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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Robin Frijns

Seit Februar sprach Robin Frijns nur noch von seinem Heimspiel in Zolder: Jetzt hat er dort möglicherweise seiner Abt-Audi-Truppe die Saison zerstört

Robin Frijns

Der Schock für Abt-Audi: Robin Frijns knallt bei der Boxenausfahrt in die Leitplanke Zoom

Liebe Leserinnen und Leser,

Robin Frijns hat seiner Abt-Audi-Truppe in Zolder möglicherweise den Fahrertitel gekostet. Weil er nach dem Stopp bei der Boxenausfahrt auf kalten Reifen zu viel riskierte, landete er in den Leitplanken und zerstörte damit seine Vorderradaufhängung. Ein peinlicher Fehler mit enormen Folgen, denn damit war nicht nur sein Rennen kaputt, sondern auch das seines Teamkollegen.

Während der in Führung liegende Rosberg-Audi-Rivale Rene Rast auf den versuchten Undercut von Frijns' reagierte und mit viel Glück gerade noch rechtzeitig vor der Safety-Car-Phase an die Box kam, blieb Teamkollege Müller draußen.

Müller kann sich bei seinem Kumpel bedanken

Und musste dadurch seinen Pflichtboxenstopp nach dem Re-Start absolvieren - in Zolder die Höchststrafe, da man an der Box rund 50 Sekunden verliert! Da Müller nur Neunter wurde, schrumpfte sein Vorsprung auf Rast in der Meisterschaft - der vor Zolder noch 47 Punkte betrug - auf zehn Punkte zusammen! Kein Wunder, dass bei Abt-Audi nun die Nerven blank liegen.

Müller ist stinksauer auf die Rennleitung, die mit der Ausrufung der Safety-Car-Phase "die Meisterschaft beeinflusst". Dabei kann er sich vor allem bei Kumpel Frijns bedanken, der ihm mit seinem unnötigen Fehler einen Bärendienst erwiesen hat.

Ein Drama mit Ansage

War der Niederländer in Zolder übermotiviert? Gut möglich, denn eigentlich hätte es sein Wochenende werden sollen. "Robin redet seit Februar nur von Zolder. Ich kann es schon gar nicht mehr hören", meinte Müller vor der Reise nach Belgien, wo dieses Jahr gleich ein Double-Header - also vier Rennen - stattfindet.

Zolder ist eine von Frijns' Lieblingsstrecken - und zwar nicht nur, weil er die schnellen Kurven des engen Kurses liebt, der keine Fehler verzeiht und teilweise an die Nürburgring-Nordschleife erinnert. Denn auf dem Kultkurs, der Gilles Villeneuve das Leben kostete, traf der Niederländer mit sechs Jahren die Entscheidung, Rennfahrer zu werden.

Robin Frijns

Ekström-Nachfolger Frijns holte dieses Jahr seine ersten drei DTM-Siege Zoom

"Ich habe einen Freund meines Vaters begleitet, der in der Belcar-Serie aktiv war. Dort fing also alles an, und der Motorsport hat mich seitdem nie mehr losgelassen", erzählt der 29-Jährige, der nur 20 Minuten von der Strecke entfernt in Lanaken lebt. Nicht Assen, sondern Zolder ist also Frijns' Heimrennen.

Wie der Druck für Frijns immer größer wurde

Und mit dem neuen, mehr Grip bietenden Asphalt in Zolder schien für den Instinktfahrer alles angerichtet. Doch dann zeigte beim Auftakt trotz zweier Trainings-Bestzeiten, dass sich Frijns in den Longruns schwer tut. Umso größer war der Druck im Qualifying für den Abt-Audi-Piloten, der bis dahin als einziger Pilot in der Saison 2020 immer von einem der ersten drei Startplätze losfuhr.

Am Samstag lief mit Startplatz drei noch alles halbwegs nach Plan, aber am Sonntag rutschte Frijns im Qualifying zweimal von der Strecke - zudem wurde seine schnellste Runde gestrichen, weil er die Strecke wie viele andere abgekürzt hatte: nur Platz acht!

"Ein dummer Fehler"

Entsprechend groß war der Kampfgeist im Rennen: Frijns, der mit seinem Mut und seiner Zweikampfstärke der derzeit vielleicht spektakulärste Fahrer der DTM ist, bewies, dass man in Zolder doch überholen kann, wenn man wie er am absoluten Limit fährt.

Oder darüber hinausgeht. Das wurde dem vielleicht größten Talent unter den Audi-Werksfahrern dann bei der Boxenausfahrt zum Verhängnis. Was man Frijns hoch anrechnen muss, ist dass er keine Ausreden sucht.

"Es war ein dummer Fehler von mir", sagte er klipp und klar im 'Sat.1'-Interview. Dass Abt-Audi just am bittersten Tag der bislang höchsterfolgreichen Saison den Titel in der Teamwertung sicherstellte, ist bittere Ironie.

Warum noch nicht alles verloren ist

Jetzt muss der Niederländer rasch wieder in die Spur finden. Denn trotz des Schlags in die Magengrube ist in der Meisterschaft noch nicht alles verloren: Frijns ist zwar nicht mehr erster Verfolger von DTM-Leader Müller. Da dieser aber nur zwei mickrige Punkte holte, beträgt sein Rückstand auf die Spitze nun nur mehr 16 statt 18 Punkten.

Müller und Frijns müssen nun mehr denn je zusammenarbeiten, denn Rasts Fahrstil harmoniert perfekt mit den niedrigen Asphalttemperaturen und dem neuen Belag in Zolder. Er wird auch am kommenden Wochenende bärenstark sein. Und wenn Rast einmal Blut geleckt hat, dann ist er kaum noch zu bremsen.

Das weiß man nirgends besser als im Hause Abt: Denn 2017 fing Rast ausgerechnet Frijns' legendären Vorgänger Mattias Ekström im Titelrennen noch ab, obwohl dieser vor dem Finale in Hockenheim 21 Punkte Vorsprung auf den Rookie hatte. Jetzt gilt es, die Kräfte zu bündeln, um eine Wiederholung zu verhindern - und erstmals seit Timo Scheider im Jahr 2009 den DTM-Titel wieder nach Kempten zu holen.

Sven Haidinger

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