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  • 29.07.2022 · 12:12

  • von Juan Felipe Munoz, Übersetzung: Manuel Lehbrink

Der Ford Fiesta: Wird er in Europa überleben?

Der Ansturm chinesischer Autos und der SUV-Boom haben das B-Segment in eine Krise gestürzt - Und selbst ein Verkaufsschlager wie der Fiesta kann leiden

(Motorsport-Total.com/Motor1) - Angesichts der immer komplexer werdenden Vorschriften und der zunehmenden Elektrifizierung der Branche stehen die Automobilhersteller in den nächsten Jahren vor sehr schwierigen Entscheidungen. Sie müssen abwägen, ob sie ihre aktuellen Modelle beibehalten oder einige davon aufgeben und Elektroautos von Grund auf neu entwickeln.

Motor1 Numbers: Wird der Ford Fiesta in Europa überleben?

Motor1 Numbers: Wird der Ford Fiesta in Europa überleben? Zoom

So sieht es wohl auch bei Ford Europa aus, wenn es um die Zukunft des Fiesta (jetzt Ford Fiesta Gebrauchtwagen kaufen) geht. Dieser Wagen ist seit über 40 Jahren auf dem Markt und hat sich in Europa und anderen Regionen, in denen er produziert oder wohin er exportiert wurde, zu einem der Maßstäbe für Kleinwagen entwickelt. Insgesamt hat Ford mehr als 16 Millionen Exemplare des Fiesta verkauft.

Fiesta machen mit dem Fiesta

Der Fiesta entwickelte sich im Laufe der Jahre zu immer attraktiveren und wettbewerbsfähigeren Generationen, konnte große Krisen überstehen und sogar starke Konkurrenten wie den VW Po
lo, den Renault Clio oder den Fiat Punto ausstechen.

Als der europäische Automarkt von 2011 bis 2013 an Boden verlor, wurde beschlossen, die Produktion vieler Fahrzeuge des B-Segments einzustellen. Unter anderem starb beispielsweise mit dem Fiat Punto ein langjähriger Marktführer, der so nie eine vierte Generation erhielt.

Könnte den Fiesta also das gleiche Schicksal ereilen? Die Aussichten für das B-Segment in Europa sind nicht gerade rosig. In den letzten acht Jahren hat diese Fahrzeugklasse mehr als fünf Prozentpunkte ihres Marktanteils verloren. Und es sieht nicht so aus, als ob damit Schluss wäre. Der Hauptgrund dafür ist die Beliebtheit von kleinen SUVs und auch Ford ist von diesem Trend nicht ausgenommen.

2020 verkaufte Ford 32 Prozent weniger Fahrzeuge

Im Jahr 2014 führte der Hersteller den EcoSport in Europa ein und obwohl er zunächst die Verkaufsziele verfehlte, konnte er später doch nennenswerte Anteile im SUV-B-Segment für sich gewinnen. Im Jahr 2017 wurden in Europa so 63.000 Einheiten des EcoSport zugelassen, während der Fiesta noch auf 255.000 Einheiten kam.

Ein Jahr später verkaufte Ford dann schon 113.000 Einheiten des SUVs, aber auch 271.000 Einheiten des Fiesta. Im Jahr 2019 kam Ford auf 229.000 normale Kleinwagen und 123.000 Ecosport. Und dann kam auch schon der Puma auf den Markt - ein weiteres B-SUV.

Das Jahr 2020 war dann ein hartes Jahr für den Fiesta. Denn nicht nur der neue Puma, sondern auch die Pandemie haben der Popularität gewaltig zugesetzt und das Volumen sank um 32 Prozent auf nur noch 156.000 Einheiten.

Im vergangenen Jahr wurden dann nur noch 82.000 Einheiten des Kleinwagens und 134.000 Einheiten des Puma zugelassen. Der Segmentanteil des Fiesta sank also von 6,8 Prozent im Jahr 2020 auf 3,9 Prozent im Jahr 2021, während der Anteil der SUVs stetig stieg.

Eine Familienfehde?

Heute spielt der Fiesta im B-Segment eine untergeordnete Rolle. Nach Angaben von JATO gingen die Zulassungen in der ersten Hälfte dieses Jahres weiter zurück (-49 %), stärker noch als im gesamten Segment (-19 %). Im Juni wurde der Fiesta, ein Auto, das seit vielen Jahren in den europäischen Top 10 vertreten ist, von neun anderen Wettbewerbern überholt und belegte in der Gesamtwertung nur noch Platz 58.

Der aktuelle Fiesta ist seit Anfang 2017 auf den Straßen unterwegs. Die Generation ist also fünf Jahre alt und wird daher voraussichtlich noch zwei oder drei Jahre überleben. Es ist jedoch unklar, ob Ford dieses ikonische Auto weiterhin als traditionellen Kleinwagen produzieren wird oder nicht.

Mittlerweile werden auch nur noch vorkonfigurierte Fahrzeuge gefertigt und wahrscheinlich könnte der Fiesta bald einer elektrifizierten Crossover-Version Platz machen, die das Modell dann neu positioniert.

Wie auch immer die Entscheidung des Herstellers ausfällt: Tatsache ist, dass das europäische B-Segment in den kommenden Jahren noch härtere Zeiten erleben wird. Die Vorschriften verteuern die Produktion von Autos zu einer Zeit, in der die Verbraucher nur noch SUVs wollen. Und die chinesischen Hersteller bereiten sich gerade darauf vor, ihre wettbewerbsfähigeren Autos auf den Weltmarkt zu bringen. Es bleibt spannend.

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Der Autor des Artikels, Juan Felipe Munoz, ist Automotive Industry Specialist bei JATO Dynamics.

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