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Porsche siegt im ersten Jahr: Teamleitung will sofort nachlegen

Mit einem Sieg beim 6-Stunden-Rennen in Brasilien hat Porsche sein Debütjahr in der LMP1-Klasse abgeschlossen: Spirit stimmt, Speed kommt

(Motorsport-Total.com) - Neel Jani, Marc Lieb und Romain Dumas haben der neuen LMP1-Mannschaft von Porsche im letzten Rennen der WEC-Saison 2014 den ersten Sieg beschert. Das Team aus Weissach war gleich im ersten Jahr der Rückkehr in die Topklasse der Le-Mans-Szene bestens unterwegs. "Es war eine richtig gute Debütsaison", sagt Porsche-LMP1-Leiter Fritz Enzinger voller Stolz. "Meine Vorstellungen wurden weit übertroffen."

Timo Bernhard, Mark Webber

Regen in Austin 2015: Die Porsche-Mechaniker hatten es nicht immer leicht Zoom

"Die Saison ist besser verlaufen als wir es uns jemals erträumt hätten", stimmt Teamchef Andreas Seidl zu. "Wir wollten vom Start weg konkurrenzfähig sein - und das waren wir. Die Fortschritte, die wir von Rennen zu Rennen gemacht haben, waren mehr als erfreulich. Die Erfolge waren wichtig, um den richtigen Rennspirit in die neue Truppe zu bekommen. Alle sind überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das nehmen wir ins neue Jahr mit."

Die WEC-Saison 2014 brachte dem neuen Werksteam von Porsche viele neue Erfahrungen. Zwar hatte man sich in den rund 18 Monaten vor dem Start in der LMP1-Klasse intensiv vorbereitet, aber viele Details lassen sich nicht simulieren oder bei Testfahrten durchspielen. "Ich teile es mal in zwei Abschnitte: die Zeit vor Le Mans und die Zeit danach. Nach dem Rennen in Frankreich hatten wir endlich etwas Zeit. Im Sommer gab es drei richtig gute Tests, dann ging es in die letzten fünf Saisonrennen", sagt Enzinger.

"Wenn ich mir dort die Ergebnisse anschaue, dann finde ich das sehr, sehr beeindruckend", so die Freude beim Österreicher. Enzinger ist sicher: 2015 wird es weiter vorangehen. "Wichtig ist, dass der Lernfaktor extrem hoch ist. Das sieht man daran, wie sich das Werksteam, das es in dieser Form erst eineinhalb Jahre gibt, im Verlauf der vergangenen Monate entwickelt hat. Die Einsätze liefen bestens und mit dem 2015er-Auto ging es planmäßig voran."

Daten sammeln für Verbesserung des Simulators

Nicht nur die Erkenntnisse aus den Renneinsätzen waren wichtig, sondern vor allem auch die Daten, die man in insgesamt acht WM-Läufen und vielen Tests hat sammeln können. Diese Daten sorgen für eine bessere Basis bei künftigen Auftritten. Der hauseigene Simulator kann nun mit realistischeren Werten eingestellt werden. "Man kann diesen Vorteil nicht in absoluten Zahlen ausdrücken", relativiert Enzinger diesen Faktor etwas. Allerdings sieht der LMP1-Chef von Porsche durchaus logische Vorzüge.

Nico Hülkenberg

Freuen sich auf die Saison: Andy Seidl, Nico Hülkenberg und Fritz Enzinger Zoom

"Man hat nur drei Freie Trainings an einem Rennwochenende und muss das Auto durch drei Fahrer teilen. Das bedeutet, dass je besser das GrundSet-up ist, desto feiner kann man abstimmen und desto näher kommt man dem Erfolg", sagt der Ex-Formel-1-Verantwortliche, der mit BMW im Grand-Prix-Sport engagiert war. "Voraussetzung dafür ist ein gut funktionierender Simulator. Da sind wir Schritt für Schritt besser geworden."

