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Tost: "Neue Märkte sind so wichtig für unsere Sponsoren"

Franz Tost verteidigt die weltweite Expansion der Formel 1, will auf Europa aber nicht ganz verzichten - Rückkehr in die FOTA ist nicht geplant

Franz Tost (Teamchef)
Franz Tost freut sich vor allem über die Rückkehr der Formel 1 in die USA
© Red Bull/Getty

(Motorsport-Total.com) - Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost sieht in neuen Märkten wie Russland, Indien und China die Zukunft der Formel 1. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht der Österreicher außerdem über die Zukunftspläne seines Teams und dass Ressourcen-Restriktions-Abkommen. Eine baldige Rückkehr in der FOTA schließt Tost aus. Außerdem bewertet der Teamchef die Leistungen seiner Fahrer und erklärt, in welchen Bereichen sie sich noch steigern können.

Frage: "Franz, vier Saisonrennen sind bereits absolviert. Wie bewertest du bisher eure beiden Junioren im Cockpit?"
Franz Tost: "Das Team ist mit beiden Fahrern ziemlich zufrieden, denn beide leisten bisher gute Arbeit. Sie haben in den ersten beiden Rennen Punkte geholt - Daniel in Australien und Jean-Eric Vergne in Malaysia. Ich muss sagen, dass beide gute Arbeit leisten und ihre Leistung steigern. Ich bin zuversichtlich, dass sie während der Saison den nächsten Schritt machen werden. Momentan ist Jean-Eric im Qualifying ein bisschen zu aggressiv, aber ich bin überzeugt, dass er das ändern wird. Daniel ist besonders in der Startphase ein bisschen zu aggressiv, aber auch er wird das lernen. Dann, davon bin ich überzeugt, werden sie in den nächsten Rennen gute Arbeit leisten."

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Frage: "Glaubst du, dass sie sich unter Druck setzen, weil sie erlebt haben, was mit ihren Vorgängern passiert ist? Könnte das der Grund für ihre Aggressivität sein?"
Tost: "In der Formel 1 stehst du immer unter Druck. Ein Fahrer, der erfolgreich werden möchte, muss mit diesem Druck erstens leben und ihn zweitens zur Seite schieben und sich auf seine Arbeit konzentrieren können. Denn je lockerer ein Fahrer ist, desto besser wird er fahren. In der Formel 1 ist es so, dass der Druck größer und nicht kleiner wird, wenn junge Fahrer einen Schritt nach vorne machen. Das gilt generell im Sport: Man muss mit Druck umgehen können. Erfolgreiche Sportler schaffen das, andere nicht."

Frage: "Verbringen die beiden viel Zeit hier in der Fabrik in Faenza?"
Tost: "Ja, sie waren schon ein paar Mal hier. Während der Saison verbringen wir praktisch jedes zweite Wochenende miteinander - da ist es nicht notwendig, hierher zu kommen, weil wir genug Zeit haben, um miteinander zu reden. Daher sind sie während der Saison nicht so oft in der Fabrik. Aber am Saisonbeginn und wenn es sonst notwendig ist, kommen sie natürlich her, um Daten zu analysieren oder einen Sitz anpassen zu lassen, nur um Beispiele zu nennen."

Steile Lernkurve der Fahrer

Frage: "Daniel hat im Vorjahr zwar elf Rennen bestritten, aber er kannte noch keine der ersten vier Strecken. Jean-Eric auch nicht. Ist dein Eindruck, dass sie Strecken relativ schnell lernen?"
Tost: "Sie lernen schnell. Zum Glück konnten sie auch auf dem Simulator ein paar Sessions fahren. Trotzdem ist der Simulator ein paar Schuhe und die richtige Strecke ein anderes. Aber wie gesagt: Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet, besonders wenn man in Betracht zieht, dass sie die ersten vier Rennstrecken nicht kannten."

Frage: "Ihr verwendet den Simulator von Red Bull in Großbritannien, ist das richtig?"
Tost: "Ja, das stimmt."

Frage: "Wenn wir einen Blick auf die Anlage hier werfen, dann reden wir von ungefähr 7.500 Quadratmetern. In den vergangenen zwei, drei Jahren ist der Standort enorm gewachsen, aber gibt es für die Zukunft weitere Expansionspläne?"
Tost: "Wir befinden uns gerade im Aufbau einer neuen Verbundstoff-Werkshalle. Die sollte Ende Juli fertig werden. Im August werden wir alle Maschinen, zum Beispiel die Autoklaven, hineinstellen. Die Produktion soll in dieser neuen Halle schon 2013 beginnen. Dann haben wir ungefähr 3.400 Quadratmeter nur für Verbundstoff-Produktion. Das ist viel Platz, sodass wir in Zukunft noch mehr Teile produzieren können als jetzt. Ziel ist, dadurch die Performance zu verbessern."

