24h Le Mans 2024: Ferrari verteidigt Gesamtsieg nach spannendem Kampf!

Ferrari besiegt Toyota erneut äußerst knapp trotz eines Tür-Dramas - Wetterkariolen mit 4,5 Stunden Safety-Car- Mick Schumacher frühzeitig ausgeschieden

(Motorsport-Total.com) - Dramen, Wetterkapriolen, eine ewige Safety-Car-Phase, harte Kämpfe - am Ende verteidigt Ferrari seinen Titel bei den 24 Stunden von Le Mans, diesmal mit dem anderen 499P als im Vorjahr. Antonio Fuoco, Miguel Molina und Nicklas Nielsen haben die 92. Auflage der 24 Stunden von Le Mans für Ferrari AF Corse gewonnen. (Ergebnis)

Titel-Bild zur News: Antonio Fuoco, Miguel Molina, Nicklas Nielsen

Antonio Fuoco, Miguel Molina und Nicklas Nielsen siegten bei den 24 Stunden von Le Mans 2024 Zoom

Sie setzten sich in einem spannenden Finale gegen den Toyota #7 (Kobayashi/Lopez/de Vries; 2.) durch. Es war der elfte Sieg für Ferrari beim Langstreckenklassiker auf dem Circuit de la Sarthe und der zweite in Folge seit der Rückkehr in die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC). (Ticker-Nachlese: So liefen die 24h Le Mans 2024)

Das Rennen wurde in einem Sprint über fünfeinhalb Stunden entschieden, nachdem mehrere Safety-Car-Phasen das Feld komprimiert hatten. Eine davon dauerte viereinhalb Stunden, von 3:47 bis 8:12 Uhr. Bis Mitternacht gab es eine weitere eineinhalbstündige Phase, nach der dritten am Sonntagmorgen dauerte das Rennen fünfeinhalb Stunden.

Nach dem Restart kristallisierten sich auf noch trockener Strecke langsam Toyota und Ferrari als Sieganwärter heraus. Für die endgültige Dramatik sorgte das Wetter, das wie angekündigt das Rennen immer wieder beeinflusste. Kurz vor 14 Uhr begann es so stark zu regnen, dass alle Fahrzeuge die Box ansteuern mussten.

Der Ferrari #50 setzte sich nach dem Wechsel auf Regenreifen entscheidend ab. Dahinter wurde es ruppig. Der Ferrari #51 (Pier Guidi/Calado/Giovinazzi) und der Toyota #8 (Buemi/Hartley/Hirakawa) kollidierten zum Leidwesen der #8. Der Dreher kostete alle Siegchancen.


Fotos: WEC 2024: 24 Stunden von Le Mans, Rennen


Doch auch die #50 bekam ein Problem: Die Beifahrertür war nicht richtig geschlossen, weshalb die Rennleitung den Ferrari gut 100 Minuten vor Schluss zum Stopp beorderte. Der Ferrari #50 war nun "off sequence" und stoppte versetzt zum Toyota. Das Finale wurde im Fernduell zwischen Nicklas Nielsen und Jose Maria Lopez entschieden.

Lopez fuhr wie besessen und war über weite Strecken schneller als Nielsen. Doch dann begann eine Serie von Fehlern, beginnend mit einem Dreher in der Dunlop-Schikane zu Beginn der letzten Stunde. Das Pendel schlug weiter in Richtung Ferrari aus, als es Nielsen gelang, seine Stints so zu strecken, dass er nach dem Tür-Stopp nur noch einmal tanken musste. Das alles machte die #50 zum Sieger.

Toyota wurde zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren durch einen Dreher knapp geschlagen. Die #7 fuhr den zweiten Platz nach Hause, gefolgt vom Ferrari #51 (Pier Guidi/Calado/Giovinazzi), der überraschenderweise mit dem Regenkönig des Vorjahres, Alessandro Pier Guidi, am Steuer im Regen nicht die Pace hatte.

Spannender Kampf um Platz drei

Er setzte sich gegen Laurens Vanthoor im Porsche #6 (Estre/Lotterer/L. Vanthoor, 4.) durch, der ihn in der letzten Stunde permanent unter Druck setzte, aber nicht in Angriffsposition kam. Beide Fahrzeuge trennten lediglich 1,167 Sekunden. Dass Vanthoor den Ferrari unter Druck setzen konnte, war eine kleine Überraschung.

