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Kolumne: Das Reizwort Schumacher

Chefredakteur Christian Nimmervoll über seine Beobachtungen der zwei Seiten des Michael Schumacher und dessen Wertigkeit für die Formel 1 in Deutschland

Michael Schumacher
2007 erhielt Michael Schumacher gleich zwei Awards von unserer Redaktion
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser,

meine erste persönliche Begegnung mit Michael Schumacher hatte ich bei einem Wintertest in Jerez 2006. Soweit ich mich erinnere, war ich gerade auf der Suche nach einem Ferrari-Ansprechpartner, um mich zu erkundigen, warum eines der beiden roten Autos gerade ausgerollt war. Ich steckte meine Nase in die menschenleere Ferrari-Hospitality und wollte gerade wieder Kehrt machen, da rempelte mich von hinten jemand ziemlich unsanft an. Michael Schumacher himself.

Michael hatte damals keine Ahnung, wer ich bin, und als Internet-Journalist war man vor sieben Jahren ohnehin grundsätzlich der Antichrist - ich erinnere mich noch gut an meine ersten Begegnungen mit einigen Kollegen aus dem Print, die an Überheblichkeit nicht zu überbieten waren. Also war mir ziemlich klar, dass "Herr Schumacher" nichts sagen würde, wenn ich ihn aus dem Blauen heraus selbst frage. Doch er redete: "Keine Ahnung, bin grad aus dem Auto gestiegen. Was Technisches." Klingt ruppig, aber ein freundliches Lächeln war mehr, als einem neuen Internet-Journalisten damals von weit weniger bedeutenden Menschen entgegengebracht wurde.

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Es war, soweit ich mich erinnern kann, auch meine einzige Begegnung ohne Sabine Kehm im Schlepptau, die berühmte Frau mit dem Diktiergerät, die heute unser Jahresrückblick-Aufmacher ist. Kehm beschreibt sich in unserem Gespräch selbst als "Prellbock", aber worauf ich damit hinaus will, ist eigentlich folgendes: Wenn Michael seinen Prellbock mal nicht dabei hatte, war er sich nicht zu schade, diesen einfach selbst zu spielen und mal ein bisschen zu schubsen, wenn es denn wirklich nötig war.

Keiner hat's so schwer wie Schumi

Es wurde ihm oft angelastet, dass er sich wenig bis kaum Zeit nimmt, wenn etwa am Paddock-Ausgang in Monza dutzende Tifosi jeden Fahrer kreischend umzingeln, bis in die späten Abendstunden hinein. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Michael sich dieses Jahr vor diesem direkten Kontakt gedrückt hat, was sicher eines der Puzzleteile ist, die ihm seinen unnahbaren Ruf eingebracht haben. Ich habe tags darauf aber auch gesehen, durch ein Fenster des Medienzentrums, wie er völlig locker durch die Boxengasse wanderte, jeden einzelnen Autogrammwunsch lächelnd erfüllte und seine meiste Aufmerksamkeit einem Fan im Rollstuhl widmete.

Das sind die zwei Seiten des Michael Schumacher, und der Fairness halber sei auch angemerkt: Das Gekreische am Paddock-Ausgang in Monza ist bei keinem anderen Fahrer nur annähernd so hysterisch, Fernando Alonso (Fotostrecke: Schumachers größte Rivalen) vielleicht mal ausgenommen. Es ist leicht, immer freundlich zu sein, wenn sich keiner für einen interessiert.

Steht man aber jede Sekunde des Tages, sobald man das Hotel verlassen hat, im Fokus dutzender Kameras, dann macht es irgendwann keinen Spaß mehr. Stellen Sie sich vor, Sie unterhalten sich auf einer Party angeregt mit jemandem, werden aber alle zehn Sekunden unterbrochen. Willkommen in der Welt von Michael Schumacher!

Für uns Journalisten, und besonders die im Internet, war die Schumacher-Ära bei Ferrari Gold wert. Plötzlich scharrte in Deutschland eine ganze Industrie in den Startlöchern, die nur darauf wartete, den Medienmarkt als Werbeplattform nutzen zu können. Der Hype ist längst verflogen, aber ich muss wohl zugeben, dass die Möglichkeit besteht, dass ich heute Politik- statt Motorsport-Journalist wäre, wenn es die Schu-Mania nicht gegeben hätte. Aber auch Sebastian Vettel, Nico Hülkenberg und Co. würden sonst vielleicht Currywürste an irgendeiner Kartbahn verkaufen, weil es den Markt Formel 1 in Deutschland vor Schumacher nicht gegeben hat.

Dafür können wir alle nur sagen: Danke, Michael!

Sportlicher Misserfolg ist Tatsache

Dass das Comeback ein sportlicher Misserfolg war, daran führt kein Weg vorbei, wie man es auch dreht und wendet. Ja, der Mercedes war nie ein Siegerauto, aber Nico Rosberg holte deutlich mehr heraus - und zwar so deutlich, dass man die Differenz nicht mehr durch Glück oder Pech erklären kann. Aber wen interessiert das? Im Geschichtsbuch bleiben sieben WM-Titel und 91 Grand-Prix-Siege stehen, und das ist mehr als jeder andere. Davor gilt es, ohne jeden Vorbehalt, den Hut zu ziehen.

Christian Nimmervoll
Christian Nimmervoll, Chefredakteur für Motorsport-Total.com und Formel1.de
© MST / C. Aster

Trotzdem war das Thema Schumacher für uns immer ein schwieriges. Berichtet man positiv darüber, füttert man ja nur die eigene Hand und schwimmt mit der Masse, berichtet man negativ, war man sowieso schon immer Schumi-Basher und von Neid zerfressen. Zu beobachten, auf welchem Niveau sich in unserem Forum oder den Userkommentaren fast schon programmgemäß die Schädel eingehauen werden, wenn irgendwo das Reizwort "Schumacher" vorkommt, war manchmal gleichermaßen amüsierend wie auch schockierend.

Eines kann man Michael Schumacher ganz bestimmt nicht vorwerfen: dass er jemanden kalt gelassen hätte. Entweder man hat ihn geliebt oder gehasst, aber beide Seiten haben ihren Standpunkt mit dem Messer zwischen den Zähnen verteidigt. So gesehen hatte jeder was vom Comeback: Die einen, weil sie noch einmal mit ihrem großen Helden mitfiebern konnten, die anderen, weil sie ihn endlich verlieren sahen.

Letzteres war in mehr als 20 Jahren Formel 1 viel seltener der Fall.

Ihr

Christian Nimmervoll

(Chief Editor Portals, SPORT MEDIA SERVICE GROUP)

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