Frage: "Momentan baut ihr 70 Prozent selbst, 30 Prozent kommt von externen Zulieferern. Wollt ihr den Eigenanteil mit den neuen Anlagen weiter erhöhen?"
Tost: "Ja. Ich schätze, unterm Strich werden wir dann rund 90 Prozent im Haus produzieren. Kleine Teile werden wir weiterhin zukaufen - das ist notwendig. Wenn möglich würden wir am liebsten alles selbst machen. Das ist weniger eine Frage des Platzes und der Manpower, sondern es ist eine Zeitfrage. Besonders im Januar gibt es in der Produktion eine Spitzenphase. Da muss man so viele Teile in so kurzer Zeit produzieren, dass einem einfach die Manpower und die Zeit davonläuft. Das ist das Hauptproblem, denn alle Teile werden wie üblich ziemlich spät fertig."

"Es ist immer das Gleiche: Die Ingenieure wollen so lange wie möglich mit dem Modell im Windkanal arbeiten, um die Entwicklungszeit zu verlängern, und die Designer wollen auch bestmögliche Arbeit leisten, was ebenfalls Zeit frisst. Am Ende ist die Produktion immer die Abteilung, die alles aufholen muss, damit das Auto für den ersten Testtag oder für die Präsentation fertig ist. Das ist der Grund, warum man unter normalen Umständen nicht alles intern produzieren kann. Das ist ganz einfach eine Zeitfrage."

Fabrik wird ausgebaut

Frage: "Ist die neue Halle, die ihr gerade baut, in den 7.500 Quadratmetern eingerechnet? Oder werdet ihr damit dann größer als 10.000 Quadratmeter?"
Tost: "Nein, das ist schon eingerechnet. Aber neben dieser Halle für die Verbundstoff-Abteilung werden wir eine zweite Halle als Maschinenwerkstatt aufbauen. Zwischen diese beiden Hallen kommt ein Bürogebäude, denn im Moment arbeiten unsere Designer und die CFD-Gruppen in Containern. Die werden dann in die neuen Büros übersiedeln. Damit sind wir dann auf ungefähr 7.500 Quadratmetern."

Frage: "Ansonsten noch irgendwelche Pläne, die darüber hinaus gehen?"
Tost: "Nein. Das ist das Programm für die nächsten zwei Jahre. Danach wird man sehen. In der Formel 1 hast du aber immer vor, die Kapazitäten zu erweitern, um letzten Endes eine bessere Performance abliefern zu können. Das ist das Ziel."

Frage: "Ihr habt derzeit ungefähr 300 Mitarbeiter. Werdet ihr da in naher Zukunft weiter aufstocken?"
Tost: "Ein bisschen vielleicht, aber nicht zu viel. Ich glaube nämlich, dass wir jetzt ein gutes Niveau erreicht haben. Wir brauchen noch ein paar Leute in der Aerodynamik-Abteilung, ein paar Designer, aber insgesamt ist unsere Basis gut. Wenn uns auffällt, dass wir in einzelnen Bereichen nicht gut genug sind, werden wir neue Leute holen. Es ist aber nicht geplant, die Personalzahl signifikant zu erhöhen."

Frage: "Ihr seid sicher weit unterhalb der durch das RRA (Ressourcen-Restriktions-Abkommen; Anm. d. Red.) vorgegebenen Grenze, oder?"
Tost: "Wir sind weit unterhalb des RRA. In unserer Situation müssen wir erst alles stabilisieren. Dann können wir in Zukunft darüber nachdenken, ob wir weiter wachsen sollten."

Frage: "Wenn wir schon vom RRA sprechen: Bist du zufrieden damit, so wie es ist, oder würdest du gerne etwas ändern?"
Tost: "Das derzeitige RRA konzentriert sich rein auf die Chassis-Seite. Der komplette Antriebsstrang mit Motor, KERS und Getriebe ist nicht durch das RRA geregelt. Wenn wir ein faires System für alle Beteiligten wollen, dann nehmen wir den Antriebsstrang entweder auf - oder wir vergessen das RRA ganz. Das ist meine Meinung dazu. Es gibt einige Beteiligte, die sich sehr für das Chassis-RRA starkmachen, aber im Hintergrund Unmengen von Geld für den neuen Motor, das neue ERS-System und das neue Getriebe ausgeben, die 2014 kommen. Das ist kein gerechter Weg."