Denn eigentlich fehlte Porsche sowohl im Trockenen als auch im Regen das letzte Quäntchen Speed. Der Porsche #6 kämpfte sich mit schnellen Boxenstopps immer wieder nach vorne, konnte aber auf der Strecke nicht ganz mithalten. Es fehlte nicht viel, aber über die Distanz summierten sich die fehlenden Zehntel pro Runde.

Der Porsche #5 (Campbell/Christensen/Makowiecki; 6.) komplettierte das Ergebnis für das Werksteam Penske. Dieser hatte bei einsetzendem Regen am Sonntagmittag zu spät auf Regenreifen gewechselt, nachdem er ebenfalls um den Sieg gekämpft hatte. Von dem Zeitverlust durch die eine Runde mehr auf Slicks konnte er sich nie mehr erholen. Der Porsche #4 (Jaminet/Nasr/Tandy) schied am Sonntagmorgen mit einem Unfall aus.


Fotostrecke: Alle Sieger bei den 24h Le Mans seit der Erstausgabe 1923

Auch Cadillac fehlte das letzte Quäntchen Speed. Der Cadillac #2 (Bamber/Lynn/Palou; 7.) war lange im Mix und führte das Feld nach dem letzten SC-Restart sogar an. Doch dann fiel der blaue Renner hinter Ferrari, Toyota und auch Porsche zurück.

Cadillac Chip Ganassi Racing musste die beiden anderen Fahrzeuge aus dem Kampf um den Sieg abschreiben. Der Cadillac #3 (Bourdais/van der Zande/Dixon; DNF) blieb am Sonntagmorgen mit einem technischen Defekt stehen. Der Cadillac #311 (Derani/Aitken/Drugovich; 15. H) fiel am Sonntagmorgen nach einem Safety-Car-Restart durch einen Unfall aus der Entscheidung.

Von den privat eingesetzten Hypercars kamen nur die beiden Jota-Porsche über die Distanz - ein hervorragender Lohn für die Wiederaufbauarbeit des Jota-Porsche #12 (Stevens/Ilott/Nato; 8.) nach dem Unfall am Mittwoch.

Der Jota-Porsche #38 (Button/Hanson/Rasmussen; 9.) kassierte in den letzten zwei Stunden noch eine Durchfahrtsstrafe wegen wiederholten Überschreitens der Streckenbegrenzung, kam aber ebenfalls problemlos über die Distanz. Für die Teamwertung der privaten Hypercar-Teams war dieser Doppelsieg für Jota Sport Gold wert.

Lamborghini und Peugeot sehen das Ziel

Weniger Glück hatten die beiden anderen privaten Hypercars. Der Proton-Porsche #99 (Tincknell/Jani/Andlauer; DNF) wiederholte zunächst das alte Türproblem von Spa und fiel dann am Sonntagmorgen mit technischen Problemen aus.

Der AF-Corse-Ferrari #83 (Kubica/Schwarzman/Ye; DNF) war lange Zeit Protagonist im Rennen und lag in der Nacht sogar lange an der Spitze. Das Aus kam hier am Sonntagmittag durch ein elektrisches Problem.

Erfreulich verlief das Rennen für Lamborghini. Als einziger Neueinsteiger brachte man beide Fahrzeuge ohne Probleme über die Distanz. Es fehlte zwar noch ein wenig an Grundspeed, aber ein zehnter Platz für den Lamborghini #63 (Bortolotti/Mortara/Kwjat) sollte dem noch jungen Programm Auftrieb geben.

Peugeot konnte sich während des gesamten Rennens nicht in Szene setzen. Bekanntermaßen fehlte es am Grundspeed, was sich schon die ganze Woche über abgezeichnet hatte. Hinzu kamen drei Durchfahrtsstrafen für den Peugeot #93 (Vergne/Jensen/Müller; 12.) während des Rennens.

Der Peugeot #94 (Vandoorne/di Resta/Duval) war als Elfter bester 9X8. Immerhin kann sich die Stellantis-Tochter auf die Fahnen schreiben, die Zuverlässigkeitsprobleme endlich in den Griff bekommen zu haben. Zufrieden wird man mit dem Ergebnis dennoch nicht sein.

