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Technik-Check: Wäre aktuelles DTM-Auto auf Nordschleife rennfähig?

DTM-Technikexperte Gordian von Schöning klärt, ob ein aktuelles DTM-Auto auf der Nürburgring-Nordschleife rennfähig wäre und welche Stellen besonders heikel sind

(Motorsport-Total.com) - Gerhard Berger träumt von einem Comeback der DTM auf der Nürburgring-Nordschleife nach 26 Jahren. Aber wäre ein Rennen auf der von Sprunghügeln und Steilkurven geprägten Berg-und-Talbahn mit einem aktuellen DTM-Boliden aus technischer Sicht überhaupt möglich?

Martin Tomczyk, BMW, Nordschleife

Tomczyk bei seiner Nordschleifen-Demo: Aber wäre die DTM dort auch rennfähig? Zoom

Um diese Frage zu klären, hat 'Motorsport-Total.com' beim ITR-Technikverantwortliche Gordian von Schöning nachgefragt, der maßgeblich am Bau des aktuellen BMW-Boliden beteiligt war und daher die aktuelle DTM-Generation so gut wie kaum ein anderer kennt.

"Es wäre definitiv umsetzbar, mit einem aktuellen DTM-Auto auf der Nordschleife Rennen zu bestreiten", antwortet von Schöning. "Man müsste davor aber ein paar Dinge überprüfen, denn das Fahrwerk ist natürlich nicht auf Kompressionen und Sprünge ausgelegt."

Welche Passagen für ein DTM-Auto am heikelsten sind

Tatsächlich sind die Belastungen auf der Nordschleife in gewissen Passagen höher als auf klassischen DTM-Kursen. Eine Erfahrung, die auch Martin Tomczyk bei seiner Demofahrt im Vorjahr machte, obwohl er den M4 nicht voll ausreizte.

Doch welche Stellen sind eigentlich am heikelsten? "In der Fuchsröhre ist die Kompression wohl am höchsten", verweist von Schöning auf die Highspeed-Senke, in der Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff vor zehn Jahren bei seinem Rekordversuch einen schweren Unfall hatte, weil der bereits beschädigte Reifen den Belastungen nicht mehr standhielt. "Zudem ist der Abtrieb dort durch die hohe Geschwindigkeit enorm."

Auch den Sprunghügel im Streckenabschnitt Pflanzgarten nennt von Schöning als heikle Stelle. Die größte Gefahr? "Es könnte zu unvorhersehbaren Situationen kommen, wenn das Fahrwerk durch die einwirkenden Kräfte an solchen Stellen aufhört zu arbeiten", sagt der Technikverantwortliche der DTM-Dachorganisation.

Wenn das Fahrwerk aufhört zu arbeiten ...

Doch was bedeutet das eigentlich, wenn ein Fahrwerk aufhört zu arbeiten? "Zuerst fährt man auf den Reifen, dann setzt man auf diesem Skidblock (am Unterboden angebrachte Holzplatte; Anm. d. Red.) auf", erklärt von Schöning. "Dadurch werden die Reifen entlastet, und das Gripniveau nimmt ab. Plötzlich werden die Seitenführungskräfte nicht mehr vom Reifen übertragen, sondern vom Holz, das wie ein Schmierbrett wirkt."

Ellen Lohr, 1993, Nordschleife

Außergewöhnliche Kräfte: Ellen Lohr 1993 auf dem Sprunghügel Zoom

Dadurch werde der Bolide "unberechenbar". Wenn der Reifen dann wieder Grip kriegt, könnte es das Auto zum Beispiel versetzen, was zu einem heftigen Unfall führen könnte.

Fahrwerk stark genug? So würde sich die DTM absichern

Wie kann man sich im Vorfeld absichern, dass das Fahrwerk den Belastungen entspricht? Von Schöning verweist auf das sogenannte "Lastkollektiv" - eine in der DTM genutzte Berechnungsgrundlage, um das Fahrwerk auszulegen. "Dieses Lastkollektiv ist auf unseren typischen DTM-Strecken entstanden", erklärt der ITR-Technikverantwortliche.