"Wir haben Fahrer, die beste Referenzen mit einbringen. Brendon Hartley kennt den Mercedes-Simulator gut, Mark Webber kennt die Systeme von Red Bull. Die beiden können genau einschätzen, wie weit wir diesbezüglich sind", erklärt Enzinger. Die beiden erfahrenen Piloten stellen den Porsche-Simulationsfachleuten ein gutes Zeugnis aus. Man sei zwar noch nicht top, aber "auf dem schnellsten Wege dorthin", meint beispielsweise Webber.

"Unsere Fahrer sind allesamt sehr gut. Was mich ein wenig erstaunt hat ist, wie sich der Mark sofort in eine Art Leaderposition begeben hat. Er führt die anderen mit seiner Erfahrung in eine Richtung, kümmert sich bestens um Brendon und Timo. Das gefällt mir", so Enzinger. "Im Langstreckensport geht es nicht darum, dass ein Einzelner tolle Rundenzeiten fährt. Es geht darum, dass alle drei harmonieren. Mit unseren Fahrern sind wir richtig unterwegs. Auch Brendon war großartig. Er wird immer schneller."

Crew für den dritten Porsche wird derzeit aufgebaut

In diesem Jahr folgt der nächste Formel-1-Star der Verlockung Le Mans und Porsche. Nico Hülkenberg hat sich von Force India die Freigabe für die Teilnahme am WEC-Rennen in Spa und an den 24-Stunden von Le Mans gesichert. Ein erster Test im Porsche 919 Hybrid im Dezember verlief vielversprechend. Wer die Teamkollegen im dritten Porsche sein werden, steht derzeit noch nicht fest. Unterdessen läuft in Weissach der Aufbau der Mannschaft für den dritten LMP1-Wagen.

Nico Hülkenberg

Nico Hülkenberg absolvierte im Dezember in Aragon einen ersten Test im Porsche 919 Zoom

"Es ist ein riesiger Aufwand", sagt Teamchef Andy Seidl. "Wir müssen für den Betrieb des dritten Autos eine neue Mechaniker- und Ingenieursmannschaft aufbauen. Das ist eine Herausforderung, zumal wir gleichzeitig sicherstellen müssen, dass alle Autos auf einem Niveau sind. Die Performance muss bei allen Fahrzeugen stimmen, es darf nicht unter dem dritten Auto leiden. Das wird ein umfangreicher Job. Wir glauben aber, dass wir jetzt genügend Erfahrungen gemacht haben, um das darstellen zu können."

"Wir wollen versuchen, möglichst schnell drei Crews komplett zu haben. Die Mannschaft für das dritte Auto wird dann bei Testfahrten trainiert. Über diese Arbeit wird sich die nötige Erfahrung einstellen", sagt der Teamchef. "Wir waren im ersten Jahr eng aufgestellt. Die Crews der zwei Fahrzeuge haben alle Rennen und alle Tests absolvieren müssen. Das hatte Vorteile, weil es wenig Kommunikationsverluste geben kann zwischen den beiden Mannschaften und einer eventuellen dritten Testtruppe. Aber auf Dauer kann man so etwas nicht machen, weil man die Leute überlastet. 2015 werden wir diesbezüglich besser sortiert sein."

"Für 2015 wünsche ich mir, dass wir weitere Schritte machen, dass wir die Zeit finden, um weitere Dinge auszusortieren und dass wir die Zeit für wichtige Langstreckentests finden, die wir im Vorjahr nicht hatten" schreibt Fritz Enzinger seinen Wunschzettel für das zweite Porsche-Jahr in der LMP1-Szene. "Das wünsche ich mir, damit wir im Juni nach Le Mans gehen können, im Wissen, dass wir siegfähig sind." Der nächste Einsatz des 2015er-Porsche, der im Dezember sein Rollout hatte, wird bei einem Test in Abu Dhabi vom 18. bis 22. Januar sein.

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