Beide französischen Fahrzeuge landeten vor dem Lamborghini #19 (Grosjean/Caldarelli/Cairoli; 13.). Der IMSA-Lamborghini war während der gesamten Rennwoche langsamer als das WEC-Auto #63.

Isotta Fraschini kann sich auf die Fahnen schreiben, mit dem Tipo6-C problemlos durchgekommen zu sein - keine Selbstverständlichkeit für ein nagelneues Le Mans-Hypercar. Wie schon in der gesamten WEC-Saison 2024 lagen die Zeiten aber noch weit hinter den anderen Hypercars zurück. Immerhin konnte er die LMP2 deutlich auf Distanz halten und landete im Niemandsland zwischen den beiden Klassen.

Mick Schumacher schon nach sechs Stunden raus

Für Alpine endete das Rennen in einem Desaster. Als nach 100 Minuten ein Regenschauer einsetzte, wechselten beide Fahrzeuge wie 15 weitere Hypercars auf Regenreifen. Dies erwies sich für alle als die falsche Wahl und sie mussten wieder zurückwechseln. Dennoch hielt sich Alpine in der Führungsrunde und wäre durch die Safety-Car-Phasen wieder in Schlagdistanz gekommen.

Doch so weit kamen die blauen Boliden nicht. Bereits nach sechs Stunden fielen beide Alpine A424 kurz hintereinander mit Motorschäden aus. Beim Alpine #35 (Chatin/Habsburg/Milesi; DNF) ging der 3,4-Liter-V6-Turbomotor von Mecachrome vor der Arnage-Kurve kapital hoch.

Das Schwesterauto #36 (Lapierre/Schumacher/Vaxiviere; DNF) kam wenige Minuten später an die Box, wo nach kurzen Arbeiten am Aggregat der Ausfall erklärt wurde.

Ein Desaster erlebte auch BMW beim Debüt des M Hybrid V8 auf dem Circuit de la Sarthe. Hier kam man nur unwesentlich weiter als Alpine, weil die LMDh-Boliden zu viel Kontakt mit der Leitplanke hatten.

Den Anfang machte Marco Wittmann im BMW #15 (D. Vanthoor/Marciello/Wittmann; DNF), als er sich nach knapp 20 Minuten in der Esses drehte und leicht einschlug. Er musste außerplanmäßig alle vier Reifen und die Frontpartie wechseln. Das warf den von WRT eingesetzten Boliden zurück.

Nach zweieinhalb Stunden warf Robin Frijns den BMW #20 (S. van der Linde/Frijns/Rast; DNC) in der Ford-Schikane weg. WRT reparierte den LMDh-Boliden, der noch vier Ehrenrunden am Ende drehte. In die Wertung kam er wegen der zu geringen zurückgelegten Distanz nicht mehr.

Robert Kubica im zu diesem Zeitpunkt führenden Ferrari #83 beendete schließlich das BMW-Abenteuer komplett: Als der Pole und Dries Vanthoor im BMW #15 gleichzeitig einen GT überholten, fuhr Kubica dem Belgier in die Seite und schickte die #15 ins Verderben. Vanthoor blieb unverletzt, Kubica erhielt eine 30-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe.

LMP2: United Autosports triumphiert vor Inter Europol

Die LMP2-Klasse wurde von Oliver Jarvis, Bijoy Garg und Nolan Siegel im United-Autosports-Oreca #22 gewonnen. Für den 19-jährigen Kalifornier Nolan Siegel, der in diesem Jahr seine ersten IndyCar-Rennen fährt, war es das Debüt bei den 24h Le Mans.

Im Kampf um den Sieg waren in dieser zweiten Prototypen-Klasse, die in der WEC-Saison 2024 nur in Le Mans am Start ist, beim letzten Safety-Car-Restart noch sieben Autos im Lostopf. Auch hier war es letztlich ein Sprintrennen über sechs Stunden.

Das Podium hinter dem siegreichen United-Autosports-Oreca #22 (Jarvis/Garg/Siegel) machten der Inter-Europol-Oreca #34 (Smiechowski/Lomko/Novalak) und der Idec-Oreca #28 (Lafargue/van Uitert/de Gerus) komplett.