"Damals spielte Oschersleben eine Rolle, weil dort die Curbs sehr speziell sind. Man müsste also schauen, ob die Anforderungen der Nordschleife eventuell etwas höher sind oder ob das durch unser Lastkollektiv abgedeckt wird."


2016: Augusto Farfus im DTM-BMW auf der Nordschleife

Das könnte man entweder über eine Simulation in Erfahrung bringen, da die Hersteller durch ihre Einsätze auf der Nordschleife im Besitz entsprechender Daten sind, oder man stattet ein DTM-Auto mit speziellen Messgeräten aus, um die Werte auf der Nordschleife einzuholen.

Darum sollte DTM-Auto der Nordschleife gewachsen sein

Da es sich beim Fahrwerk aber um ein "Einheitsbauteil handelt, bei dem man nicht ans Limit gehen muss", wurde bei der Entwicklung laut von Schöning viel Spielraum zugunsten der Sicherheit gelassen, was ihn auch in Bezug auf die Nordschleife zuversichtlich stimmt. "Meine Einschätzung ist daher, dass unser Einheitsfahrwerk das aushält und auch diese Lasten abdeckt", sagt er.

Dazu kommt, dass sich die Nordschleife selbst im Jahr 2019 in einem deutlich DTM-tauglicheren Zustand als noch vor ein paar Jahren befindet. Erst dieses Jahr wurde die Neuasphaltierung von fast drei Kilometern der Strecke abgeschlossen.

Zudem wurden in den Streckenabschnitten Schwedenkreuz und Flugplatz Kuppen abgetragen , was für die DTM ebenfalls kein Nachteil ist. Beim Eingriff handelte es sich um die umfangreichsten Nordschleifen-Baumaßnahmen der vergangenen 40 Jahre.

Neuer Asphalt ein Vorteil

"Was grundsätzlich auf der Nordschleife möglich ist und welches Vertrauen die Verantwortlichen der Hersteller in unsere Rennstrecke haben, zeigen beispielhaft die Rekordfahrten des Porsche 919 und des VW ID.R", bestätigt Nürburgring-Geschäftsführer Mirco Markfort gegenüber 'Motorsport-Total.com', dass der Kurs in einem besseren Zustand ist als noch vor ein paar Jahren.


Komplette Rekordrunde: VW ID.R auf der Nordschleif

Die komplette E-Rekordrunde in 6:05,336 Minuten von Romain Dumas im Volkswagen ID.R auf der Nürburgring-Nordschleife!

"Ohne die großen Investitionen der vergangenen Jahre in die Sicherheitseinrichtungen und in die Asphaltarbeiten wäre das wohl nicht denkbar." Der ITR-Technikverantwortliche von Schöning bestätigt, dass die Angleichung des Asphalts auf der Nordschleife, den man durch den Umbau erreicht hat, für die DTM ein Vorteil wäre.

"Wenn man ein gleichbleibendes Gripniveau hat, dann ist das für unsere Art von Rennen sehr gut, weil die Fahrer mehr ans Limit gehen können", erklärt er. "Sonst schränkt einen die Strecke sehr ein, weil man an gewissen Stellen nicht bremsen oder fahren sollte."

Nürburgring-Geschäftsführer: Der Ball liegt bei der ITR

Ob es aber für die DTM sinnvoll wäre, auf die Nordschleife zurückzukehren, müsse laut Nürburgring-Geschäftsführer Markfort "in erster Instanz die Serie für sich beantworten, denn der organisatorische Rahmen würde im Gegensatz zur jetzigen Konstellation natürlich enorm steigen", spielt er auf die enorme Länge der Strecke an. "Die ITR selbst ist mit diesem Gedanken bislang nicht auf uns zugekommen."

Grundsätzlich begeistere die Nürburgring-Nordschleife aber nach wie die Motorsport-Fans, wie auch das aktuellen 24-Stunden-Rennen zeige. "Von daher ist es nachvollziehbar, dass sich auch die Fans der DTM diese Kombination sehr gut vorstellen können", erklärt Markfort.

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