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Wasserstoffverbrennungsmotor: Bosch H2 Demonstrator rennt

Der Ligier mit H2-Verbrennungsmotor hat den Testbetrieb aufgenommen - Fahrzeug klingt wie mit Benzinmotor - Langfristige Zukunft im Motorsport?

(Motorsport-Total.com) - "Zylinderkopfdichtung", würde der geübte Kfz-Mechaniker sagen. Der umgebaute Ligier JS2 R brummt leise im Leerlauf vor sich hin, weißer Wasserdampf steigt bei spätsommerlichen 25 Grad aus dem Auspuff. Doch mit dem Auto ist alles in Ordnung. Denn: Der Bolide fährt mit Wasserstoff.

Titel-Bild zur News: Der Bosch H2 Demonstrator soll die Wasserstofftechnologie schon bald nach Le Mans bringen

Der Bosch H2 Demonstrator soll die Wasserstofftechnologie schon bald nach Le Mans bringen Zoom

Und deshalb ist der Wasserdampf, der nach dem Warmlaufen nicht mehr sichtbar ist, völlig harmlos. Im Gegenteil: Reines Wasser ist die einzige Emission dieses Verbrennungsmotors. Der Traum vom klimafreundlichen Verbrenner ist Wirklichkeit.

Vorgestellt wurde der Bosch H2-Demonstrator bereits bei den 24 Stunden von Le Mans 2023. Inzwischen läuft das Testprogramm auf Hochtouren. Als wir an diesem spätsommerlichen Septembermorgen zur Testfahrt aufbrechen, hat der Bolide bereits rund 400 Teststunden hinter sich, inklusive Prüfstand.

Wüsste man nicht, mit welchem Treibstoff der Bolide fährt, und sähe man nicht die futuristischen Anzeigen im Cockpit, die die Druckverhältnisse im System genau überwachen, würde man einen Benziner vermuten.

Der Sound unterscheidet sich nicht vom Ligier JS2 R. Dass der V6-Turbomotor vergleichsweise leise ist, liegt an zwei dicken Schalldämpfern im Heck. Den meisten Lärm macht die Tankanlage, die mit einem lauten Zischen den Tankvorgang einleitet. Die Drücke müssen angeglichen werden.

Besser als Wasserstoff brennt nichts

Wasserstoff, das ist die große Hoffnung vor allem des Le-Mans-Veranstalters ACO. Und auch die Automobilindustrie beschäftigt sich mit dem Thema. Sollte die EU für 2035 die härteste Linie ihres Verbrennerverbots durchsetzen, wäre ein Wasserstoffverbrennungsmotor der letzte Anker, um Autos mit natürlichem Sound zu bauen, der gerade bei Sportwagen ein Teil des Erlebnisses ist.

"Es gibt keinen Kraftstoff, der besser verbrennt", sagt Lionel Martin, Vertriebsleiter der Bosch Engineering GmbH (BEG), gegenüber Motorsport-Total.com. "Theoretisch kann man bis zu einem Gemisch von 10:1 fahren. In der Praxis sind wir bei dreimal so viel Luft wie Wasserstoff." Zum Vergleich: Das normale stöchiometrische Verhältnis beim Ottomotor liegt bei 14,7:1.

Mit Wasserstoff lässt sich also deutlich mehr Leistung erzielen, weil er viel schneller verbrennt als Benzin. Entsprechend leistet der modifizierte 3,7-Liter-Ford-Duratec-V6 bis zu 600 PS. Im normalen, benzinbetriebenen Ligier JS2 R sind es nur 355.


Soundprobe Bosch H2 Demonstrator

Der Bosch H2 Demonstrator auf Ligier-JS2-R-Basis mit Wasserstoffverbrennungsmotor zeigt seine Kraft - und seinen Sound

Subjektiver Eindruck: Er schiebt kräftig an. Natürlich ist das Fahrverhalten beeindruckend, das Heck lenkt beim Einlenken schön mit wie bei einem Kart, die Bremsen packen, dass man die Gurte bis in die Knochen spürt. Beim Ligier JS2 R handelt es sich um einen LMP3-Boliden im GT-Kleid.

Doch darum geht es nicht. Im Mittelpunkt steht die Technologie, die den Sound im Motorsport langfristig retten kann. Ursprünglich war der ACO auf das Thema Brennstoffzelle fixiert, doch der Wasserstoffverbrennungsmotor hat in jüngster Zeit so große Fortschritte gemacht, dass die Wasserstoffklasse in Le Mans auch für Verbrennungsmotoren geöffnet wurde.

Gewichtsvorteile gegenüber Brennstoffzelle

"Der Motor hat gegenüber der Brennstoffzelle mehrere Vorteile. Erstens kann ein bestehender Benzinmotor relativ einfach umgerüstet werden. Das kann für Rennteams interessant sein. Wir sprechen von deutlich geringeren Kosten als bei einer Batterie oder Brennstoffzelle."

"Ein Vorteil für Motorsportanwendungen ist auch, dass wir uns in einem ähnlichen Effizienzbereich wie eine Brennstoffzelle bewegen. Und dann ist da natürlich das Gewicht." Hier liegt der größte Vorteil. Das Fahrzeug ist durch die Tanks rund 100 Kilogramm schwerer als ein benzinbetriebenes Äquivalent und damit deutlich leichter als Elektroantriebe mit Brennstoffzelle.


Fotos: Bosch H2 Demonstrator


Bosch hofft, mit dem H2 Demonstrator Hersteller zu überzeugen, in die Technologie einzusteigen und sie im Motorsport einzusetzen. Die Zeichen dafür stehen nicht schlecht, denn zahlreiche Hersteller verfolgen das Projekt mit großem Interesse - darunter auch solche, die dem Wasserstoff als Kfz-Antrieb nie eine Chance geben wollten.

Im Jahr 2024 wird es wohl noch keine Renneinsätze geben, da sich das Fahrzeug noch im Prototypenstadium befindet. Aber danach ist alles möglich. Auch Ligier hat Pläne mit dem Boliden. Man darf gespannt sein.

Neugierig geworden? In den nächsten Tagen erfahren Sie bei uns mehr über den Bosch H2 Demonstrator.

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