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Bernie Ecclestone exklusiv: Krieg der Worte mit Ross Brawn

Dicke Luft zwischen zwei mächtigen Männern: Sein "Nachfolger" Ross Brawn sei "nicht fähig" und werde für einen Betrüger gehalten, kritisiert Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone, Ross Brawn
Werden keine Freunde mehr: Bernie Ecclestone und Ross Brawn
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Bernie Ecclestone und Ross Brawn haben ein kompliziertes Verhältnis zueinander. Das war bisher in der Öffentlichkeit wenig bekannt, zeigt sich aber neuerdings immer deutlicher. In einem exklusiven Interview mit 'Motorsport-Total.com' attackiert der ehemalige Formel-1-Boss einen seiner Nachfolger im Management der Königsklasse recht direkt - aber das hat bei genauerem Hinsehen eine Vorgeschichte.

Brawn sei "natürlich nicht fähig", urteilt Ecclestone, von uns auf den neuen Sportlichen Manager der Formel 1 angesprochen. Auf den Einwand, der 62-Jährige habe mit Benetton und Ferrari große Erfolge gefeiert und sogar sein eigenes Team zum WM-Titel geführt, entgegnet Ecclestone trocken: "Absolut. Weil er betrogen hat." Er selbst glaube das zwar nicht, schwächt er seine Kritik ab (womöglich auch, um juristische Konsequenten zu vermeiden); "aber andere Leute schon".

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Ecclestones offenkundiger Unmut Brawn gegenüber könnte mit dessen Buch "Total Competition: Lessons in strategy from Formula One" (erschienen 2016 bei Simon & Schuster) zusammenhängen. Darin äußert sich der heutige FOM-Manager in mehreren Passagen recht abfällig über Ecclestone. Zum Beispiel: Als Ferrari die Formel 1 dominiert habe, sei FIA-Präsident Max Mosley recht pragmatisch mit der Situation umgegangen. Ecclestone hingegen habe sich nur "die Haare gerauft".

Ferraris Dominanz war Ecclestone ein Dorn im Auge

Und so zeichnet Brawn an mehreren Stellen ein Porträt von einem extrem irrationalen Charakter an der Spitze der Formel 1. Als etwa die Regel eingeführt wurde, dass pro Rennen nur noch ein Reifensatz verwendet werden darf, habe Mosley zwar die Implikationen verstanden, findet Brawn. "Bernie aber wäre nicht auf die Idee gekommen", sagt er. Ziel der Regel war damals, die Ferrari-Dominanz zu brechen und den Grand-Prix-Sport von seiner Eintönigkeit zu befreien.

"Bernie ist einer der Schlimmsten."
Ross Brawn

An anderer Stelle des Buchs sagt Brawn: "Ich frage mich, ob Bernie manchmal darüber nachdenkt, dass seine Angewohnheit, Leute einfach zu entfernen, die sich gegen ihn stellen, letztendlich nicht hilfreich ist." Leute wie seinen Co-Autor Adam Parr. Oder: "Es ist frustrierend, dass selbst hochrangige Einzelpersonen in der Formel 1 keine langfristige Vision und keinen langfristigen Plan haben. Und Bernie ist diesbezüglich einer der Schlimmsten."

Aussagen, die Ecclestone mehr kränken dürften, als er zuzugeben bereit ist. Er scheine keine sehr hohe Meinung von Brawn zu haben, konfrontieren wir ihn im Interview. "Nein, das stimmt nicht", entgegnet der nach mehr als 40 Jahren entmachtete Formel-1-Boss. "Die Position, die er hatte, sowohl bei Flavio (Briatore) als auch bei Ferrari, war nicht die, die Leute wie Chase (Carey; Anm. d. Red.) glauben, dass er hatte. Er musste in Wahrheit nie den Job machen, den er jetzt macht."

Brawn und der Concorde-Deal

Ecclestone bestreitet auch, dass er es war, der Brawn 2013 bei Mercedes entfernen ließ: "Das ist nicht korrekt." Er habe "keine Ahnung", warum der damalige Teamchef ging. "Vielleicht ein finanzieller Anreiz, vielleicht etwas anderes", spekuliert er. Paddock-Mythen besagen etwas anderes: Ecclestone habe mit Brawn kein neues Concorde-Agreement verhandeln wollen, deshalb wurde vom Daimler-Konzern Niki Lauda als Mediator eingesetzt.

Ecclestone: So sieht er seine Weggefährten

Der Zampano über Ron Dennis, Niki Lauda und Menschen, denen er "seinen gesamten Besitz anvertrauen" würde


23.01.2017
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Er ist seit über 60 Jahren in der Formel 1: Klar, dass sich Bernie Ecclestone in dieser Zeit so manchen Freund gemacht hat. Seine Kritiker behaupten, es seien hauptsächlich Feinde oder Leute, die sich etwas von ihm versprechen. Bei 'Sky Sports F1' spricht der 86-Jährige offen darüber, was er von seinen Weggefährten hält...
Er ist seit über 60 Jahren in der Formel 1: Klar, dass sich Bernie Ecclestone in dieser Zeit so manchen Freund gemacht hat. Seine Kritiker behaupten, es seien hauptsächlich Feinde oder Leute, die sich etwas von ihm versprechen. Bei 'Sky Sports F1' spricht der 86-Jährige offen darüber, was er von seinen Weggefährten hält...

