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"Für Hälfte des Feldes unfair": DTM-Boxenstopp-Regel sorgt für Unmut

Wurde Schubert-BMW-Pilot Philipp Eng durch die Boxenstopp-Regel der DTM um einen möglichen Sieg betrogen? Unmut bei Fahrern steigt - Eng schlägt Lösung vor

(Motorsport-Total.com) - BMW-Werksfahrer Philipp Eng schlug vor Wut die Fahrzeugtüre zu, als er seinen BMW M4 GT3 an der Schubert-Box abstellte. Denn der Österreicher durfte sich Siegchancen ausrechnen, ehe zunächst die Boxenstopp-Regel sein Rennen zerstörte - und sein BMW dann auch noch durch die Kollision mit Felipe Fraga und Clemens Schmid ramponiert wurde.

Philipp Eng, Sheldon van der Linde

Philipp Eng lag nach dem Start auf Platz zwei hinter dem Teamkollegen Zoom

"Es ist echt scheiße gelaufen - und ich bin sehr enttäuscht, denn durch die Pace, den Start und die ersten paar Runden kann man sagen, dass wir ein Wörtchen um den Sieg mitgeredet hätten", stellt Eng im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' klar. Doch eine umstrittene Regel machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Artikel 23.1 des DTM-Reglements 2022 besagt, dass es während einer Full-Course-Yellow- oder Safety-Car-Phase nicht erlaubt ist, "dass zwei Autos ihren Boxenstopp in der gleichen Runde am gleichen Boxenstopp-Platz absolvieren ".

Philipp Eng: Von Platz zwei auf Platz 17 wegen Stopp-Regel

Zur Erklärung: In der Regel teilen sich zwei Teamkollegen in der DTM einen Boxenstopp-Platz. Wenn ein Team drei oder gar vier Autos einsetzt, werden künstliche Zweier-Teams gebildet. Der Fahrer, der in einer Safety-Car-Phase seinem Teamkollegen den Vortritt lassen muss, verliert viel Zeit, da er eine Runde in langsamer Fahrt absolviert, ehe er an die Box kommen darf.


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"Ich habe es schon in Imola erlebt", erinnert sich Eng an das erste Mal, als er Opfer der Regelung wurde. Auf dem Nürburgring traf es ihn aber noch härter, denn als das Safety-Car in der fünften Runde auf die Strecke geschickt wurde, lag er direkt hinter seinem Schubert-Teamkollegen Sheldon van der Linde, der 25 Kilogramm Erfolgsballast an Bord hatte, auf Platz zwei.

Full-Course-Yellow-Phase als Lösung?

Der DTM-Leader erhielt den Vorzug - und nach den Stopps war Eng nur noch 17. Dabei gäbe es seiner Meinung nach sogar eine Lösung. "Beim ersten Rennen auf dem Norisring hatten wir Full-Course-Yellow statt dem Safety-Car - und das wäre vielleicht eine sehr gute Alternative", erklärt Eng. "Es gibt einen Unfall - und dann kommt Full-Course-Yellow. Dann wartet man drei, vier Runden, bis jeder seinen Stopp gemacht hat."

Der Vorteil: Bei Full-Course-Yellow gilt auf der gesamten Strecke Tempo 80 - und Piloten, die ihren Stopp bereits absolviert haben, können nicht wieder zum Feld aufschließen. Ein Sicherheitsrisiko sieht Eng nicht. "Viel langsamer als 80 km/h fährt das Safety-Car auch nicht."

Außerdem hätten dann "100 Prozent der Autos eine Chance auf ein gutes Ergebnis und nicht ein bisschen weniger als 50 Prozent, denn es gibt auch einige Autos, die nur einen Gantry haben", spielt er darauf an, dass manche Rennställe überhaupt nur ein Auto einsetzen und die Boxenstopp-Anlage somit exklusiv genutzt werden kann.

Boxenstopp-Regel prägt Bildung künstlicher Zweierteams

Teams, die drei Autos einsetzen, haben das Problem auch in die Bildung der künstlichen Zweierteams miteinbezogen: So sind zum Beispiel die Winward-Mercedes-Teamkollegen Maximilian Götz und Lucas Auer nicht im gleichen Zweierteam, obwohl das in Hinblick auf die Teamwertung die effizientere Lösung wäre.

Titelverteidiger Götz tritt offiziell alleine für das "Mercedes-AMG Team Winward Racing" an, während Auer und Rookie David Schumacher das "Mercedes-AMG Team Winward" bilden (hier geht's zur kompletten Teamübersicht). Somit haben die Toppiloten Götz und Auer gute Chancen, in einer Safety-Car-Phase sofort stoppen zu dürfen.

Eng ist übrigens nicht der einzige Fahrer, der mit der Regel unzufrieden ist. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' wurde das Thema bereits in der Arbeitsgruppe der Piloten mit Renndirektor Scot Elkins auf WhatsApp angesprochen.

Porsche-Pilot Vanthoor: "Wie kann es so eine Regel geben?"

Laurens Vanthoor

Zweite Wahl: Vanthoor durfte erst eine Runde nach der ersten Gruppe stoppen Zoom

Auch SSR-Pilot Laurens Vanthoor - der Porsche-Vertreter in der WhatsApp-Gruppe - ist kein Fan der Regelung. "Ich verstehe nicht, wie es so eine Regel überhaupt geben kann", findet der Belgier im Gespräch mit den englischen Kollegen unseres Schwesterportals 'Motorsport.com' klare Worte.

"Für die Hälfte des Feldes ist das unfair - und ihr Rennen wird komplett zerstört. Ich war dadurch Vorletzter. Und ich verstehe nicht, warum man bei der DTM denkt, dass das eine gute Regel ist. Das wurde bereits mehrmals diskutiert und ich verstehe nicht, warum ihnen nicht bewusst wird, dass das nicht funktioniert."

Ihm sei zwar bewusst, dass er als Betroffener lauter seine Meinung sage, "aber ich würde genau gleich denken, wenn es umgekehrt wäre", stellt er klar. "Ich sehe überhaupt keinen Sinn dahinter, es so zu machen. Das ist in keiner anderen Meisterschaft so."