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Wasserstoffverbrennungsmotor: FIA legt langfristige Strategie vor

Neue Techniken zur Wasserstoff-Speicherung, Angleichung an bisherige Benzin-Motoren: Die FIA macht den Weg für Wasserstoffverbrennungsmotoren frei

(Motorsport-Total.com) - Der Automobil-Weltverband FIA hat auf seiner jüngsten Sitzung des Motorsport-Weltrats (World Motor Sport Coucil, WMSC) eine langfristige Wasserstoff-Strategie für den Motorsport beschlossen. Diese bezieht sich ausdrücklich auf Verbrennungsmotoren.

Titel-Bild zur News: Die FIA setzt nun ausdrücklich auf Wasserstoffverbrennungsmotoren im Motorsport

Die FIA setzt nun ausdrücklich auf Wasserstoffverbrennungsmotoren im Motorsport Zoom

Brennstoffzellen werden nicht explizit erwähnt, aber auch nicht ausgeschlossen. Bislang konzentrierten sich die Entwicklungen überwiegend auf Brennstoffzellenprojekte. Allerdings bieten Wasserstoffverbrennungsmotoren die Perspektive, mit dem Motorensound eine zentrale Komponente des Motorsports zu erhalten.

Neu ist vor allem, dass die gasförmige Speicherung von Wasserstoff nur eine Übergangslösung sein soll. Langfristig soll H2 in flüssiger Form gespeichert werden, weil er so wesentlich dichter gelagert werden kann. Dazu ist eine Kühlung auf etwa -250 Grad Celsius erforderlich. Daran wird die FIA in den nächsten Jahren mit Hochdruck arbeiten.

Bisherige Projekte wie die Mission H24 oder auch das Bosch-Projekt mit Ligier verfolgen Strategien mit komprimiertem, gasförmigem Wasserstoff. Doch selbst bei einem Druck von 700 bar werden große Tanks benötigt, die Reichweite ist trotzdem begrenzt.

Die Verflüssigung umgeht dieses Problem, bringt aber andere Herausforderungen mit sich. Die Kühlung erfordert einen enormen Energieaufwand. Hier werden besonders wärmeundurchlässige Tanks gefordert sein. Außerdem müssen sicherheitstechnische Anforderungen erfüllt sein, damit es im Falle eines Unfalls nicht zu Kälteverbrennungen kommt.

Die FIA-Pressemitteilung spricht ausdrücklich von einer Angleichung an bestehende Benzinmotoren: "Die flüssige Speicherung ist besser für die harten Anforderungen im Motorsport geeignet. Dies erlaubt es auch, das Layout der Antriebseinheit näher an ein konventionelles verbrennungsbasiertes Fahrzeug anzupassen als mit Gastanks."

Wasserstoff mit rasanter Entwicklung

Das Thema Wasserstoff gewinnt im Motorsport seit einigen Jahren an Bedeutung, nachdem sich Rennserien mit batterieelektrischem Antrieb in der jüngeren Vergangenheit schwer getan haben. Die Rallycross-Weltmeisterschaft hat eine Rolle rückwärts gemacht und Verbrennungsmotoren wieder zugelassen, 2025 wird auch in der Rallye-Weltmeisterschaft die elektrische Komponente abgeschafft.

Bei der FIA gibt es bereits seit 2019 eine technische Arbeitsgruppe zum Thema Wasserstoff. 2025 wird es die erste reine Wasserstoff-Rennserie geben, wenn die SUV-Rennserie Extreme E ihren Batterieantrieb gegen Brennstoffzellen eintauscht und zur Extreme H wird.

Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2023 werden fünf Wasserstoffprojekte vorgestellt, unter anderem von Toyota und Bosch. Beide Projekte setzen auf einen Verbrennungsmotor, der gegenüber einem Brennstoffzellenantrieb Gewichtsvorteile bietet.

Toyota ist bereits seit Jahren weltweit mit H2-Verbrennungsmotoren unterwegs. Ein ebenfalls von Toyota geführter japanischer Mischkonzern nahm mit dem Projekt HySE an der Rallye Dakar teil. In der Le-Mans-Szene tritt der Prototyp Mission H24 sporadisch im Le-Mans-Cup an - der dritten Liga des ACO hinter der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) und der europäischen Le-Mans-Serie (ELMS). AVL hat einen H2-Verbrenner bereit.


Soundprobe Bosch H2 Demonstrator

Der Bosch H2 Demonstrator auf Ligier-JS2-R-Basis mit Wasserstoffverbrennungsmotor zeigt seine Kraft - und seinen Sound

In der WEC soll eine Wasserstoffklasse eingeführt werden, deren Debüt sich zuletzt aber immer wieder verzögert hat. Derzeit ist sie für 2027 geplant. Die Fahrzeuge sollen bereits im ersten Jahr um den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans kämpfen.

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