-Jahre noch einmal für Schlagzeilen sorgte, ehe der schleichende Niedergang des Teams einsetzte. Lotus, das ehemalige Meisterteam der Formel 1, verabschiedete sich 1994 punktelos aus dem Grand-Prix-Sport.

Geblieben ist neben dem klingenden Teamnamen vor allem die Erinnerung an viele bahnbrechende Innovationen von Chapman und Co. 1962 etwa führte er ein Chassis aus einem Guss in die Formel 1 ein. Sein Fiberglas-Monocoque verbesserte nicht nur die Haltbarkeit des Fahrzeugs, sondern auch die Sicherheit des Piloten.

Chapman war und blieb ein Pionier

Ende der 1960er-Jahre zählte Chapman wiederum zu den Pionieren, indem er seinen Rennautos wie dem Lotus 49B Flügel verlieh, um mehr Anpressdruck zu genieren. Er war einer der ersten Designer, die die Kühler von der Fahrzeugfront in die Seitenkästen versetzten, um mit dem Lotus 72 weniger Luftwiderstand zu haben. Auch diese Ideen machten Schule - und zählen bis heute zu den grundlegenden Charakteristiken von Formel-1-Rennwagen.

Und Chapman blieb innovativ: Ende der 1970er-Jahre setzte er mit dem Lotus 79 ein komplett auf den sogenannten Bodeneffekt getrimmtes Fahrzeug ein. Mithilfe des ansteigenden Unterbodens am Heck und der seitlichen Schürzen klebte das Auto regelrecht auf dem Asphalt - bis der Automobil-Weltverband dieses Design 1981 offiziell verbot.


Fotostrecke: Die schönsten Formel-1-Autos von Lotus

Doch Chapman war mehr als nur ein findiger Konstrukteur mit einer Nase für technischen Fortschritt, er war auch kommerziell ein Visionär: Als Rennautos noch in den zu der damaligen Zeit typischen "Nationalfarben" wie Grün (britisch), Rot (italienisch) oder Blau (französisch) fuhren, schickte Chapman seine Rennwagen als einer der Ersten als fahrende Reklame auf die Strecke - im Design seiner Sponsoren. Auch dieser Ansatz ist dem Motorsport bis heute erhalten geblieben.

Triumphe und Tragödien

Lotus - dieser Name steht sowohl für bahnbrechende Erfindungen und sportliche Erfolge, aber auch für große Tragödien. Chapmans Lieblingsfahrer und enger Freund Jim Clark etwa gewann mit Lotus-Autos sowohl die Formel-1-WM und die 500 Meilen von Indianapolis, fand aber auch in einem Formel-2-Fahrzeug von Lotus seinen Tod. Jochen Rindt, der einzige posthume Formel-1-Weltmeister der Geschichte, starb ebenfalls in einem von Chapman entwickelten Rennwagen.

Colin Chapman und Jim Clark

Zwei Formel-1-Legenden im Gespräch: Colin Chapman und Jim Clark Zoom

So genial die Konstruktionen von Chapman waren, so fragil und risikobehaftet waren diese Schöpfungen manchmal auch. Kein Wunder: Chapman war ein Freund der Extreme. "Jedes Auto, das ein komplettes Rennen in einem Stück bestreitet, ist zu schwer" - so lautet eines der Zitate, das ihm zugeschrieben wird. Chapman und Lotus waren bekannt dafür, die Grauzonen des Reglements maximal auszuloten und die Grenzen des technisch Machbaren immer weiter zu verschieben.

Nach dem Tod des genialen Gründers aber schwand die Innovationskraft des britischen Privatteams. Der junge Ayrton Senna bescherte dem Rennstall ab 1985 die letzten großen Siege und ein letztes Aufbäumen, sein brasilianischer Landsmann Nelson Piquet 1988 den letzten Podestplatz. Johnny Herbert fuhr 1993 als letzter Lotus-Fahrer in die Punkte. Beim letzten Grand-Prix-Einsatz des Teams in Adelaide 1994 schieden beide Autos vorzeitig aus.

Was bleibt, ist die Erinnerung an einige der vielleicht schönsten Formel-1-Autos aller Zeiten und ihren genialen Konstrukteur. Auch über zwei Jahrzehnte nach dem Aus des Lotus-Teams. Und 60 Jahre nach dem ersten Renneinsatz der Traditionsmarke.

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