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DTM-Team Project 1 beantragt Insolvenz: "Kein positives Ergebnis erzielt"

Wie Project 1 die Zahlungsunfähigkeit im 30. Jahr des Bestehens argumentiert, welche zwei Firmen betroffen sind und was den Ausschlag gegeben habe

(Motorsport-Total.com) - Was schon am Freitag zu befürchten war, ist jetzt traurige Gewissheit: Das etablierte Rennteam Project 1 Motorsport, das 2023 noch in der DTM und in der Langstrecken-WM WEC am Start war, und die Eventfirma Project 1 Drivetime, die unter anderem den BMW-M2-Cup durchführte, müssen Insolvenz anmelden.

Titel-Bild zur News: Marco Wittmann

Auch der DTM-Einstieg 2023 konnte die Project-1-Schließung nicht mehr verhindern Zoom

Das hat die Mannschaft von Hans-Bernd Kamps, der unter anderem als früherer Manager von Timo Glock bekannt ist, am Montagabend in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. "Nach etlichen Gesprächen mit Investoren, Herstellern, Partnern und Freunden ist es uns nicht gelungen, ein positives Ergebnis zur Weiterführung unserer Unternehmen Project 1 Motorsport und Project 1 Drivetime zu erzielen", stellt man klar.

Dazu habe "auch die allgemein wirtschaftliche schwierige Lage, die auch den Motorsport betrifft, beigetragen", heißt es in der Pressemitteilung. "Aus diesen Gründen müssen wir leider für beide GmbHs von Project 1 einen Antrag auf Insolvenz stellen." Das bedeutet konkret, dass das Insolvenzverfahren eröffnet wird, wenn die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung der Unternehmen vorliegt.

Erfolge vor allem in den Porsche-Markenpokalen

Und das ausgerechnet im 30. Jubiläumsjahr: Denn 1993 gründeten Kamps und sein Geschäftspartner Jörg Michaelis die Motorsportagentur Tolimit GmbH, die als Team vor allem mit den Erfolgen in den Porsche-Cups für Aufsehen sorgte und vielen auch durch das Sponsoring durch die Deutsche Post und die Beteiligung an der Speed-Academy in Erinnerung ist.

Aus Tolimit Motorsport ging 2013 Project 1 Motorsport hervor. Insgesamt holte man - unter anderem mit Piloten wie Rene Rast oder Philipp Eng - fünf Fahrertitel und vier Teamtitel im Porsche Carrera-Cup Deutschland und im Porsche-Supercup. Zudem entschied man 2019 die LMGTE-Am-Wertung der Langstrecken-WM WEC für sich und feierte in Le Mans einen Klassensieg.

2023 stieg man als BMW-Team in die DTM ein, die Münchner beendeten die Zusammenarbeit aber nach am Ende des Jahres. Insgesamt holte Project 1 in der Firmenhistorie laut eigenen Angaben 250 Podestplätze, zwölf Fahrer-Titel, acht Team-Titel und fünf Rookie-Titel.

Rene Rast

Auch Rene Rast fuhr 2012 im Porsche-Carrera-Cup Deutschland für Tolimit Zoom

War WEC-Ende der ausschlaggebende Grund?

Von Project 1 hört man, dass die Hiobsbotschaft zu einem großen Teil dadurch herbeigeführt worden sei, dass die Hersteller in der WEC nach dem Wechsel vom GTE- auf das GT3-Reglement entschieden haben, ab 2024 die Einsätze selbst durchzuführen. Und das Engagement in der Langstrecken-WM ab 2019 sei für die Truppe aus Lohne ein entscheidender Umsatzträger gewesen.

Project 1 habe diesbezüglich mit zwei Herstellern intensiv verhandelt und bis Ende 2023 gehofft, zum Zug zu kommen - allerdings ohne Erfolg. Porsche setzt in der LMGT3-Klasse übrigens auf das Manthey-Team, das zu 51 Prozent in Besitz des Herstellers steht.

McLaren-Projekt in DTM soll trotzdem stattfinden

Wie es nun mit den Mitarbeitern von Project 1 weitergeht, ist ungewiss. "Die Expertise unserer Mitarbeiter bleibt 2024 dem Motorsport auch weiterhin erhalten", heißt es in der Pressemitteilung, ohne konkreter darauf einzugehen.

Abgesehen davon dürfte - wie Motorsport-Total.com bereits berichtet hat und aus unterschiedlichen Quellen erfuhr - das geplante McLaren-Projekt in der DTM mit Dörr Motorsport nicht gefährdet sein. Diesbezüglich soll es im März konkretere Informationen geben. Inwiefern Project 1 involviert sein wird, ist allerdings in Anbetracht der Ereignisse unklar.