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Hembery: "Wenn es regnet, fährt sowieso keiner"

Nach dem Regen-Wochenende in Silverstone: Pirelli-Sportchef Paul Hembery spricht über Sinn und Unsinn einiger der jüngsten Diskussionen

Paul Hembery
Paul Hembery hält wenig davon, noch extremere Regenreifen anzubieten
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Pirelli spielte an diesem Wochenende eine der Hauptrollen in Silverstone: Erst wurde am Freitag wegen starken Regens kaum gefahren, was McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh veranlasste, Paul Hembery live on air um zusätzliche Full-Wets anzubetteln. Heute im Rennen wurde dann praktisch ohne Trockentraining ein trockener Grand Prix gefahren - und Mark Webbers Reifenwahl ging in den letzten Runden des Rennens voll auf. Grund genug für 'Motorsport-Total.com', Sportchef Hembery aufzusuchen und mit ihm die Lektionen des achten WM-Laufs 2012 zu diskutieren. Wichtigste Erkenntnis: Pirelli könnte noch extremere Regenreifen bauen - aber wäre das überhaupt sinnvoll?

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Frage: "Paul, warst du über einige der Strategien heute überrascht?"
Paul Hembery: "Es gab ein paar interessante. Die Streckentemperaturen waren im mittleren 20er-Bereich und es wehte immer noch ein kalter Wind. Da war die Temperatur niedrig, und die Oberfläche war teilweise noch ein bisschen feucht. Das hat nicht dabei geholfen, Temperatur in die Reifen zu bringen. Also wussten wir, dass der weiche Reifen nicht ins Temperaturfenster kommen würde, insbesondere links vorne. Dafür hätte es wärmer sein müssen."

Großes Rätselraten vor dem Start

"Dementsprechend haben wir schon damit gerechnet, dass alle die Zeit auf Soft minimieren und versuchen würden, mit Hard zu attackieren. Für das Rennen hatten alle Zweifel, ob das Wetter halten würde. Eine Stunde vor dem Start hieß es, dass es gegen Rennmitte einen Schauer geben soll. Das hätte einige dazu verleiten können, mit Hard zu beginnen und sich einen Stopp zu sparen, wenn es zu regnen beginnt. Es gab viele Überlegungen, und es war für die Teams wegen der limitierten Trainingszeit im Trockenen sehr schwierig, die richtigen Entscheidungen zu treffen."

"Gegen Ende sahen wir dann ziemlich unterschiedliche Strategien. Ferrari fehlten nur ein paar Runden auf den harten Reifen. Vielleicht hätte das am Ergebnis nichts geändert, aber knapper wäre es sicher geworden. Ich bin mir sicher, dass sie mit dem Ergebnis von Alonso und besonders Massa trotzdem zufrieden sind, denn das zeigt, dass ihr Auto hier konkurrenzfähig war. Und Red Bull ist sicher besonders erfreut!"

Frage: "Der Abbau war teilweise unterschiedlich stark. Hattet ihr das erwartet?"
Hembery: "Das hat schon ungefähr mit unseren Erwartungen gedeckt, zumindest auf den harten Reifen. Mit den weichen Reifen gab es ein bisschen Variation, das stimmt. Ich weiß nicht, ob die Teams ihre Setups auf Regen eingestellt hatten. Einige sind vielleicht aggressiver gefahren als andere - das kann auch Einfluss auf die einzelnen Performances haben."

"Der Lotus war wieder sehr stark im Rennen. Grosjeans Strategie war beeinträchtigt, weil er schon nach ein paar Runden reinkommen musste, aber er war bis zum Ende sehr schnell unterwegs, obwohl seine Reifen schon 26 oder 27 Runden drauf hatten."

Silverstone ein eigenes Kapitel

Frage: "Man sagt hier, dass sowieso abgebrochen wird, wenn es so stark regnet, dass man Full-Wets fahren müsste. Bringt es also überhaupt etwas, Full-Wets anzubieten?"
Hembery: "Das wird geredet, ja, aber wir müssen realistisch sein. Regen ist nicht gleich Regen. Hier in Großbritannien gibt es seit einem Monat Überflutungen und wir hatten viel stehendes Wasser auf der Strecke. Das sind schon besondere Umstände. So gesehen ist es verständlich, dass die Leute nicht zu viel riskieren wollten."

"Bei anderen Rennen wurden die Regenreifen sehr wohl eingesetzt, aber Regen ist eben keine Konstante. Es ist wie mit den Winterreifen. Man kann ja nicht einfach sagen, dass es nass ist, sondern es gibt verschiedene Regenarten, es gibt verschiedene Temperaturen. In Malaysia ist der Regen zum Beispiel warm, wie unter einer Dusche im Bad, wohingegen es hier in Großbritannien sehr kalt regnet."

Frage: "Kannst du dir vorstellen, dass die Formel 1 irgendwann einfach nicht mehr fahren wird, wenn es regnet?"
Hembery: "Nein, glaube ich nicht. Wir müssen vernünftig sein. Sicherheit steht im Vordergrund, genau wie im Straßenverkehr. Wenn es so stark regnet wie gestern, wirst du auf der Autobahn keine 110 km/h fahren, weil du sonst einen Unfall baust. Mehr als 50 oder 65 km/h gehen da halt nicht. Gischt, Aquaplaning - die Gründe sind die gleichen wie im Formel-1-Auto. Da müssen wir realistischer werden. Gestern ist ja sogar das Safety-Car schon ziemlich rumgeeiert, obwohl das ein Auto ist, das für den Straßenverkehr designt wurde."

Full-Wets verdrängen 60 Liter pro Sekunde

"An den Regenreifen in der Formel 1 kann man sowieso nicht wahnsinnig viel ändern. Wir reden da von ziemlich aggressiven Reifen, denn 60 Liter in der Sekunde zu verdrängen, ist eine gewaltige Menge Wasser. Ich weiß nicht, wie extrem es die Leute haben wollen. Natürlich könnten wir die Profiltiefe erhöhen. Wir können uns Regenreifen-Designs anschauen, zum Beispiel die Höhe. Manchmal kommt durch die geringe Bodenhöhe Wasser ins Chassis. Da spielen also viele Faktoren zusammen."

Frage: "Könntet ihr den Reifen-Durchmesser erhöhen, um die Autos anzuheben?"
Hembery: "Der Durchmesser ist bei den Regenreifen schon um zehn Millimeter größer. Vielleicht brauchen wir noch mehr. Wir wären dazu in der Lage. Wenn die Reifen dann auch verwendet werden, machen wir es, aber man muss auch realistisch sein: Jedes Mal, wenn es regnet, fährt sowieso keiner. Wenn es bei den Wintertests regnet, stehen alle in der Garage. Wenn es am Freitag regnet und die Wettervorhersage für Samstag und Sonntag gut ist, fahren sie nicht."

"Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Wir können noch extremere Reifen entwickeln, aber würden die je verwendet werden? Gute Frage. Du lernst halt nicht viel draus, wenn du an einem Freitag oder Samstag 30 oder 40 Runden auf Regenreifen fährst. Die Fans wollen sehen, dass die Autos fahren, aber es gibt auch viele Sicherheitsaspekte."

"Wenn man mal die Onboard-Kameras im Regen anschaut, dann sieht man oft, wie die Fahrer einfach in eine Mauer aus Wasser hineinfahren. Da kannst du nichts mehr sehen. Ich habe mit einigen Fahrern darüber gesprochen, die sagen, dass es Glückssache ist, das rote Rücklicht des Vordermannes zu sehen. Und wenn du es siehst, ist es manchmal schon zu spät."

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