Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Sheldon van der Linde

Der Zauber ist verflogen: Der Sachsenring hat deutlich gemacht, dass Sheldon van der Lindes BMW-Meisterauto 2023 ein Schatten seiner selbst ist - Aber was läuft schief?

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Titel-Bild zur News: Sheldon van der Linde

Sheldon van der Linde: Ist die DTM-Titelverteidigung bereits gescheitert? Zoom

Podestplätze oder zumindest Top-5-Ergebnisse hatte DTM-Champion Sheldon van der Linde vor dem Sachsenring-Wochenende eingefordert, um doch noch in den Titelkampf eingreifen zu können. Doch statt mit 35 Punkten Rückstand reist der Viertplatzierte in der Meisterschaft nun mit einem Defizit von 60 Punkten auf Leader Mirko Bortolotti ab.

Und das mit einem heftigen Crash in den Gliedern - noch dazu mit der Erkenntnis, dass der BMW M4 GT3 auf dem Sachsenring völlig von der Rolle war. Das beweisen die auf dem überholfeindlichen Kurs entscheidenden Qualifyings.

Eine Sekunde fehlte Sheldon van der Linde am Sonntag im DTM-Meisterauto des Vorjahres auf die Pole-Zeit, Schubert-Teamkollege Rene Rast war als bester BMW-Pilot nur minimal schneller. Startplatz 16 war dann einer der Gründe, warum der BMW des 25-Jährigen nach einer Kettenreaktion in der ersten Runde völlig demoliert wurde und ihm selbst fast zehn Sekunden lang die Luft wegblieb.

Am Vortag hatte er noch Glück gehabt, weil er nach Platz elf im Qualifying durch Gridstrafen der Konkurrenz um vier Startplätze nach vorne gespült wurde und am Ende im Rennen Platz sechs rettete.

Eine Sekunde Rückstand trotz "optimaler Runde"?

Aber warum war Sheldon van der Linde auf dem Sachsenring chancenlos? Eine Sekunde Rückstand ist in einer Serie mit Balance-of-Performance-Einstufung bei 1:17er-Zeiten eine Welt. Laut Teamchef Torsten Schubert lag der Fehler aber nicht beim Piloten, der wie Teamkollege Rast eine "optimale Runde" erwischt habe.

Denn der große und lange M4 GT3, der im Vorjahr sensationell im ersten DTM-Jahr Meister wurde, tat sich auf dem Sachsenring besonders schwer. Das liegt daran, dass das Auto im Gegensatz zu den wendigen Boliden von Porsche, Audi, Ferrari oder Lamborghini nicht nur in engen Ecken Schwierigkeiten hat, sondern auch beim Einlenken in mittelschnelle Kurven, in denen der Fahrer nicht auf der Bremse steht.

Das würde erklären, warum man auf dem Sachsenring in allen Sektoren schwächelte, zumal es kaum lange Geraden gibt, auf denen man den Nachteil des langen Radstands durch mehr Ladedruck - also Motorleistung - kompensieren könnte.

Schubert-Team will keine zusätzliche Motorleistung mehr

Dabei hat die SRO Motorsports Group am Sonntag vor dem Rennen noch einmal ordentlich an der BoP-Schraube gedreht und dem M4 GT3 für das Rennen einen Ladedruck von 2,76 bar erlaubt. Das ist so viel wie noch nie in dieser Saison und führte dazu, dass der BMW auf einen Topspeed von 228 km/h kam - und damit um fast zehn km/h schneller war als zum Beispiel Thomas Preining im Porsche.


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Über mehr Topspeed auf den Geraden würde sich so mancher Hersteller in der DTM freuen, da man meist nur so auch im Rennen an Konkurrenten vorbeikommt. Bei Schubert ist man damit aber nicht unbedingt glücklich. Den BMW also leichter machen?

Geht nicht, heißt es beim Topteam der Münchner, weil man wegen Kamera-Equipment etc. nicht mehr viel Spielraum nach unten hat. Stattdessen sollte man die anderen Boliden mit mehr Ballast versehen, fordert Schubert.

