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GRAND-PRIX-BERICHTE
 
Hamilton vor Massa - Rätselraten über Trainingszeiten
 
von Christian Nimmervoll 21. März 2008 - 08:33 Uhr
 
Lewis Hamilton durchbrach im zweiten Freien Training die Ferrari-Dominanz - Topzeiten von Jenson Button und Sebastian Vettel machen stutzig
 
Lewis Hamilton
Lewis Hamilton konterte am Ende, als ein paar Wolken am Himmel aufzogen
Zoom © xpb.cc
(Motorsport-Total.com) - Nach dem Grand Prix von Australien waren die meisten Experten der Meinung, dass man das Kräfteverhältnis noch immer nicht richtig einschätzen kann, aber auch nach dem heutigen ersten Trainingstag in Malaysia ist das Bild nicht viel klarer. In der Nachmittagssession auf dem Sepang International Circuit bei Kuala Lumpur setzte sich Lewis Hamilton durch.

McLaren-Mercedes hatte über weite Strecken der 90 Minuten großen Rückstand auf Ferrari, aber Hamilton ging kurz vor Schluss bei kühler werdenden Bedingungen - die Höchstwerte lagen bei 32 Grad - noch einmal raus und schaffte in 1:35.055 Minuten den entscheidenden Konter. Der WM-Leader war auf seinem Run jedoch mit weichen Reifen unterwegs und konnte die Zeit nur einmal fahren, während die Ferraris insgesamt konstanter wirkten.



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Beeindruckender Longrun von Massa

Felipe Massa (33 Runden) legte nämlich einen sehr starken Longrun hin und blieb unterm Strich nur 0,151 Sekunden hinter Hamilton zurück, spulte sein Programm wie ein Uhrwerk ab. Der Brasilianer fuhr seine Zeit außerdem auf der härteren Gummimischung von Bridgestone. Teamkollege Kimi Räikkönen (+ 0,373/36 Runden) wurde Dritter, sorgte bei seinen Ingenieuren aber wieder für einen Herzstillstand, als er beim Zurückkommen an die Box nach Ablauf der Zeit kurz stehen blieb.

Ein Fragezeichen über der Hamilton-Zeit lässt auch dessen Stallgefährte Heikki Kovalainen vermuten, denn der bis dahin starke Finne konnte im Finish nicht mehr entscheidend zulegen und nistete sich nach 30 Runden mit 1,457 Sekunden Rückstand nur als Siebenter ein. Vor sich hatte er drei Überraschungsmänner: Jenson Button (Honda/+ 0,982/40 Runden), Sebastian Vettel (Toro-Rosso-Ferrari/+ 1,419/35 Runden) und Jarno Trulli (Toyota/+ 1,438/38 Runden).

Robert Kubica
Robert Kubica war im BMW Sauber F1 Team heute der schnellere Mann
Zoom © xpb.cc
Nun soll die Leistung dieser drei Piloten keineswegs geschmälert werden, aber wenn ein Honda, ein Toro-Rosso-Ferrari und ein Toyota vor dem zweiten McLaren-Mercedes stehen, dann darf man spekulieren, dass die Zeiten insgesamt nicht allzu aussagekräftig waren. Dies liegt an der Charakteristik des Sepang International Circuit, auf dem zehn Kilogramm mehr Benzin an Bord schon ein Handicap von vier Zehntelsekunden pro Runde bedeuten.

 
BMW Sauber F1 Team wieder konservativ?

So sind wohl auch die konservativen Zeiten des BMW Sauber F1 Teams zu erklären, denn Robert Kubica (8./+ 1,616/33 Runden) und Nick Heidfeld (13./+ 2,051/35 Runden), der genau wie viele andere Fahrer einmal neben der Strecke war, konnten noch keine Akzente setzen - da werden Erinnerungen an den Freitag vor einer Woche wach. Auch Nico Rosberg (12./Williams-Toyota/+ 1,853/36 Runden) gehörte nicht zu den Schnellsten, erlebte aber einen problemlosen Nachmittag.

Eine kleine Überraschung lieferte der Sieger von 2006, Giancarlo Fisichella (Force-India-Ferrari/+ 1,701/37 Runden), als Achter, unmittelbar vor Kazuki Nakajima (Williams-Toyota/+ 1,783/34 Runden), der damit schneller war als Rosberg. Die Deutschen Timo Glock (17./Toyota/+ 2,457/35 Runden) und Adrian Sutil (18./Force-India-Ferrari/+ 2,559/35 Runden) mussten in ihren jeweiligen Stallduellen ebenfalls klare Niederlagen hinnehmen.

Probleme hatte am Nachmittag Fernando Alonso (23 Runden), der phasenweise ohne zweiten Gang auskommen musste und mit seinem Renault nach einem Dreher 2,273 Sekunden auf die Spitze verlor, 14. wurde - immerhin knapp vor seinem Teamkollegen Nelson Piquet Jr. (15./+ 2,276/42 Runden), der nicht nur fleißig war, sondern im Vergleich zu Melbourne auch einen stark verbesserten Eindruck hinterließ, was daran liegen könnte, dass er in Sepang die Strecke schon kennt.

 
Coulthard und Bourdais ohne Fahrpraxis

Sébastien Bourdais
Sébastien Bourdais konnte wegen eines Motorschadens nur eine Runde fahren
Zoom © xpb.cc
Zwei Piloten kamen gar nicht in die Wertung: David Coulthards Red-Bull-Renault RB4 musste nach dem Crash am Vormittag zur Reparatur in der Garage bleiben, während Sébastien Bourdais (Toro-Rosso-Ferrari) gleich auf seiner ersten Runde einen Motorschaden erlitt - den dritten insgesamt an diesem Wochenende, den zweiten bei Ferrari. Zuvor wäre Bourdais beim Rausfahren aus der Box wegen einer Unachtsamkeit beinahe mit Heidfeld kollidiert.

Ebenfalls interessant war am ersten Tag in Malaysia, dass die beiden härtesten Bridgestone-Reifenmischungen aus dem Sortiment äußerst haltbar zu sein scheinen, trotz der hohen Streckentemperaturen zwischen 40 und 50 Grad. Die weichen Pneus sind auf eine Runde etwas schneller, dafür erlauben die härteren Gummis enorm konstante Longruns, wie Massa mit dem Ferrari eindrucksvoll beweisen konnte.

Das Kräfteverhältnis an der Spitze ist heute noch schwieriger einzuschätzen als an so manch anderem Formel-1-Freitag, weil viele überraschende Namen weit vorne stehen. Den stärksten Eindruck hat aber Ferrari hinterlassen, auch wenn die Bestzeit am Ende ans silberne Lager ging. Aus deutscher Sicht ist wohl wieder Heidfeld das heißeste Eisen - das BMW Sauber F1 Team ist bekannt dafür, am Freitag die Karten noch nicht aufzudecken.

 
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