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Wurz: "Nur ja nichts mit der Brechstange erzwingen"

Wie sich Alex Wurz auf die 24 Stunden von Le Mans vorbereitet, welches sein Siegrezept ist und warum ihn das Spiel mit dem Sensenmann fasziniert

(Motorsport-Total.com) - Tom Kristensen ist der Mr. Le Mans. Der Däne triumphierte beim 24-Stunden-Klassiker acht Mal. Doch in Sachen Siegquote stiehlt ihm ein Österreicher die Show: Alex Wurz. Der ehemalige Formel-1-Pilot trat zwar bislang nur drei Mal beim Rennen an der Sarthe an, feierte aber zwei Gesamtsiege. Dieses Jahr will Wurz, der sich zudem 1996 mit 22 Jahren zum jüngsten Le-Mans-Sieger aller Zeiten kürte, seine tolle Quote sogar noch aufbessern und Peugeot ein zweites Mal nach 2009 zum Sieg führen.

Alexander Wurz

Titelverteidiger Alex Wurz weiß, worauf es in Le Mans wirklich ankommt

Dafür wird der Niederösterreicher zum Nachtmenschen, sein Training hat er an die Anforderungen des Marathonrennens angepasst: Laufeinheiten finden bei Wurz bereits seit Monaten um acht Uhr abends, gegen Mitternacht und um vier Uhr am Morgen statt, wie er gegenüber der 'Kleinen Zeitung' verrät: "Damit der Körper verstehen lernte, dass er in der Nacht arbeiten muss." Doch nicht nur körperlich will Wurz nichts dem Zufall überlassen: Mit Koordinationsübungen regte er die rechte Gehirnhälfte an, weil nachts nur die linke arbeitet.#w1#

Wurz' Le-Mans-Rezept

Das Rezept, das in Le Mans zum Sieg führt, kennt Alex Wurz: "Nur ja nichts mit der Brechstange erzwingen, das funktioniert nicht. Du musst warten, bis das Rennen zu dir kommt." Damit setzt der Peugeot-Pilot auf die selbe Strategie wie im Vorjahr. Damals sah er zu, wie die anderen Peugeot-Fahrer wild über die Randsteine rumpelten und eine Spitzenzeit nach der anderen in den Asphalt brannten, aber durch lange Reparatur-Boxenstopps wieder zurückfielen. Die Wurz-Mannschaft setzte hingegen voll auf Zuverlässigkeit, was schließlich zum Sieg führte.

Geht es nach der Papierform, ist Wurz' Mannschaft dieses Jahr noch besser aufgestellt. Als Teampartner stehen ihm die Formel-1-erprobten Piloten Marc Gené und Anthony Davidson zur Verfügung. Der Brite ersetzt damit seinen australischen Vorgänger David Brabham, der sich im Vorjahr als Schwachstelle entpuppte und die Rundenzeiten seiner Partner nicht mitgehen konnte. Doch Wurz warnt: "Anthony ist neu in der Sportwagenszene, du musst auch versuchen, deinen Teamkollegen zu lesen." In Sachen Speed überzeugte Davidson seine Teampartner, eine kleine Unsicherheit bleibt aber angesichts seiner mangelnden Langstrecken-Routine bestehen.

Wurz und der Sensenmann

Dafür ist Wurz Siegermannschaft abgesehen von Davidson exakt die Selbe, wie er der österreichischen 'SportWoche' anvertraut: "An unserem Auto arbeiten die gleichen 14 Leute wie im Vorjahr, nur ein Fahrer wurde gewechselt." Im Gegensatz zum Vorjahr, als Wurz die hektische Startphase absolvierte, kann er sich diesmal den Auftakt aus der Box ansehen: Um 15:00 Uhr, wenn das Feld losgelassen wird, sitzt Marc Gené im Boliden mit der Nummer eins.

Wenn der Niederösterreicher später in sein Traumauto einsteigt, heißt es sofort "volle Konzentration". Denn: "Audi ist viel weiter als im Vorjahr." Und: "Unser Auto ist bereits in der vierten Saison." Trotz des enormen Wettbewerbs ist sich Wurz den Gefahren des berüchtigten Klassikers bewusst: "Du bist hier etwas näher am Sensenmann dran, als sonstwo", gibt er gegenüber der 'SportWoche' zu.

"Du bist hier etwas näher am Sensenmann dran, als sonstwo." Alex Wurz

Doch genau das macht für ihn die Faszination aus: "Die Sportwagen haben etwas Heroisches. In Le Mans fährst du mit Tempo 280 durch die Kurven und in drei Metern ist die Betonmauer. Bei meiner Rückkehr 2008 dachte ich mir: Bist denn du deppert. Doch dann kam die Faszination zurück."
Wurz geht so weit, dass er sich auf 'YouTube' sogar Unfallvideos des in Spa 1985 tödlich verunglückten Deutschen Stefan Bellof ansieht. Todessehnsucht? "Nein. Warum sollte ich die Gefahr verdrängen. Wenn ich sie verdränge, dann ist sie bereits im Kopf."

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