Die Top 5 wurden abgerundet vom AF-Corse-Oreca #183 (Perrodo/Barnicoat/Varrone), der in der langen nächtlichen Safety-Car-Phase ganz vorne lag, und vom Vector-Oreca #10 (Cullen/Pilet/Richelmi).

Zwar sorgte die LMP2 für eine ganz Reihe von Vorfällen, verzeichnete aber nur wenig Ausfälle. Lediglich der der APR-Oreca #45 (Kurtz/Braun/Catsburg) mit Radverlust in der Nacht, der Duqueine-Oreca #30 (Simmenauer/Allen/Falb) mit Motorschaden in der Nacht und der Proton-Oreca #9 (Ried/Capietto/Viscaal) mit frühen technischen Problemen mussten die Segel streichen.

LMGT3: Manthey-Porsche siegt vor WRT-BMW

In der LMGT3-Klasse ging der Sieg an Richard Lietz, Morris Schuring und Yasser Shahin im Manthey-Porsche #91, gefolgt vom WRT-BMW #31 (Leung/Gelael/Farfus) und vom Proton-Ford #88 (Roda/Pedersen/Olsen).

Spätestens mit der langen Safety-Car-Phase in den frühen Morgenstunden konnten die Amateurfahrer ihr Pensum abspulen. So kam es zu einer GT3-Schlacht zwischen den Profis und Semi-Profis nach dem letzten Boxenstopp.

Am Ende lief es auf einen Klassiker Manthey-Porsche vs. WRT-BMW hinaus - ohne taktische Spielchen. Sowohl der Manthey-Porsche #91 als auch der WRT-BMW #31 hatten ihren jeweiligen "Wingman" bereits verloren.

Bitteres Aus für Valentino Rossi beim Le-Mans-Debüt

Auf Seiten des Manthey-Teams hatte der Manthey-Porsche #92 (Malichin/Sturm/Bachler) ein Getriebeproblem, dessen Behebung fünf Runden kostete. Bei WRT schied der WRT-BMW #46 (Al Harthy/Rossi/Martin) rund um Valentino Rossi nach einem Fahrfehler von Ahmad Al-Harthy bei schwierigen Verhältnissen in der Nacht aus. Bis dahin war dieses Auto deutlich besser klassiert als der WRT-BMW #31. Zwischenzeitlich hatten Rossi und Co. die Klasse sogar angeführt.

Hinter den Top 3 kamen in der LMGT3-Klasse letztlich der Proton-Ford #44 (Mies/Tuck/Hartshorne) und der Iron-Lynx-Lamborghini #85 der "Iron Dames" (Bovy/Frey/Gatting) auf dem vierten respektive fünften Platz ins Ziel. Damit hat Ford beim Le-Mans-Debüt des Mustang LMGT3 gleich zwei Autos in die Top 4 gebracht. Für die "Iron Dames" Sarah Bovy, Rahel Frey, Michelle Gatting im Lamborghini Huracan LMGT3 war es ebenfalls ein starkes Rennen.

Abgesehen vom WRT-BMW #46 gab es im LMGT3-Feld fünf weitere Ausfälle, nämlich die beiden United-Autosports-McLaren (Startnummer 59 mit Cottingham/Costa/Saucy und Startnummer 95 mit Caygill/Pino/Sato), den Heart-of-Racing-Aston-Martin #27 (James/Mancinelli/Riberas), den JMW-Ferrari #66 (Petrobelli/ten Voorde/Yoluc) und ganz früh im Rennen schon den AF-Corse-Ferrari #54 (Flohr/Castellacci/Rigon).

Der Ausfall des Aston Martin von Heart of Racing war der spektakulärste Crash im gesamten Rennen. Daniel Mancinelli schlug in den Morgenstunden bei der Anfahrt zur Indianapolis-Kurve in die Reifenstapel auf der linken Seite der Strecke ein. Dabei überschlug sich der Vantage und blieb auf dem Dach liegen. Mancinelli kam ohne Verletzungen davon.

Das nächste Rennen im WEC-Kalender 2024 sind die 6 Stunden von Sao Paulo in Brasilien am 14. Juli.

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Spa-Francorchamps

30. August - 1. September

Qualifying 1 Sa. 09:35 Uhr
Rennen 1 Sa. 15:00 Uhr
Qualifying 2 So. 09:55 Uhr
Rennen 2 So. 15:10 Uhr

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