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"Geächtet": Rindts Weg vom Problemkind zum Formel-1-Star

Jochen Rindts Weg nach oben: Wie der Vollwaise mit der schiefen Nase gemeinsam mit Jugendfreund Helmut Marko die Grenzen auslotete und so zur Formel 1 kam

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So kannte man Jochen Rindt: Der "James Dean der Formel 1" - stets mit Zigarette - war einer der verwegensten Piloten der Königsklasse. Obwohl der deutsche Staatsbürger, der wegen seiner österreichischen Rennlizenz als Österreicher galt, nur sechs Rennen gewann, wurde er zum Mythos. Das lag auch daran, dass der ...
So kannte man Jochen Rindt: Der "James Dean der Formel 1" - stets mit Zigarette - war einer der verwegensten Piloten der Königsklasse. Obwohl der deutsche Staatsbürger, der wegen seiner österreichischen Rennlizenz als Österreicher galt, nur sechs Rennen gewann, wurde er zum Mythos. Das lag auch daran, dass der ...

(Motorsport-Total.com) - Jochen Rindt ist ein Mythos: Der einzige posthume Weltmeister der Formel-1-Geschichte, der heute seinen 75. Geburtstag gefeiert hätte, wird in einem Atemzug mit Legenden wie Jackie Stewart, Ayrton Senna oder Michael Schumacher genannt. Für aktuelle Stars wie Sebastian Vettel war er stets eines der ganz großen Idole. Und doch hat er in seiner Karriere nicht mehr als sechs Grand Prix gewonnen - also gleich viele wie Ralf Schumacher. Wie ist das möglich?

Ähnlich wie später Niki Lauda, Senna oder Michael Schumacher, die die Formel 1 professioneller machten, sorgte Rindt 1970 für eine Trendwende im Grand-Prix-Sport. Als er als 22-Jähriger 1965 in Zeltweg seine Formel-1-Premiere gab, war die Formel 1 ein Sport für reiche Herrenfahrer. Rindt hatte zwar als Vollwaise durch sein Erbe selbst Geld, er sah aber als Erster die Möglichkeit, durch die Selbstvermarktung reich zu werden.

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Daraus machte er kein Geheimnis. "Ich möchte Weltmeister werden - und der größte Name im Motor-Business sein", erinnert sich Reporterlegende Heinz Prüller, einer seiner engsten Vertrauten, heute noch an die genaue Wortwahl Rindts. "Dann verdiene ich Millionen", soll er gesagt haben.

Rindt ein Mensch voller Widersprüche

"Er war der erste Popstar der Formel 1", meint Jugendfreund Helmut Marko, der den Werdegang Rindts so nah wie kein anderer miterlebte, im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Kein Wunder, dass 30.000 Menschen zu seinem Begräbnis kamen, das live im Fernsehen übertragen wurde.

Und doch war Rindt ein widersprüchlicher Mensch. Er wurde weder in Österreich noch in Deutschland je Sportler des Jahres, weil er zwar den deutschen Pass hatte, aber im Motorsport durch die österreichische Rennlizenz als Österreicher wahrgenommen wurde. Für manche galt er als arrogant, für andere als liebenswürdig. In seinen Schulanfangsjahren soll er introvertiert gewesen sein, später rebellisch.

Wie Vollwaise Rindt den zweiten Weltkrieg überlebt

Geboren wurde Jochen Rindt in Mainz als Sohn der Österreicherin Ilse und des Deutschen Karl Rindt. Den Geschäftssinn hatte er möglicherweise von seinem Vater, der mit der Gewürzmühle Klein & Rindt in Mainz ein erfolgreiches Unternehmen führte, Mutter Ilse, eine Anwaltstochter, galt hingegen mit ihrem extravaganten Kleidungsstil als verwegen.

Als Abiturgeschenk erhielt sie einen BMW 328 und wollte damit an Rallyes teilnehmen, doch das scheiterte am Veto ihres Vaters. Dafür war sie begeisterte Skifahrerin und nahm in ihrer Jugend erfolgreich an Tennisturnieren teil. Auch der Hang zur Zigarette erinnert an ihren Sohn.

Als der kleine Jochen 15 Monate alt war, nahm sein Leben eine tragische Wendung. Eigentlich hatte sein Vater die Familie während des zweiten Weltkrieges schon im österreichischen Bad Ischl untergebracht, doch die Eltern wollten nach der Zweigstelle ihrer Mühle in Hamburg sehen. Beim Angriff der Alliierten wurden sie Opfer einer Brandbombe.

"Waren geächtet": Rindt und Marko schon in der Schule Grenzgänger

Rindt wuchs daraufhin bei den Großeltern im österreichischen Graz auf, die das Waisenkind verwöhnten. Aus dem introvertierten Jungen in der Volksschule wurde im Gymnasium rasch ein Außenseiter, der seine Grenzen austestete. In dieser Zeit lernte er auch den um ein Jahr jüngeren Helmut Marko kennen. "Übers Mopedfahren sind wir zusammengekommen", erinnert sich der Grazer an die wilden Verfolgungsjagden, die dafür sorgten, dass die Polizei zuhause Dauergast war. Außerdem flog Rindt von der Schule und kam danach in Markos Gymnasium.

