"Das ist einfach geil": Wie Porsche den Rekord-Aufbau von Jota bewertet

Nach dem Unfall im Training hat Jota in Rekordzeit ein neues Auto aufgebaut und den achten Platz erzielt - Porsches LMDh-Leiter Urs Kuratle findet das "einfach geil!"

(Motorsport-Total.com) - "Geil, das ist einfach geil!", jubelt Porsches LMDh-Leiter Urs Kuratle. Nach dem heftigen Unfall im Training am Mittwoch hat Jota den Porsche #12 (Stevens/Ilott/Nato) in Rekordzeit wieder aufgebaut und ohne große Vorbereitung in die 24h von Le Mans (der komplette Rennbericht!) geschickt. Eine Teamleistung, die am Ende mit dem achten Gesamtrang und dem Sieg bei den privaten Hypercar-Teams belohnt wird.

Titel-Bild zur News: Norman Nato, Callum Ilott

Der Rekordaufbau von Jota wird mit dem achten Platz belohnt Zoom

"Ich war nach dem Rennen bei denen und Jota ist ein mega geiles Rennteam", schwärmt Kuratle im Gespräch mit Motorsport-Total.com. "Wir haben versucht, von hinten ein bisschen zu unterstützen, aber denen musst du nicht zeigen, wie das geht, denn die wissen selbst, wie das geht."

Der Aufbau des Porsche 963, der sonst bis zu drei Wochen dauert, wurde innerhalb von nur 48 Stunden vollzogen. "Die wissen wahrscheinlich selber nicht, wie viele Stunden sie in den letzten fünf Tagen geschlafen haben, obwohl die Zahl nicht groß sein kann", schmunzelt Kuratle. "Das finde ich geil."

"Die wären auch lieber weiter oben gewesen, das ist klar", gibt der Leiter des LMDh-Programms bei Porsche zu. "Aber wenn du nach dem Rennen hingehst, die finden es geil. Also Jota ist definitiv ein richtig geiles Rennteam und auch große Gratulation an die Jungs."

"Eine Ehre, mit so einem tollen Team zu arbeiten"

Jota-Teamchef Dieter Gass hat für seine Mannschaft nur lobende Worte. "Ich habe den Mechanikern gesagt, dass es eine Ehre ist, mit so einem tollen Team zu arbeiten, wo die Leute wirklich so engagiert sind, so eine Moral haben, so motiviert sind, das ist wirklich unglaublich", sagt Gass zu Motorsport-Total.com.

Die Stimmung im Jota-Team war trotz der Umstände sehr gut

Die Stimmung im Jota-Team war trotz der Umstände sehr gut Zoom

Obwohl die Mechaniker das Auto in drei Tagen und Nächten komplett neu aufgebaut haben, sei die Stimmung im Team gut gewesen, verrät der Teamchef. "Man kommt hier am vierten Tag morgens am Renntag ins Fahrerlager und es ist eine Energie, eine Positivität, die Leute lächeln, sind freundlich und gut gelaunt, das ist unglaublich."

Für Gass ist auch "unglaublich", dass am Ende ein achter Platz herausspringt, noch vor Lamborghini und Peugeot. "Man muss sich das auch mal vorstellen, wir haben ein Auto aus dem Nichts aufgebaut, sind dann am Flughafen fünfmal die Gerade rauf- und runtergefahren, hatten noch 15-minütiges Warm-Up und sind dann in das härteste 24-Stunden-Rennen gestartet, das es gibt."

Beide Jota-Porsche laufen im Rennen fehlerfrei

"Das Auto lief, wie auch das zweite Auto des Teams, fehlerfrei", lobt der Jota-Teamchef und erinnert zugleich daran, dass der Jota-Porsche #38 (Button/Hanson/Rasmussen) mit dem neunten Gesamtrang nicht weniger schlecht funktionierte.

"Die Fahrer haben natürlich auch ihren Teil dazu beigetragen, bei schwierigen Bedingungen", so Gass. "Es hatte keiner irgendwie einen Kontakt [mit einem anderen Auto] oder einen Ausrutscher, das war alles wirklich wunderbar und bei den Bedingungen wirklich nicht zu erwarten."

Die Bedingungen in Le Mans waren nicht einfach

Die Bedingungen in Le Mans waren nicht einfach Zoom

"Ich glaube, wir hatten relativ wenig die falschen Reifen drauf", erinnert der Ex-Audi-Sportchef an den strategischen Erfolg des Teams. "Das ist auch der Grund gewesen, warum wir letztendlich keine Runde verloren haben und warum wir auch mit der #12, will ich jetzt mal sagen, ins Geschäft gekommen sind."

"Kam nicht nach vorne": Jota mit Startschwierigkeiten

Denn vor allem in der Anfangsphase lief es für den reparierten Jota-Porsche #12 nicht gut und er hat den Anschluss an die Spitze "ein bisschen verloren", verrät Gass bei Motorsport-Total.com. "Er hatte irgendwie die Höchstgeschwindigkeit nicht oder die Beschleunigung auf der Gerade hat nicht so richtig hingehauen."