Brawn hat daran, festgehalten in seinem Buch, eine andere Erinnerung. In den damaligen Concorde-Verhandlungen versuchten Brawn und sein Partner Nick Fry mit allen Mitteln, einen lukrativen Vertrag für das Mercedes-Team auszuhandeln. Ferrari, Red Bull und McLaren hatten sich Sonderkonditionen gesichert, die auch Mercedes für sich beanspruchen wollte. Aber das musste mit Ecclestone erst einmal verhandelt werden.

Ecclestone habe Daimler-Chef Dieter Zetsche angerufen, erinnert sich Brawn, "und sagte ihm, dass er Schwierigkeiten habe, mit mir zu verhandeln, dass es jemand anderes machen soll". Das war der Punkt, an dem Zetsche Lauda aktivierte. Es war Ostern 2012, und Lauda und Mercedes-Finanzvorstand Bodo Uebber flogen nach London, um mit Ecclestone einen neuen Concorde-Deal zu besiegeln. Brawn saß zu Hause in seinem frisch renovierten Haus in Cornwall.

Verhandlungen aus Cornwall ferngesteuert

"Weder Niki noch Bodo wussten wirklich, was sie zu tun hatten", erklärt Brawn in seinem Buch. "Also gingen sie immer wieder aus dem Meeting raus und riefen mich an. Ich saß an meinem Schreibtisch in Cornwall und nahm alle 15 Minuten das Telefon ab, um sie zu beraten, was sie akzeptieren sollen und was nicht." Das soll übrigens keine Spitze gegen Lauda sein: "Ist ja verständlich, dass Niki nicht reinmarschiert und alles versteht."

"In Wahrheit habe ich für das Team verhandelt."
Ross Brawn

"Ich musste parallel auch Caroline McGrory und Nigel Kerr anrufen, unsere Direktoren für Recht und Finanzen. Bei mir liefen alle Fäden zusammen. In Wahrheit habe ich für das Team verhandelt, ohne persönlich anwesend zu sein. Ob Bernie wusste, dass sie ständig rein und raus gingen, um mich anzurufen, weiß ich nicht. Aber wie dem auch sei: Letztendlich haben wir eine Vereinbarung getroffen", so der damalige Mercedes-Teamchef.

Kleine Randnotiz: Ecclestone drückte Mercedes einen Vertrag aufs Auge, der vorsah, dass es besonders attraktive Konditionen nur für den Fall gibt, dass das Team zweimal hintereinander Weltmeister wird und mindestens 24 Rennen innerhalb von zwei Jahren gewinnt. "Bernie hätte in einer Million Jahren nie gedacht, dass Mercedes das schaffen würde", erinnert sich Brawn und ergänzt: "Jetzt bekommen die diesen Bonus jedes Jahr bis 2020."

Brawn und Liberty: Nur ohne Ecclestone?

Die Spannungen zwischen Brawn und Ecclestone reichen bis in die Gegenwart. In unserem Interview sagt Ecclestone, er habe gehört, dass Brawn verlangt haben soll, "solange ich da bin, macht er den Job nicht. Das stand in seinem Vertrag." Liberty musste sich also entscheiden: entweder Brawn oder Ecclestone. Wie die Sache ausgegangen ist, ist bekannt. Doppelt bitter für Ecclestone: Carey habe ihn erst nicht darüber informiert, dass Brawn kommen würde.

"Man sagte mir: 'Ross kommt und wird sich um all die technischen Dinge kümmern, und um das Kommerzielle.' Und ich sagte: 'Zumindest ist Ross ein verdammt guter Betrüger!'", so Ecclestone. Daher habe er Liberty mitgeteilt, dass Brawn erstklassige Arbeit leisten werde. "Dann sagte man mir, dass er das Sendezentrum leiten soll, mehr oder weniger alles machen wird. Und ich sagte: 'Wenn er alles tun soll, was ich getan habe, okay.' Ich denke nur, er hätte mehr Erfahrung gebraucht."

In Bahrain habe Brawn ihn angerufen und um ein Gespräch gebeten, erzählt Ecclestone: "Er will mich besuchen. Ich weiß nicht warum." Und ergänzt in Richtung Liberty: "Sie hätten sich alles in Ruhe anschauen sollen, statt gleich Leute reinzuschmeißen. Ich weiß nicht, was sie für eine Vereinbarung mit Ross haben, aber vielleicht waren sie nicht ehrlich zu ihm." Was er damit konkret meint, verrät Ecclestone aber nicht ...

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