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Sorgen nach Newsletter: Wie gefährdet ist die Zukunft des Project-1-Teams?

Das etablierte Project-1-Team schreibt in einem Newsletter von "wenig Perspektiven" für 2024: Was dahinter steckt und was das für das McLaren-Projekt in der DTM heißt

(Motorsport-Total.com) - Was ist los bei Project 1? Das Team von Hans-Bernd Kamps, das 2023 in der DTM noch mit zwei BMW M4 GT3 aktiv war und mit dem neuen McLaren-Projekt in Verbindung gebracht wird, hat am Mittwoch einen Newsletter verschickt, in dem man von einer existenzbedrohenden Situation schreibt. "Project 1 trifft es nicht alleine: Wenig Perspektiven in 2024", lautet der Titel.

Titel-Bild zur News: Hans-Bernd Kamps

Project-1-Boss Hans-Bernd Kamps (re.) blickt einer ungewissen Zukunft entgegen Zoom

"Wirtschaftliche Einbrüche und Verunsicherung bei Investoren sind zwar kurzfristig überbrückbar, langfristig im Mittelstand aber existenziell leider bedrohlich", verweist das Team auf die allgemein schwierige Wirtschaftslage, die sich im Motorsport verschärft darstelle. "Damit stehen wir gegenwärtig in zahlreicher Gesellschaft. Diese Faktoren beeinflussen bedauerlicherweise auch die Zukunft von Project 1."

Zudem konkretisiert man: "Die Nachfrage an Fahrerpotenzial und Sponsoren/Partnern ist so gering wie nie zuvor. Die Betätigungsfelder werden kleiner (WEC fällt weg, Hersteller engagieren sich nicht mehr bei Privatteams,und so weiter)."

Wilde Project-1-Gerüchte im Abu-Dhabi-Fahrerlager

Dass ein Team wie die Project 1 Motorsport GmbH die eigene Situation auf diese Weise per Newsletter kommuniziert, der sich an Kunden und Geschäftspartner richtet, ist unüblich. Gerüchte, dass die Mannschaft aus Lohne in finanziellen Nöten ist, kursieren aber bereits seit längerer Zeit.

Project 1 hat einen Teil seiner Porsche-Rennwagensammlung mit Supercup-Fahrzeugen der vergangenen 20 Jahre zum Kauf angeboten. Und beim Finalwochenende der Asian-Le-Mans-Serie, das am 10. und 11. Februar in Abu Dhabi stattfand, verbreiteten sich im Fahrerlager wilde Spekulationen von einer massiven finanziellen Schieflage des Teams. Auf einen Fragenkatalog von Motorsport-Total.com zu diesem Thema wollte Teamboss Kamps am 23. Februar vorerst nicht näher eingehen.

Project 1 war ursprünglich mit zwei BMW M4 GT3 in der Serie angetreten, das zweite und dritte Wochenende absolvierte man nur noch mit einem Auto.

Was wird aus dem BMW-M2-Cup?

Zudem gibt es Indizien dafür, dass auch die Saisonvorbereitungen 2024 nicht nach Plan laufen. Nachdem Project 1 beim DTM-Saisonfinale im Oktober 2023 per Pressemitteilung kommunizierte, dass es mit dem BMW-M2-Cup auch 2024 weitergeht, war für den 5. und 6. Februar 2024 in Portimao ein Test geplant.

Nach der Veröffentlichung des ursprünglichen Artikels am 23.2., in dem wir behauptet haben, dass der Test nicht stattgefunden habe und Project 1 nur mit dem BMW M4 GT4 und einem Fahrer vor Ort war, stellt Kamps jetzt klar, dass man mit drei M2-Cupfahrzeugen in Portugal getestet hat.

Die Anzahl der Interessenten am BMW-M2-Cup soll sich mit einer Handvoll Fahrern stark in Grenzen halten. Project 1 muss dieses Jahr bei der Durchführung des Markenpokals auf die Unterstützung von BMW verzichten, weil der mehrjährige M2-Cup-Vertrag im Rahmen der DTM mit der Saison 2023 endete. Da das genutzte Fahrzeug ein ausgelaufenes Modell ist, das seit zwei Jahren nicht mehr verkauft wird, und es vom aktuellen M2 keine Rennversion gibt, sah BMW von einer Vertragsverlängerung ab.

BMW M2 Cup

Der BMW-M2-Cup wird seit 2021 von Project 1 im Rahmen der DTM umgesetzt Zoom

Dennoch hat man entschieden, die Serie alleine über die eigene Eventfirma Project 1 Drivetime GmbH weiterzuführen und auch 2024 im Rahmen der DTM an den Start zu bringen. Ob es dazu kommen wird, ist unklar.

Keine WEC-Zukunft, DTM-Projekt mit BMW läuft schief

Das ist aber nicht das einzige Krisengebiet von Project 1: Denn nachdem man in den vergangenen Jahren in der LMGTE-Am-Klasse der Langstrecken-WM WEC mit Porsche-Boliden am Start war, ist das Engagement nach dem Wechsel auf das GT3-Reglement Ende 2023 ausgelaufen. Denn Porsche setzt in der LMGT3-Klasse auf das Manthey-Team, Project 1 wurde nicht berücksichtigt. Auch die Möglichkeit, über den Titel in der Asian-Le-Mans-Serie einen Le-Mans-Startplatz zu ergattern, konnte man nicht nutzen.

Dazu kommt, dass sich der vor einem Jahr eingeschlagene Plan, mit der DTM ein neues Betätigungsfeld zu erschließen und sich bei BMW zu etablieren, nicht wie gewünscht umsetzen ließ. Project 1 sah gegen die Markenkollegen von Schubert nur selten Land - und BMW-Werksfahrer Marco Wittmann übte nach der Saison Kritik wegen der mangelnden Testmöglichkeiten. Das Projekt wurde nach nur einem Jahr beendet, Project-1-Mechaniker bewarben sich zuletzt vermehrt um neue Jobs.

Positive Signale für McLaren-Projekt in der DTM

Aber ist durch die Situation auch der für die Saison 2024 bereits bestätigte DTM-Einsatz mit dem McLaren 720S GT3 Evo gefährdet, mit dem Dörr Motorsport und Project 1 in Verbindung gebracht werden?

Interessant ist, dass Project 1 laut Informationen von Motorsport-Total.com bis zuletzt in Hinblick auf den Einsatz, der vom Dörr-Sitz in Frankfurt aus durchgeführt werden soll, mit dem ADAC im Austausch war. Project-1-Mitarbeiter sollen weiter Teil des Projekts und der DTM-Einstieg mit zwei Fahrzeugen definitiv nicht gefährdet sein, hört man.

Für das Zustandekommen des Projekts spricht auch, dass Dörr Motorsport laut Informationen von Motorsport-Total.com erst am gestrigen Donnerstag den ersten McLaren 720S GT3 Evo in Großbritannien bei McLaren Customer Racing für das DTM-Projekt abgeholt hat.