"Wegen der schiefen Nase - da ist bei der Geburt etwas passiert - wurde Rindt damals ein bisschen gehänselt."
Helmut Marko

Auch seine typische flache Nase, die Rindt später zusätzlich Charakter verlieh, machte es ihm damals nicht immer leicht. "Wegen der schiefen Nase - da ist bei der Geburt etwas passiert - wurde er damals ein bisschen gehänselt", erinnert sich Marko. "Er war deswegen nicht so anerkannt, und wir waren dann in Graz beide geächtet. Erst als der Jochen später Erfolg hatte, ist er - wie so oft üblich - aufgestiegen zum Liebling und Star."

Marko und Rindt provozierten ihre Lehrer dermaßen, dass sie kurz vor dem Abschluss für ein positives Zeugnis den Deal eingehen mussten, sich nie wieder blicken zu lassen. Und so kam es, dass das draufgängerische Duo ab sofort das berüchtigte, von einem ehemaligen SS-Offizier geleitete Internat in Bad Aussee besuchten.

Wilde Autorennen ohne Führerschein

Doch auch dort brachte man sie nicht unter Kontrolle. Als sich Rindt beim Skifahren das Bein brach, schickte ihm die Familie einen alten VW-Käfer samt Fahrer, schließlich war das Schülerheim eine halbe Stunde von der Schule entfernt. "Den Chauffeur wurde Jochen schnell los", erzählt Marko. "Jochen fuhr also trotz Gipsfuß." Und ohne Führerschein, denn er war erst 17.

Die Straßen von Bad Aussee nach Graz wurden rasch zur Rennstrecke. Und die verwegene Bande hatte sich ein eigenes Bewertungssystem ausgedacht. "Wir waren immer zu dritt oder zu viert, und sobald ein Fahrfehler des Piloten festgestellt wurde, musste er das Cockpit verlassen, und der nächste ist drangekommen. Das heißt, jede Kurve musste optimal angefahren und durchgezogen werden. Mit dem VW-Käfer sind wir ja eh mehr gerutscht als gefahren", lacht Marko.

Deutscher Pass: Wie Rindt die Polizei austrickste

Auch die Polizei hatte keine Chance. "Der Jochen hatte ja einen deutschen Pass", erklärt Marko. "Und so haben wir eben den Polizisten erklärt, dass dieser Pass auch als Führerschein gilt, wenn du ins Ausland fährst. Das ging immer durch. Abgesehen von Bahnschranken konnte uns eigentlich nichts aufhalten."

"Einmal taumelte der Chevy am Straßenrand und ist dann einfach so drei Meter über die Böschung gerutscht."
Helmut Marko

Auch in Graz fuhren Marko und Rindt, der sich mit dem Geld der Gewürzmühle mit 18 einen Simca-Montlhery kaufte, gegeneinander Rennen - meist nachts zwischen Graz und Bruck oder Graz und Ries. "Mein Vater wunderte sich, warum sein Chevy plötzlich zehn Mal mehr Benzin verbrauchte", erinnert sich Marko. "Ich habe ihn immer heimlich aus der Garage geholt."

Doch irgendwann flog der Schwindel auf. "Es gab auch Crashes", erzählt Marko. "Einmal taumelte der Chevy am Straßenrand und ist dann einfach so drei Meter über die Böschung gerutscht." Das Auto konnte mit leichten Schäden gerettet werden. "Aber es war genug, um häuslichen Krach zu erzeugen", so Marko. Rindts Simca wurde einmal von einem Schneepflug "bis zur Vorderachse gespalten". Das tat der Sache aber keinen Abbruch: "Das haben wir mit Draht alles zusammengeflickt, und es ist direkt weitergegangen."

Nürburgring-Reise: Rindt will Formel-1-Fahrer werden

Die perfekte Übung für eine Motorsportkarriere. Den Ausschlag gab dann eine Reise zum Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring, nachdem Rindt das Abitur endlich im zweiten Anlauf geschafft hatte. Als die beiden nach der anstrengenden Fahrt vom Motorenlärm geweckt wurden, war es um Rindt geschehen. "Genau das will ich machen", soll er zu Marko gesagt haben.

Über nationale Rennen arbeitete er sich mit seinem für die Zeit überaus riskanten Fahrstil in den Formelsport. Anders als bei Marko war die Finanzierung kein großes Problem, da er mit 21 das Erbe aus der Gewürzmühle ausbezahlt bekam. Und dann sprangen auch die ersten Sponsoren auf. 1964 gelang in der Formel 2 der Durchbruch, als er Formel-1-Weltmeister Graham Hill bei einem Rennen in London im Kampf um den Sieg schlug.

Ein Jahr später debütierte er in der Formel 1 und gewann sensationell die 24 Stunden von Le Mans, 1966 wurde der Senkrechtstarter im britischen Cooper-Team schon WM-Dritter, doch in den folgenden Jahren hinderten ihn immer wieder Materialprobleme am ersten Sieg. Dafür gelang es ihm wie keinem anderen, sich zu vermarkten: Seine Rennwagenausstellung Jochen-Rindt-Show, bei der er ab 1965 in Essen, Wien und Linz die Topstars der Formel 1 auftreten ließ, setzte Maßstäbe, gemeinsam mit seinem Freund Bernie Ecclestone handelte er sich die besten Deals der Formel 1 aus.

Der Brite war es auch, der ihm schließlich nahelegte, 1969 zu Lotus zu wechseln, obwohl Konstrukteur Colin Chapman für seine gefährlichen Autos bekannt war. "Entweder du stirbst, oder du wirst dort Weltmeister", soll der spätere Formel-1-Zampano zu seinem Freund gesagt haben. Tragischerweise sollte sich beides bewahrheiten: 1970 verunfallte er in Monza tödlich und wurde posthum Weltmeister.

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