Warum der Zauber des M4 GT3 verflogen ist

Aber warum hat es 2022 in der DTM funktioniert, als das Potenzial des Autos noch gar nicht ausgelotet war - und dieses Jahr nicht? Das hat mit der schwierigen Einstufung der GT3-Fahrzeuge zu tun, die durch die unterschiedlichen Konzepte notwendig ist. Denn die Geschichte zeigt, dass neue GT3-Autos meist "überperformen", weil die BoP-Macher noch nicht genügend Daten zur Verfügung haben und stets einen Schritt hinterher sind.

2016 gelang zum Beispiel im ersten Jahr des Mercedes-AMG GT3 gleich ein Vierfach-Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Und auch in der DTM zeigt sich aktuell ganz klar, dass der deutlich überarbeitete Lamborghini und der neue Porsche am stärksten sind.

Cleverer als die BoP: So wurde Schubert 2022 Meister

Auch der Schlüssel zu Sheldon van der Lindes DTM-Titel im Vorjahr, als er auf dem Lausitzring als einziger in der gesamten Saison beide Rennen am einem Wochenende gewann, war darauf zurückzuführen: Denn durch die Überschneidung mit dem ADAC-GT-Masters-Wochenende war Schubert-Teammanager Marcel Schmidt am Donnerstag noch beim Test in Spielberg, wo man entscheidende Fortschritte mit dem M4 GT3 machte.

Damit überraschte man den damalige BoP-Dienstleister AVL Racetech, der dadurch "relativ viel gelernt" habe, erzählte Schmidt nach der Saison 2022 meinem Kollegen James Newbold. "Das war das zweite Saison-Wochenende und sie hatten noch nicht genügend Daten, um das Auto bei der BoP richtig einzustufen."

Dieses Jahr machte Schubert mit dem Auto durch Verbesserungen an der Bremse vor der Saison noch einmal einen deutlichen Sprung, was den einzigen BMW-Saisonsieg durch van der Linde auf dem Norisring erklärt. Der Zauber des Vorjahres ist aber verflogen.

DTM-Kalender des ADAC liegt BMW nicht

Dazu kommt, dass die Pirelli-Reifen dem Auto weniger gut liegen als die Michelins aus dem Vorjahr und man sich auch am Rennkalender des ADAC, der 2024 übrigens unverändert bleibt, die Zähne ausbeißt. Denn während es 2022 unter der Leitung von Gerhard Berger noch mehr Strecken mit schnellen Kurven und langen Vollgas-Passagen wie Imola oder Spa gab, sind dieses Jahr Zandvoort, Oschersleben und Sachsenring neu im Kalender.

Während Zandvoort noch halbwegs passt, sind die neuen DTM-Kurse in Deutschland kein guter Boden für den M4 GT3. Und auch auf dem Lausitzring hat man die Lieblingspassage des Boliden - die Steilkurve Turn 1, in der die Aerodynamik Wirkung zeigt - durch ein Geschlängel ersetzt. Welch bittere Ironie, dass die Schubert-Truppe aus Oschersleben ausgerechnet zuhause besonders leidet.

Das einzig Positive an der aktuellen Situation? Das Schlimmste hat Sheldon van der Linde bereits hinter sich. Denn mit dem Red-Bull-Ring und seinen langen Geraden steht die traditionelle Lieblingsstrecke des M4 GT3 auf dem Programm. Dort braucht der Südafrikaner ein Wochenende wie 2022 auf dem Lausitzring, will er Bortolotti und Preining noch herausfordern.

Und dann steigt das Finale in Hockenheim, wo im Vorjahr Marco Wittmann im Walkenhorst-BMW siegte und van der Linde den Titel sicherstellte. Auch dort sollte ein Erfolg also nicht unmöglich sein. Bei 60 Punkten Rückstand sind noch 112 Punkte zu holen - es ist also noch nicht komplett vorbei.

Sven Haidinger

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