Deshalb musste "noch ein bisschen an den Systemen herumdoktern, soweit man das konnte", spielt der deutsche Jota-Teamchef auf die unterschiedlichen Mapping-Einstellungen, beispielsweise bei den Schaltvorgängen, an. "Da hat er ein paar Plätze verloren am Anfang. Man hing da hinten ziemlich drin und kam nicht wirklich nach vorne."


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"Es gab keine großen mechanischen Probleme, aber natürlich ein paar Kleinigkeiten", verrät Callum Ilott gegenüber Motorsport-Total.com. "Wir hatten mit ein paar Geschwindigkeitsproblemen zu kämpfen. Aber wir haben das gelöst."

Der erste Regenschauer nach knapp zwei Stunden brachte den Jota-Porsche wieder nach vorne, weil das Team - im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten - auf Slicks geblieben ist und durchgehalten hat. "Das Auto kam nach vorne auf den dritten Platz", sagt Gass. "Das war eine gute Entscheidung und von da war man dann auch wirklich konkurrenzfähig."

Porsche-Werksteam noch etwas schneller

Am Ende reichte es aber nicht, um die beiden Werksporsche von Penske zu schlagen. "Wir sind mit einem brandneuen Auto gefahren", erinnert Ilott. "Wir hatten also keine Zeit zum Optimieren oder Testen, und mit den kleinen Problemen, die wir hatten, war es immer schwierig. Aber wir haben einen guten Job gemacht. Ich würde also das Tempo nicht vergleichen, denn wir hatten in dieser Hinsicht zu kämpfen."

"Ich arbeite nicht auf einen bestimmten Gegner zu, das habe ich nie gemacht", ergänzt Gass. "Penske ist für mich ein Gegner wie jeder andere. Die fahren halt zufällig das gleiche Auto im Werksteam, das ist okay, aber im Endeffekt ist das Ziel zu gewinnen."


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"Sicherlich ist es gut für uns zu sehen, wenn wir überhaupt in den Wettbewerb treten können mit denen", sagt der Jota-Teamchef. "Sie haben natürlich schon einen viel größeren Erfahrungsschatz, weil sie alle Tests für Porsche machen und natürlich auch ein größeres Budget haben. Wenn wir mit denen in den Wettkampf treten können, das ist alleine schon mal etwas wert, finde ich."

Ein achter Platz "ist definitiv nicht schlecht"

"[Das Team] hat einen tollen Job gemacht, um uns überhaupt ins Rennen zu bringen, geschweige denn in eine konkurrenzfähige Position mit einem wirklich zuverlässigen Auto", freut sich Ilott, für den der achte Platz "also definitiv nicht schlecht" ist.

"Natürlich wollten wir mehr, und vor dem Unfall am Mittwoch hatten wir auch ein bisschen mehr Pace dafür", erinnert der Brite. "Aber ich denke, sie sollten wirklich stolz auf das sein, was sie getan haben. Und sie haben uns die Möglichkeit gegeben, einen tollen Job zu machen."

Der Jota-Porsche wurde in Le Mans komplett neu aufgebaut

Der Jota-Porsche wurde in Le Mans komplett neu aufgebaut Zoom

Das 24h-Rennen verlief für das Porsche-Trio fast problemlos. "Wir haben unterwegs eine Strafe kassiert. Aber solche Dinge passieren", weiß Ilott. "Wir sind nie von der Strecke abgekommen, hatten nie etwas, und dann keine großen Probleme, also war es gut."

Als Dankeschön: Überraschung für die Mechaniker

"Dieses Ergebnis lässt sich von zwei Seiten betrachten. Das Rennen in der Führungsrunde und völlig ohne technische Probleme zu Ende zu fahren - hätte uns jemand das am Samstag angeboten, hätten wir ohne zu zögern angenommen", ergänzt Will Stevens, der den Unfall am Mittwoch als "herben Rückschlag" bezeichnet.

"Auf der anderen Seite kamen wir aber nicht hierher, um den achten Platz zu belegen. [Aber] ein großes Lob an das gesamte Team", bedankt sich Stevens, während Teamkollege Ilott ergänzt: "Wir haben ein paar Dinge als Belohnung für sie organisiert. Und hoffentlich können sie sich ein bisschen ausruhen, bevor das Zeug kommt."

Im Gespräch mit Motorsport-Total.com wollte der Brite aber nicht verraten, worum es sich handelt. "Nein, aber hoffentlich sind sie glücklich", grinst Ilott. "Sie haben einen tollen Job gemacht und sollten wirklich stolz sein."

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30. August - 1. September

Qualifying 1 Sa. 09:35 Uhr
Rennen 1 Sa. 15:00 Uhr
Qualifying 2 So. 09:55 Uhr
Rennen 2 So. 15:10 Uhr

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