Frage: "Die neuen Motoren ab 2014 werden mehr kosten als die aktuellen V8-Motoren. Wurde schon entschieden, wer dafür zahlen soll? Es gibt schließlich eine Obergrenze für die Motorenkosten..."
Tost: "Es wurde noch nicht entschieden, wie viel die Motorenhersteller von den Teams verlangen werden. Ich gehe aber davon aus, dass das Motorenreglement dann ein paar Jahre stabil bleiben wird. Das verringert die Kosten. Derzeit sind die Entwicklungskosten sehr hoch. Es ist immer so: Wenn man die Regeln in der Formel 1 ändert, ist das sehr teuer, aber das neue Motorenreglement ist recht vernünftig, eine gute Idee. Wir müssen in die Richtung gehen, in die auch die Automobilindustrie geht, sprich Motoren mit weniger Emissionen, aber mit Aufladung. Die Richtung ist also zu 100 Prozent richtig, aber die ersten Jahre werden natürlich ziemlich teuer. Aber solange das Motorenreglement stabil bleibt, wird es unterm Strich billiger."

"Die beste Formel 1"

Frage: "Wenn du zwei Dinge an der Formel 1 ändern könntest, was wäre das?"
Tost: "Ich finde, die aktuelle Formel 1 ist die beste Formel 1, die ich je gesehen habe. Denn in den ersten vier Rennen hatten wir vier verschiedene Sieger und wir haben Rennen, die bis zur Ziellinie nicht entschieden sind. Es gibt kein Team, das weit vor allen anderen liegt, und im Mittelfeld gibt es harte Kämpfe. Jeder, mit dem ich rede, sagt, dass die Formel 1 noch nie so interessant war. Daher glaube ich, dass wir auf einem guten Weg sind, was das Sportliche angeht."

Außerdem fahren wir dank Bernie inzwischen überall auf der Welt. Diese neuen Märkte sind so wichtig für unsere Sponsoren. Europa ist wichtig, denn Europa ist die Heimat der Formel 1. Die wichtigsten Rennen hier dürfen wir nie vergessen. Für mich sind das Silverstone und Monza wegen der Geschichte, eine Strecke in Deutschland, entweder der Nürburgring oder Hockenheim, mindestens eine Strecke in Spanien, Spa und Monaco. Die restlichen Rennen können in Übersee stattfinden. Wichtig ist, in Russland zu fahren, in China, in Indien."

"Normalerweise bräuchten wir auch zwei Rennen in Südamerika, zum Beispiel Brasilien und Argentinien. Zum Glück fahren wir jetzt wieder in Amerika, was für unsere Sponsoren sehr wichtig ist. New York wird ein Highlight. Ich glaube, dass das die Popularität der Formel 1 enorm erhöhen wird. Wir sind in Japan, im Mittleren Osten. Das sind die Länder, in denen das Geld liegt, und da müssen wir hin."

Frage: "Afrika hast du nicht auf deiner Liste?"
Tost: "Nein, aber Afrika sollte auf die Liste aufgenommen werden, denn Afrika insgesamt und besonders Südafrika ist ein sehr wichtiger Zukunftsmarkt. Leider müssen wir einsehen, dass Europa nicht mehr so viel Geld hat. Die Formel 1 muss hingehen, wo das Geld ist. Daher bin ich mit dem Rennkalender, den wir haben, zufrieden."

Frage: "Ist es derzeit schwierig, Sponsoren zu finden?"
Tost: "Es ist immer schwierig, Sponsoren zu finden, denn die Formel 1 ist nicht der billigste Sport. Trotzdem haben wir es zum Glück geschafft, uns mit ein paar Firmen einig zu werden. Ich hoffe, dass die bei uns bleiben werden."

Frage: "Wie siehst du heute die Bedeutung der Teamvereinigung FOTA?"
Tost: "Die FOTA war vor einigen Jahren sehr wichtig, als wir zusammengehalten und Kostenregeln ausgearbeitet haben. Wir haben die Tests während der Saison gestrichen, was viel Geld gespart hat, weil das Testen ziemlich teuer ist. Die Zusammenarbeit war gut. In den vergangenen eineinhalb Jahren hatten wir viele Meetings, aber wir kamen nicht mehr weiter. Daher fällt es mir momentan schwer, die Zukunft der FOTA vorherzusagen. Vor allem in puncto Ressourcen-Restriktions-Abkommen haben wir oft diskutiert, dass der Antriebsstrang auch aufgenommen werden sollte, aber passiert ist nichts. Wir werden sehen. Für Toro Rosso macht es momentan keinen Sinn, Mitglied der FOTA zu sein."

Frage: "Wo steht ihr in puncto Concorde-Agreement?"
Tost: "Für uns ist das fixiert."

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